Thomas Merton und die nachkonziliare Liturgiereform

Pater Louis OCSO ist vor allem unter seinem bürgerlichen Namen Thomas Merton weltweit bekannt. Für viele war und ist der 1968 durch einen am 10. Dezember erlittenen Stromschlag getötete amerikanische Trappist aus dem Kloster Gethsemane nicht nur Schriftsteller, sondern mehr noch ein Nonkonformist, Friedensaktivist und Global Player im interreligiösen Dialog. Denn in jenem Jahr hielt er sich mit weiteren bekannten Persönlichkeiten des katholischen Mönchtums (etwa Abtprimas Rembert Weakland und P. Jean Leclercq OSB) in Bangkok auf, wo sich, ermuntert durch das Konzilsdekret „Nostra  Aetate“,  buddhistische und christliche Mönche bei einem Kongress trafen und austauschten. Sein „Asiatisches Tagebuch“, das bald als sein Vermächtnis um die Welt ging, bezeichnet aus heutiger Sicht aber nur einen kleinen Aspekt seines Lebens. Zu Thomas Merton gehören auch seine frühen Werke „Der Berg der sieben Stufen“, „Das Zeichen des Jonas“ oder „Verheißungen der Stille“, die das Mönchsleben so  beschreiben, wie es in jener Zeit angesehen wurde. In den vergangenen 50 Jahren wurde Merton zu einer Ikone stilisiert, die scheinbar nichts mehr zu tun hat mit seinem Leben, das er doch immerhin selbst gelebt hat.

Newliturgicalmovement“ hat kürzlich auf einen anderen Thomas Merton aufmerksam gemacht und dabei auf einen Artikel von „abc.net“ hingewiesen. Immerhin sollten wir alle bedenken, was Merton sagte.

Niemand, der etwas über Merton weiß, wird überrascht sein angesichts seiner ambivalenten Haltung gegenüber den nachkonziliaren liturgischen Reformen. Wie bei vielen Leuten wurde der anfängliche Enthusiasmus, mit dem er die Veröffentlichung von Sacrosanctum Concilium begrüßte, sehr gedämpft von einigen der Ergebnisse, die er in den folgenden Jahren sah – Ergebnisse, die er selbst vorausgesagt hatte, während die Tinte des Konzilsdokuments noch trocknete.

Professor Hillis zitiert aus Mertons Tagebuch, in dem er gleich nach der Lektüre von Sacrosanctum Concilium schreibt: „Es ist keine Frage, dass Großes von den Bischöfen geleistet wurde.“ Dann notiert er, dass „Merton als Novizenmeister drei Sitzungen diesem Dokument widmete in den Tagen nach seiner Veröffentlichung“. Und doch, nur fünf Tage nach der offiziellen Promulgation schrieb er einem Freund in der Großen Kartause, mit erstaunlicher Voraussicht:
Unsere große Gefahr besteht darin, Dinge wegzuwerfen, die exzellent sind, die wir nicht verstehen, und sie durch mittelmäßige Formen zu ersetzen, die uns sinnvoller erscheinen, aber tatsächlich nur platt sind. Ich fürchte sehr, dass, wenn sich die Wogen glätten, wir nicht besser dastehen werden, als wir es verdienen: Eine recht dumme, protzige, scheinbar auf dem neuesten Stand befindliche Reihe von liturgischen Formen, welche die Würde und Bedeutung der alten Formen verloren haben.
Gleichfalls beschreibt er 1966 die englische Liturgie in der Abtei Gethsemane als „sehr offen, einfach, gar lässig, aber sehr bewegend und wirklich“, während er ein Jahr zuvor in einem Brief an einen anglikanischen Freund schreibt: „Wie ich all meinen anglikanischen Freunden sage: ‚Ich hoffe, dass ihr den Sinn haben werdet, die Traditionen zu bewahren, die wir jetzt eifrig über Bord werfen.‘“

P. Louis OCSO Thomas Merton
P. Louis OCSO
Thomas Merton

 

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