15. August 1920 – Maria-Himmelfahrt, Pius XI. und das „Wunder an der Weichsel“

Papst Pius XI. (6.2.1922 – 10.2.1939) erhielt mit dem so genannten „Wunder an der Weichsel“ vom 15. August 1920 ein deutliches Zeichen dafür, dass die Muttergottes die Macht hat, in weltlich-politische Auseinandersetzungen einzugreifen.

Achille Ratti, der spätere Papst Pius XI., wurde in den Jahren 1918-21 nach Polen entsandt. 1919 wurde er zum Apostolischen Nuntius ernannt und als solcher zum Titular-Erzbischof von Lepanto, ein Umstand, der programmatisch werden sollte für sein priesterliches und diplomatisches Wirken in Polen, denn das westslawische Land geriet in diesen Jahren in eine äußerst schwere außenpolitische Krise.

Wegen der Befürchtung, das bolschewistische Russland werde langfristig zur Hegemonialmacht in Osteuropa aufsteigen, verbündete sich Polen mit der antikommunistischen Ukrainischen Volksrepublik. Am 26. April 1920 holte Polen zu einem Präventivschlag gegen sein kommunistisch gewordenes Nachbarland aus und eröffnete den polnisch-sowjetischen Krieg. Unterstützt von den „Weißen Truppen“  nahm das polnische Militär am 7. Mai Kiew ein, um die Stadt von den im Februar 1919 eingezogenen Bolschewiki zu befreien, die schon im Januar 1919 die Ukrainische SSR proklamiert hatten. Auch die „Weißen Armeen“, d.h., die gegenrevolutionären Heere, „waren tief in Russland eingedrungen; sie hätten sicher den Sieg über die „Roten“ davongetragen, wenn man unter den „Weißen“ einig gewesen wäre und wenn England nicht Wrangel zum Einstellen des Kampfes gezwungen hätte.“

Im Juni begannen die Sowjets ihre Gegenoffensive, die zugleich der Entfesselung der kommunistischen Revolution und der Errichtung eines „Sowjet-Polen“ dienen sollte. Da Polen dem kommunistischen Koloss nur wenig militärischen Widerstand entgegenzusetzen hatte, musste es seine Truppen zurückziehen. Der Rückzug sollte in wirre Flucht umschlagen, als Anfang August die ‚Rote Reiterei‘ in Galizien eindrang. Binnen kurzem rückte das russische Heer sogar bis Warschau, ja bis in die Nähe der deutschen Grenze vor. Die Ententemächte (Frankreich und England) waren über den blitzkriegartigen Vorstoß Russlands so beunruhigt, dass sie sofort nicht nur Waffen und Munition nach Polen schickten, sondern auch Stabsoffiziere unter dem französischen General Maxime Weygand.

Angesichts der brennenden Gefahr wurden in Polen öffentliche Gebete zur Muttergottes, der Regina Poloniae, organisiert. Auch der Nuntius des Heiligen Stuhls, Msgr. Achille Ratti, rief zum Gebet zur Königin des Friedens auf, ähnlich wie 350 Jahre zuvor Papst Pius V. im Vorfeld der Seeschlacht zu Lepanto.

Mitte August kam es zur Schlacht in den Auen der Weichsel bei Warschau. Am 15. August, dem Fest der Himmelfahrt Mariens, während in Tschenstochau, im polnischen Nationalheiligtum, „sehr viel Volk gläubigen Herzens“  vor dem Gnadenbild der „Schwarzen Madonna“ betete, ereignete sich das auch von der profanen Geschichtsschreibung allgemein so benannte „Wunder an der Weichsel“:

Wider alles menschliche Erwarten und Berechnen fiel die Entscheidung zu Gunsten Polens: die Russen wurden zurückgeworfen und nach der Durchbrechung der Nachschublinien musste die Rote Armee in wilder Flucht zurückweichen und teilweise sogar auf deutsches Reichsgebiet übertreten. Am 18. März 1921 kam es schließlich zum Frieden von Riga.

Die Schlacht bei Warschau hatte weltgeschichtliche Bedeutung, denn wäre der Roten Armee hier nicht Einhalt geboten worden, wäre Europa damals kommunistisch geworden.

Im polnischen Eigenteil des Breviers wird an zwei Stellen das „Wunder an der Weichsel“, ausdrücklich der Gottesmutter zugeschrieben. In der sechsten Brevierlesung vom 3. Mai heißt es:

Als kaum die Freiheit Polens wiederhergestellt war, erschien der Feind des christlichen Namens, weit und breit alles verwüstend, fast schon vor den Toren Warschaus. In dieser erneuten und furchtbaren Gefahr zeigte sich die Jungfrau Maria als einzige Rettung. Sie war es, die am Tage ihrer Aufnahme in den Himmel die gewaltige Front des Feindes zerbrach. Der Feind wurde zurückgeworfen, und so war das Land der schrecklichen Gefahr entronnen.

Für Pius XI. aber sollte der siegreiche Tag an der Weichsel, der auch seinen Aufrufen zum Gebet zu verdanken war, als Zeichen dafür dienen, dass die Himmelskönigin Maria die Macht hat, die Kommunismusgefahr zu bezwingen.

(vgl.: Fatima-Rom-Moskau)

Siehe auch HIER
und HIER

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s