Dieser, Bischof von Aachen – Wie er an sein Amt herangeht

Die Situation im Bistum Aachen ist desolat, nicht nur liturgisch gesehen. Selbst Priester, welche die Liturgie würdig feiern, gelten als konservativ und haben es im Bistum schwer. Der Geruch des konservativen wird unmittelbar mit Erzbischof Lefebvre, unerlaubten Bischofsweihen und mit der Ablehnung des 2. Vatikanischen Konzils verbunden. Als konservativ zu gelten, nur weil man Liturgie schön findet, fordert den Kampf der Aachener Kirchenleitung heraus. Zumindest ist es bis heute so.

Unter dem Schlagwort „Miteinander Kirche prägen“ veröffentlicht die „Kirchenzeitung für das Bistum Aachen“ in seiner Ausgabe 41/2016 ein Exklusivinterview mit dem neuen Bischof von Aachen Helmut Dieser. Dieser äußert sich auch zu liturgischen Fragen. Was er sagt lässt schlimmste Befürchtungen zu. Aber vielleicht auch einen kleinen Hoffnungsschimmer.

Aus dem Interview folgender Abschnitt:

Einen Knackpunkt zwischen den Konfessionen bilden Fragen der Liturgie. Dabei ist auch in der katholischen Kirche selbst das Bild in sich nicht einheitlich. Wie ist Ihr Standpunkt dazu?

Ich habe eine sehr positive Beziehung zur Liturgie, sie prägt mich seit meiner Kindheit. Vor allem über die regelmäßige Teilnahme an der Heiligen Messe am Sonntag von Kindheit an bin ich katholisch geworden! Die Liturgie ist ein Pfund, mit dem wir als Kirche auch heute wuchern können und müssen. Und dabei ist der Sonntag der entscheidende Tag, um Leben, Glauben und Kirche zusammenbringen zu können und das auch so zu erfahren. Wir feiern am Sonntag, was Jesus selbst gestiftet hat, die Feier mit Brot und Wein, von der er sagt: Darin bin ich. Darin ist meine Liebe, die alles riskiert und gesiegt hat. Tut dies zu meinem Gedächtnis, dann geraten wir ineinander: ich und mein Einsatz für euch und ihr und euer Suchen nach dem, was wirklich Leben ist. Die Feier der Eucharistie muss uns so am Herzen liegen, dass sie ausstrahlt, dass Leuchttürme entstehen und die Menschen sagen: Da will ich hin. Da will ich dazu gehören. Da erfahre ich, dass Gott in meinem Leben wirkt und ich nicht allein bin.

 Wie kann das gelingen?

Ich denke da vor allem an die Qualität der Sprache. Durch die Medien und die Qualität ihrer Kommunikationsformen sind die Menschen heute geprägt und sogar verwöhnt. Die Liturgie aber lebt von unterschiedlichen Sprachformen in Verbindung mit ihren Ritualen: Biblische Texte, festgelegte rituelle Sprachstücke, aber auch Umgangssprache, heutige Sprache fließen ineinander und müssen jeweils echt sein. Ganz entscheidend ist auch die Qualität der Kirchenmusik. Und nicht übersehen dürfen wir, dass es im Gottesdienst die Stille geben muss, das Schweigen und Verstummen und Anbeten, denn Gott ist größer als unser Begreifen. Wir dürfen uns nicht erlauben, unverständlich, formal, routiniert oder gar gehetzt die Liturgie zu feiern. Das ist leider oft nicht mehr feierlich.

 Und wenn Menschen die traditionelle Form am Herzen liegt?

Noch einmal: Katholisch ist für mich, dass Vielfalt herrschen darf. Auf die Liturgie bezogen heißt das: Was katholisch ist, darf auch sein. Ich bin nicht für Uniformität. Aber ich mag auch keine Verkapselungen, wir müssen untereinander an-schlussfähig sein. Also finde ich nicht akzeptabel, wenn einer nur den außerordentlichen Ritus als einzig gültig gelten lässt. Und genauso wenig kann ich zulassen, wenn das Messbuch der Kirche verächtlich zur Seite geschoben wird oder wenn uns die Verbindung zwischen der Feier der Eucharistie und dem Sonntag verloren geht. Dass seit den Tagen der Urgemeinde der Tag der Auferstehung Woche für Woche begangen wird mit der Feier der Eucharistie als das lebendige Testament Jesu, das muss uns im Bewusstsein bleiben und dafür müssen wir auch alle in unseren jeweiligen Verantwortungsbereichen gemeinsam Sorge tragen! Das Stichwort Wortgottesfeier lenkt den Blick auf Christen, die ohne Weihe liturgische Dienste übernehmen, also mit bischöflichem Auftrag und Segen Gottesdienste leiten, predigen und beerdigen.

Kirchenzeitung Aachen

 

 

O ihr Menschenkinder, betet, betet, betet!

Teresa von Avila im Interview (1/4)

Wie beginnt man, ein Leben des Gebets zu führen?

„Wer sich dem Gebet zu widmen beginnt – vergesst das nie, denn es ist sehr wichtig –, der muss allein danach streben, sich mit allem Fleiß und Eifer, mit aller Entschlossenheit, deren er fähig ist, darauf einzustellen, dass sein eigener Wille mit dem Willen Gottes übereinstimme.“

Wie kann ich erkennen, dass ich im geistlichen Leben Fortschritte mache und Gott verbunden lebe?

„Ob wir Gott lieben, lässt sich nicht sicher wissen, wenn es auch wichtige Merkmale dafür gibt. Die Liebe zum Nächsten aber, die können wir wissen. Je mehr wir darin fortschreiten, umso größer wird auch die Gottesliebe.“

Und warum fallen wir so oft in alte Sünden und Fehler zurück?

„Gar oft erlaubt der Herr, dass wir fallen, damit die Seele demütig wird. Wahre Demut beunruhigt, verwirrt und stört die Seele nicht,  sondern bringt ihr Frieden, Trost und Ruhe. Gott führt nicht alle denselben Weg. Und vielleicht steht gerade derjenige, der meint, er wandle ganz in der Tiefe, sehr hoch in den Augen Gottes.“

(Monsignore Florian Kolfhaus „Interview mit einer Heiligen: Teresa von Avila in ihren eigenen Worten“ – gefunden bei catholicnewsagency -)