Kapuziner suchen Identität

Mit dem Aufmacher „Treffen in Innsbruck: Kapuziner suchen Identität“ veröffentlichte die in Innsbruck erscheinende „Tiroler-Tageszeitung“ vom 17.10.2016 einen Bericht über ein „Treffen der drei ranghöchsten Kapuziner im deutschen Sprachraum“.

sreenshot, Tiroler-Tageszeitung
sreenshot, Tiroler-Tageszeitung

Von einem kleinem Gipfeltreffen schreibt die Tiroler-Tageszeitung. Denn die Provinziale der Kapuzinerprovinzen aus Österreich mit  Südtirol, Deutschland und der Schweiz trafen sich, damit gemeinsam über „Entwicklungen, Zukunftsperspektiven und nötige Maßnahmen“ geredet werden konnte.

Die Zukunft des Kapuzinerordens steht auf dem Prüfstein.

Wir leben in einer Zeit der Umbrüche in Gesellschaft und Kirche, und sie ist noch nicht vorbei. Wir wollen nicht warten, sondern gemeinsam aktiv werden. Es braucht klare Entscheidungen, die auch weh tun“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es bis zu viermal so viele Brüder wie heute gegeben, erfährt man, und man hatte keine Nachwuchssorgen. „Wir werden älter und weniger. Unsere Häuser, Werke und Aufgaben aber sind eher gewachsen, wir müssen sie an unsere personelle Situation anpassen“, ist zu lesen; und das bedeute, dass weitere Standorte verlassen werden müssen.

Die Gemeinschaften werden kleiner, doch kreative Ideen sollen sie wieder wachsen lassen: Enger zusammenrücken, sich zurückziehen und gleichzeitig öffnen, lautet der Leitsatz.

Viele Beispiele zur Wiederbelegung und Nutzung sich leerender Klöster wurden besprochen, bei allen geht es darum, die lange Zeit verborgene Welt hinter den hohen Mauern zugänglich zu machen. Da sind etwa die Klöster zum Mitleben – Rückzugsorte für gestresste Berufstätige oder für Studenten, die dort in Ruhe lernen können, so ein Angebot in Deutschland. Der aus der Schweiz angereiste Provinzial Agostino del Pietro erzählt von einem Projekt in Luzern: Im dortigen Kloster wurden Wohnungen für Menschen eingerichtet, die das Bedürfnis haben, am Leben der Brüder teilzunehmen. Viele der großen Klostergärten werden geöffnet – aus der Not heraus, wie etwa in Deutschland, wo die Menschen einer benachbarten Einrichtung für psychisch Kranke die Gartenarbeit übernommen haben. Alle profitieren davon. Generell haben viele Brüder ihre Leistungsgrenzen überschritten, in Deutschland gibt es einen Grundsatzbeschluss, die Arbeit zu reduzieren. In Luzern legen die Bewohner neben dem Kloster Schrebergärten an, und in Innsbruck spielen Kindergartenkinder und gehen Bewohner des benachbarten Altenheims spazieren.

Die Menschen kommen, um aufzutanken“. „Viele sind getrieben und suchen die Stille, aber auch die Sehnsucht nach Spiritualität ist groß“.

Die Kapuziner von heute fragen sich: „Was brauchen die Menschen heute von uns? Welche Bedeutung haben wir im 21. Jahrhundert? Wer sind wir geworden und wer wollen wir sein?

Die Kapuziner befinden sich mitten in einem „Identitätsprozess“.

Die Menschen suchen nach Begleitung und nach Räumen, wo sie leben können, wonach sie sich sehnen – in guten Beziehungen in einer Gemeinschaft. Ein Kloster steht für diese Lebensform.“ – „Es ist wohl die ,Aura des Wohlwollens‘, die selbstlose Art zu leben, die viele fasziniert“.

Wir können nicht warten, bis in jedem Kloster nur noch ein Kapuziner lebt.“ „Natürlich klagen die Leute, sie sind traurig und fühlen sich im Stich gelassen. Aber viele Brüder sind über 80, wir können nicht einfach zuschauen und nichts tun!

Tiroler-Tageszeitung

 

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