Das Wunder von Konnersreuth

Klassiker neu aufgelegt: Fritz Gerlichs überzeugendes Porträt der Therese Neumann

Buchbesprechung
erstveröffentlicht in DIE TAGESPOST am 11. Oktober 2016

Als Fritz Gerlich die vorliegende Schrift über Therese Neumann verfasste, war sie 29 Jahre alt. Was bewog den kritischen Journalisten und entschiedenen Hitler-Gegner im Jahr 1929, die „Lebensgeschichte“ einer jungen Frau aufzuschreiben, die seit ihrem zwanzigsten Lebensjahr taub, blind, gelähmt und pflegebedürftig war?

Der 1883 in Stettin geborene Fritz Gerlich wurde calvinistisch erzogen. Ab 1901 studierte er in München, wo er 1907 zum Dr. phil. promoviert wird. In verschiedenen Veröffentlichungen und politischen Auseinandersetzungen machte Gerlich von sich reden. Im Jahr 1920 wurde er Chefredakteur der „Münchner Neuesten Nachrichten“ (MNN), der Vorgänger-Zeitung der heutigen „Süddeutschen Zeitung“.

1927 erfuhr er von wundersamen Ereignissen, die in einem kleinen Dorf in der Oberpfalz vorgehen sollten. „Es war meine Berufspflicht, die mich veranlasste, mich mit dem Fall Therese Neumann zu beschäftigen.“ Um den „Schwindel um die unerklärliche Heilung und Stigmatisierung der Resl [Therese Neumann] aufzudecken“, begab er sich im September des Jahres nach Konnersreuth. Doch Gerlich war beeindruckt. Er kehrte nach München zurück und begann, seine Beobachtungen und Erkenntnisse aufzuschreiben und in zahlreichen Artikeln zu publizieren. Es entstanden 1929 zwei Bücher über Therese Neumann und die Ereignisse von Konnersreuth (im Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet, 1929; Die stigmatisierte Therese Neumann von Konnersreuth. Erster Teil: Die Lebensgeschichte der Therese Neumann; Zweiter Teil: die Glaubwürdigkeit der Therese Neumann von Konnersreuth entwaffnete kritische Beobachter wie Fritz Gerlich. Das erste dieser beiden Bücher ist nun im Verlag Media Maria neu erschienen. In seiner kraftvollen, eindrucksvollen und klaren Sprache überzeugt „Fritz Gerlich. Therese Neumann von Konnersreuth“. Gerlich war beim Abfassen seiner Bücher kein Katholik, aber er war auf dem Weg. Am 29. September 1931 wurde er getauft; er erhielt den Taufnamen Michael, den er fortan in seinem Namen führte. Bald darauf wurde er von Kardinal Faulhaber gefirmt. Schon 1928 musste Gerlich seinen Chefposten bei den MNN aus politischen Gründen aufgeben. 1932 gründete er eine katholische Zeitung, damit Deutschland und die katholische Kirche vor dem Nationalsozialismus bewahrt würden. Diese Zeitung nannte Gerlich „Der gerade Weg. Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht“. Kurz nach der Machtergreifung Hitlers wurde der „Gerade Weg“ verboten, Gerlich in „Schutzhaft“ genommen und 1934 in das KZ Dachau überstellt. Dort wurde er am 30. Juni 1934 erschossen und verbrannt.

Therese Neumann 1898 geboren, trug seit ihrem 28. Lebensjahr die Stigmata Jesu an ihrem Leib. Zuvor war sie seit einem schweren häuslichen Unfall teilweise gelähmt und litt unter mancherlei weiteren Behinderungen und Krankheiten. Von ihrer Blindheit wurde sie am Tag der Seligsprechung von Therese von Lisieux – 29. April 1923 – spontan geheilt. Zwei Jahre später, bei der Heiligsprechung von Therese von Lisieux am 17. Mai 1925, verschwand auch die Lähmung.

Die Stigmata traten von 1926 an auf. Im Jahr darauf blutete sie augenfällig an jedem Freitag aus den Wundmalen der Dornenkrone. Bis zu ihrem Lebensende trug sie die Wundmale Christi an ihrem Leib. Sie erlebte und schaute fast siebenhundertmal das Leiden und Sterben Christi und an den Karfreitagen fiel sie in einen todesähnlichen Schlaf, der bis zum Ostertag dauerte.

Als Fritz Gerlich Therese Neumann kennenlernte, ging es ihm nicht darum, den Ereignissen, die in Konnersreuth vor sich gingen, Glauben zu schenken. Er wollte aufklären und den Betrügereien ein Ende bereiten. Im Hause Neumann nahm Gerlich alles zur Kenntnis. Er prüfte, beobachtete und notierte akribisch alles, was er sah und was um die Resl vor sich ging. Während sich zunächst eine große Skepsis seitens Therese Neumanns und ihrer Familie gegenüber Gerlich Raum schaffte, so entstand bald eine gewisse Nähe unter ihnen. Therese akzeptierte, dass er alles wissen wollte und bei allem dabei sein wollte, damit er wirklich alles prüfen könne. Selbst bei den Visionen und Erscheinungen konnte er anwesend sein, oder auch bei dem Kommunionempfang in der Kirche, die Therese in jener Zeit hinter dem Altar der Dorfkirche empfing. Gerlich konnte über seine Besuche in Konnersreuth als Ergebnis feststellen: „Ich lege im Folgenden das Ergebnis dieser Prüfung vor. Wie meine Weltanschauung sich damit abzufinden vermag, steht hier nicht zur Erörterung. Es handelt sich um die Tatsachen des Lebens der Therese Neumannn.“

Ein empfehlenswertes Buch, in dem die Geschichte Therese Neumann sachlich berichtet wird – von einem Augenzeugen.

gerlich-konnersreuth-coverFritz Gerlich
Therese Neumann von Konnersreuth
Media Maria 2016
ISBN: 978-3945401279
352 Seiten; 19,95 Euro

HIER können Sie bestellen

 

 

 

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