Das Eucharistische Wunder von Liegnitz

Über das jüngste aller anerkannten eucharistischen Wunder berichtet Pfarrer Dr. Guido Rodheudt im Vatican-Magazin (11, 2016).

Zu Weihnachten 2013 widerfährt in der Pfarrei zum heiligen Hyazinth im niederschlesischen Liegnitz einem Priester ein Missgeschick. In der überfüllten neugotischen Kirche, […] fällt beim Austeilen der heiligen Kommunion der Leib des Herrn auf den Boden. Man macht daraufhin das, was in solchen Fällen zu machen ist. Die verunglückte Hostie wird in ein Gefäß mit Wasser gelegt und im Tabernakel solange aufbewahrt, bis sich deren äußere Gestalt aufgelöst hat.

Es entspricht der Lehre von der Transsubstantiation (Wesensverwandlung), dass Christus solange in der Eucharistie gegenwärtig ist, wie die äußere Gestalt des Brotes, also das so genannte Akzidenz, sichtbar erhalten ist. In der Konsekration wird das Wesen des Brotes, seine Substanz, durch die Gnade Christi in Seinen Leib gewandelt. Das „neue“ Wesen dessen, was dann auf dem Altar liegt, ist also nicht mehr Brot, sondern Christus selbst. Die äußeren Merkmale, die nach wie vor wie Brot aussehen und schmecken, betreffen nicht das Wesen der Sache. Die äußere Erscheinung des Brotes hält nach der Auslöschung seines Wesens in der Wandlung den Herrenleib gegenwärtig.

Also: Sobald die äußere Erscheinung aufhört zu existieren, ist die Gegenwart des Herrn beendet.
Solange sie zu sehen ist, ist Christus real präsent. Die übrig gebliebenen Hostien werden deswegen auch an einem besonderen Ort, dem Tabernakel, aufbewahrt, um sie jederzeit für die heilige Kommunion oder die eucharistische Anbetung zur Verfügung zu haben.

Das alles war zu Weihnachten 2013 in Liegnitz dem Pfarrer von St. Hyazinth wohlbekannt, weswegen er den Vorschriften entsprechend daran ging, die gefallene Hostie, die man aus Gründen der Hygiene nicht mehr zur Kommunion reichen wollte, in der Verborgenheit des Tabernakels in einem Gefäß mit Wasser ihrem äußeren Zerfall anheimzustellen, solange, bis sich die Gestalt des Brotes aufgelöst haben würde und man die zurückbleibende Flüssigkeit in das „Sacrarium“ der Kirche würde gießen können, einen Abfluss, der nicht mit dem Kanalsystem verbunden ist, sondern direkt in das geweihte Erdreich unter der Kirche führt. Aber es kam anders.

Als der Priester nach knapp zwei Wochen, am 5. Januar 2014, nach der Hostie schaute, war sie mitnichten aufgelöst. Vielmehr hatten sich auf ihr kleine rote Flecken gebildet, die dem Priester einen gehörigen Schrecken in die Glieder fahren ließen. Er holte Mitbrüder zur Beratung hinzu und behielt die Sache im Auge. Vielleicht war es ja auch nur ein Schimmelpilz?!

Nach wiederholtem Prüfen der Entwicklung wurde der Bischof zurate gezogen, der die Sache so ernst nahm, dass er eine kirchliche Kommission einsetzte, die das Phänomen weiter beobachtete. Diese Entscheidung war mehr als weise, denn aus den kleinen roten Flecken wurde mit der Zeit ein größeres Stück einer roten, gewebeartigen Substanz, die begann, sich von der übrigen Hostie, die mit der Zeit im Wasser zerfiel, abzulösen. Zurück blieb – man muss es so sagen – ein Stück Fleisch.

Mittlerweile war der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Fachleute des Phänomens annehmen mussten. Schon alleine deswegen, weil – wie zu erwarten – die Gerüchteküche kochte und man bereits alle möglichen Tricks und Betrügereien für das Phänomen verantwortlich machte. Sogar ein Mord wurde vermutet, bei dem ein Stück toten Gewebes im Tabernakel gelandet sein sollte.

Über fünfhundert Untersuchungen musste das geheimnisvolle Stück Gewebe über sich ergehen lassen. […] gerichtsmedizinische, biologische und andere naturwissenschaftliche Gutachten wurden eingeholt, bis es zweifelsfrei feststand: das Stück Hostie war zu einem Stück menschlichen Gewebes mutiert. Genauer, zu einem Stück eines menschlichen Herzmuskels – und zwar im Zustand des Todeskampfes.

legnica-eucharistieKeine zweieinhalb Jahre später, am 10. April 2016, verkündete der Bischof von Liegnitz, Zbigniew Kiernikowski, die Anerkennung des Phänomens als ein eucharistisches Wunder durch Papst Franziskus. Seither darf es mit kirchlicher Erlaubnis als solches verehrt werden.

Unter den vielen ähnlichen Bestätigungswundern der realen Gegenwart Christi in der Eucharistie hält das jüngste Wunder von Liegnitz allerdings eine besondere Botschaft für unsere Zeit bereit. Sie ergibt sich aus dem Vorfall, der schließlich zum Wunder geführt hat: Es Unachtsamkeit beim Austeilen der heiligen Kommunion.

Die Hostie färbt in Liegnitz nicht aufgrund des schwachen Glaubens eines Priesters rot wie […]. Das Wunder der Verborgenheit des Tabernakels ein, in dem die Hostie nach dem Malheur auf ihre Auflösung wartete. […] Es ist vor allem ein Fingerzeig des Himmels, dass im Umgang mit der Eucharistie größte Sorgfalt und Ehrfurcht angebracht ist – innerlich und äußerlich.

Ein Signal, das nicht unterschätzt werden darf. Denn durch die allgemein üblich gewordene Praxis der Handkommunion, durch den Abbau der Kommunionbänke und die legere Art und Weise, sich den Leib des Herrn zu nehmen statt ihn zu empfangen und durch die psychologisch unkluge Art und Weise, wie viele Kommunionhelfer in Straßenkleidung, aber auch Priester das zutiefst geistliche Geschehen des Kommunionempfangs zu einer technischen Verteilungsabwicklung werden lassen, ist in den Herzen vieler Menschen der Glaube daran, dass ich in der heiligen Kommunion nicht ein Stück Brot, sondern den Leib des Herrn empfange, beschädigt worden.

Es kann ja nicht etwas, das man mit großem Gepränge und in goldenen Monstranzen am Fronleichnamsfest durch die Straßen trägt, als dasselbe Erhabene erlebt werden, wenn es mir bei anderer Gelegenheit wie ein Fahrschein in die Hand gedrückt wird, nachdem ich an der Ausgabestelle in der Warteschlange gestanden habe. […]

Ebenso schizophren ist es, dem Priester in der Liturgie eine Purifikation (Reinigung) der Gefäße am Ende der Messfeier abzuverlangen, wenn gleichzeitig derjenige, der die heilige Kommunion mit der Hand empfängt, anschließend seine Hände ungereinigt in den Hosentaschen vergräbt oder mit Hostienstaub behafteten Fingern die Seiten seines Gebetbuch durchblättert. Die frühere Vorschrift, den Gläubigen bei der Austeilung des Herrenleibes eine so genannte Kommunionpatene unter das Kinn zu halten, war ein Ausdruck des Glaubens, dass Christus auch in den kleinsten Teilchen der Hostie wahrhaft und wirklich gegenwärtig ist. Priester, die im außerordentlichen Usus die Heilige Messe zelebrieren, in dem der Gebrauch der Kommunionpatene vorgesehen ist, wissen, dass sich auf ihr nach jeder Kommunionausteilung kleine Hostienpartikel finden. Ohne diese Sicherheitsvorkehrung fallen sie auf den Boden oder vergraben sich in Kleidungsstücken.

Das wäre kein Drama, handelte es sich bei der Kommunion um den Empfang eines Brotstücks, das einen symbolisch an Jesus erinnert, so wie es deutsche Kommunionkinder in der Regel von ihren „Tischmüttern“ lernen. Ist es aber der Leib des Herrn, der am Ende buchstäblich mit Füßen zertreten wird, weitet sich jede Unachtsamkeit zum ungewollten Sakrileg. Denn das Brot ist in der Wesensverwandlung Fleisch geworden! Schon in der Synagoge von Kapharnaum spaltet diese Verheißung Christi seine Anhängerschaft. Viele folgen ihm daraufhin nicht mehr hinein in diese intellektuelle Zumutung. […]

Der Himmel hat uns in Liegnitz eine noch wertvollere Pädagogik geschenkt. Er will uns zu größerer Ehrfurcht dem Allerheiligsten gegenüber erziehen. Weil im Verlust der Ehrfurcht, im Abbau der äußeren Formen, in der falschen Signalwirkung der Handkommunion, die aus unmündigem Empfangen eine Selbstermächtigung macht, und in der Unachtsamkeit den kleinsten Partikeln des Herrenleibes gegenüber ein weitergehender Verlust begründet ist: Es ist der Verlust der Treue zum Vermächtnis Christi, das er im Abendmahlsaal hinterlassen hat. Wenn das Heilige nicht mehr heilig gehalten wird und der Umgang mit der Eucharistie wederinnere noch äußere Akte der Sorgfalt und Demut mehr zeitigt, dann wird am Ende der Kult des Christentums unverbindlich und schließlich ersetzbar. Der Wunsch des Zweiten Vatikanischen Konzils, es möge bewusst werden, dass die heilige Messe Quelle und Höhepunkt des ganzen kirchlichen Lebens ist, wird durch die kontraproduktive Erlaubnis, den Leib des Herrn in einer Art Selbstbedienung mit der Hand zu ergreifen, und durch andere formlose Unachtsamkeiten dem Sakrament gegenüber unerfüllbar. Die Realität der Anwesenheit des Gottessohnes, die in Liegnitz auf eine außerordentliche Weise bekundet wird, verlangt ein Umdenken.

Als im vergangenen Sommer eine deutsche Jugendgruppe auf ihrem Weg zum Weltjugendtag nach Krakau in Liegnitz das rote Stück Fleisch in der Monstranz sehen wollte, hielt Andrzej Ziombra, der Pfarrer der St.-Hyazinth-Kirche, eine Katechese vor den jungen Leuten. Im Gespräch vernahm er mit erkennbarem Entsetzen, dass sich in Deutschland – im Gegensatz zur gängigen Praxis in Polen – die Handkommunion so gut wie ausschließlich etabliert hat. Er beschwor daraufhin die Jugendlichen, die Eucharistie über alles zu schätzen und sie nicht unbedenklich zu empfangen: „Kein Sonntag ohne Messe! Kein Kommunionempfang ohne Gewissensprüfung und – gegebenenfalls – nicht ohne vorherige Beichte!“ […]

Aus: Guido Rodheudt. Und das Wort ist Fleisch geworden. Das Eucharistische Wunder von Liegnitz. Vatican-Magazin (11, 2016).

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