Zum Rosenkranzfest – 7. Oktober

(Aus: „Der heilige Rosenkranz“ von dem hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort)

Die Art und Weise, den Rosenkranz zu beten

Die Reinheit des Herzens  – Es ist nicht so sehr die lange Dauer, als vielmehr die Inbrunst des Gebetes, die Gott gefällt und sein Herz gewinnt. Ein einziges gut, gebetetes Ave Maria ist von größerem Verdienst als hundertfünfzig schlecht gebetete.

Fast alle katholischen Christen beten den Psalter, den Rosenkranz oder wenigstens einige Gesätzchen davon. Warum also gibt es so wenige, die sich von ihren Sünden abwenden und in der Tugend fortschreiten, wenn nicht deshalb, weil sie diese Gebete nicht auf die rechte Art und Weise verrichten?

Betrachten wir also, wie man sie verrichten muss, um Gott zu gefallen und heiliger zu werden.

Wer den heiligen Rosenkranz betet, muss im Stand der Gnade sein oder wenigstens entschlossen sein, sich aus dem Stand der Sünde zu erheben, denn die ganze Theologie lehrt uns, dass die Gebete und guten Werke, die man im Stand der Todsünde verrichtet, tote Werke sind, die weder Gott wohl gefallen, noch das ewige Leben verdienen können. In diesem Sinne steht geschrieben: „Im Munde des Sünders findet sich kein liebliches Lob“ (Ekkli. 15,9).

Das Lob und der Gruß des Engels und selbst das Gebet Jesu Christi aus dem Munde eines unbußfertigen Sünders ist Gott nicht angenehm: „Dieses Volk ehrt mich nur mit den Lippen, sein Herz jedoch ist fern von mir“ (Mk. 7,6). Wir raten allen an, den Rosenkranz zu beten: den Gerechten, damit sie in der Gnade Gottes ausharren und darin zunehmen, den Sündern, um sich aus ihren Sünden zu erheben.

Man muss den Rosenkranz mit „Andacht“ beten. – Um gut zu beten, genügt es nicht, unsere Bitten durch die vorzüglichste aller Gebetsweisen, nämlich den Rosenkranz, vorzubringen, sondern man muss auch große Andacht darauf verwenden, weil Gott mehr auf die Stimme des Herzens, als auf die Stimme des Mundes hört.

Mit freiwilligen Zerstreuungen zu Gott beten, wäre eine große Unehrerbietigkeit, die unsere Rosenkränze unfruchtbar machen und uns mit Sünden beladen würde. „Verflucht sei, wer das Werk des Herrn nachlässig vollbringt!“(Jer. 48,10)

Du kannst in Wahrheit den Rosenkranz nicht ohne irgendwelche unfreiwillige Zerstreuungen beten; es ist sogar schwer, ein Ave Maria zu beten, ohne dass deine stets bewegliche Einbildungskraft dir etwas von der Aufmerksamkeit raube; aber du kannst ihn ohne freiwillige Zerstreuung beten, und du musst allerlei Mittel anwenden, um die unfreiwilligen zu vermindern und deine Phantasie zu fesseln.

Wie es kein für die Seele verdienstreicheres Gebet gibt, als den gut gebeteten Rosenkranz, so bietet auch kein Gebet mehr Schwierigkeit, es gut zu verrichten und darin auszuharren, namentlich wegen der Zerstreuungen, die bei einer so häufigen Wiederholung desselben Gebetes von selber kommen. Was die Schwierigkeiten erhöht, ist unsere Einbildungskraft, die so flüchtig ist, dass sie fast keinen Augenblick ruhig bleibt, und die Bosheit des Teufels, der unermüdlich uns zu zerstreuen und am Gebet zu hindern sucht. Durch solche Listigkeit erzielt der Teufel oft, dass jemand den Rosenkranz ganz oder teilweise aufgibt, oder ihn gegen andere Gebete vertauscht oder ihn verschiebt. Dein Rosenkranz ist umso besserte verdienstreicher er ist; er ist umso verdienstreicher, je beschwerlicher er ist; er ist umso beschwerlicher, je weniger er der Seele natürlicherweise angenehm und je mehr er von diesen erbärmlichen kleinen Fliegen und Ameisen belästigt ist, die gegen unseren Willen in der Phantasie hin- und herlaufen und der Seele keine Zeit lassen, das Gebet zu kosten und in Frieden zu ruhen. „Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Grösseren getreu“ (Lk. 16,10). Nichts ist so gewiss, wie dies; denn der Heilige Geist selbst hat es gesagt.

Mut also, getreue Diener und Dienerinnen Jesu Christi und seiner heiligsten Mutter, die ihr den Entschluss gefasst habt, den Rosenkranz täglich zu beten! Die Menge der Fliegen, so nenne ich die Zerstreuungen, die während des Gebetes gegen euch ankämpfen, sollen es nicht zustande bringen, dass ihr die Gesellschaft Jesu und Maria, in der ihr euch während des Rosenkranzgebetes befindet, feige verlasset.

So sollst du den Rosenkranz beten:
Nachdem du den Heiligen Geist um seinen Beistand angerufen hast, um den Rosenkranz gut zu beten, versetze dich einen Augenblick in die Gegenwart Gottes und mache die Aufopferung. Vor jedem Gesätzchen halte einen Augenblick inne, länger oder kürzer, je nachdem es dir die Zeit gestattet, erwäge das Geheimnis, das du im folgenden Zehner verehrst und erbitte immer durch dieses Geheimnis und die Fürbitte der Mutter aller Gnaden eine Tugend, die in dem Geheimnisse am meisten hervorleuchtet, oder die du am notwendigsten hast.

Ludwig María Grignion von Montfort (1673-1716)
Ludwig María Grignion von Montfort (1673-1716)
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