Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung (9)

9. Oration. Kirchengebet

Pr. Der Herr sei mit euch!
A. Und mit deinem Geiste.

Oremus.
Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Deinen Dienern die Gnade verliehen, im Bekenntnis des wahren Glaubens die Herrlichkeit der ewigen Dreifaltigkeit zu erkennen und in der Macht der Majestät die Einheit anzubeten; nun bitten wir Dich, laß uns kraft dieses unerschütterlichen Glaubens stets vor allem Unheil gesichert sein.
Durch unsern Herrn…

„Oremus. Lasset uns beten“: Der Priester fordert uns auf, uns seinem Gebet anzuschließen. Er ist der Wortführer bei unserer feierlichen Audienz vor dem dreimal heiligen Gott. Der Priester betet flehentlich „mit ausgebreiteten Händen“ oder auch „ausgespannten Armen“ (Segnung der Opfergaben, Beginn des Kanon). Es ist dies eine biblische und altchristliche Gebetshaltung. In den Katakomben finden wir die Kirche (oder auch Seele) mit Vorliebe als Frau in der Orante-Stellung, mit ausgebreiteten Armen betend abgebildet.

Die Oration beginnt mit einer die Ewigkeit oder Allmacht Gottes hervorhebenden Anrufung. Sie nennt einen Kernpunkt der Tagesfeier und fugt daran eine Bitte um Gnade und Hilfe. Der Priester schließt das ganze Gebet „durch unsern Herrn Jesus Christus“, wobei er durch Herz und Mund des primären Hohenpriesters und des Hauptes des mystischen Leibes, der Kirche, unser Gebet zum himmlischen Vater emporsendet. Mit diesem lebt und herrscht Christus, zugleich in der Einheit des Heiligen Geistes, „als Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Mit den Schlußworten klingt unser Gebet hinüber und hinein in die himmlische Sphäre der göttlichen Unendlichkeit von Raum und Zeit.

„Amen, Ja, so soll es sein“: Damit schließen sich die Gläubigen mit vertrauensvoller Beteuerung dem feierlich-liturgisch vorgetragenen Gebet des Priesters an.

Bibelworte: „So lange Moses seine Arme (in Kreuzesform) ausgebreitet hielt, siegten die Israeliten“ (Ex 17,11).
„Da trat Salomon angesichts der ganzen Gemeinde vor den Altar des Herrn, breitete seine Hände gen Himmel aus und betete“ (1 Kön 8,22).
Der Apostel mahnt: „Ich will, daß Männer allerorts reine Hände zum Gebet erheben“ (1 Tim 2,8). „Unserem Gott und Vater aber sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen“ (Phil 4,20).“
„So preisen wir einmütig, aus einem Munde Gott und den Vater unseres Herrn Jesus Christus“ (Röm 15,6).

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Pater Gebhard Heyder OCD (1977)
„Das heilige Meßopfer mit aszetisch-mystischer Erklärung“

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