Fest „Mariä Opferung“ – 21. November

IN   PRAESENTATIONE   B. M. V.

Zur Geschichte des Festes

Für dieses Fest bietet die Heilige Schrift keine geschichtliche Unterlage. Aber gemäß einer Überlieferung soll die Mutter Anna nach der Verkündigung der Geburt Mariens durch einen Engel das Gelübde gemacht haben, dieses Kind dem Herrn als Weihegeschenk aufzuopfern. Schon mit drei Jahren soll Maria zum Tempel gebracht worden sein. Die Feier des Festes „Mariä Opferung“ ist jedenfalls uralt. Im Morgenland ist sie schon im 8. Jahrhundert bekannt, und zwar unter dem Titel „Einzug der Gottesmutter in den Tempel“. Durch einen Gesandten von Cypern am päpstlichen Hof zu Avignon (wo Gregor XI. damals residierte) veranlasst, wurde dieses Fest in der abendländischen Kirche 1372 zum ersten Mal feierlich begangen. Es wurde aber bereits im 11. Jahrhundert mancherorts gefeiert. Papst Sixtus IV. ordnete es im Jahre 1472 für die ganze Kirche an. Pius V. (1566 bis 1572) strich aber wieder diesen Festtag aus dem römischen Kalender. Sixtus V. führte ihn 1585 wieder ein. Klemens VIII. approbierte das Offizium in seiner heutigen Form. Auffallend ist, dass gerade dieses liebliche Fest heute zu den volkstümlichsten Marienfesten gehört.

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Als der Erzengel Gabriel Maria die inhaltschwere Botschaft überbrachte, sie solle Mutter des Herrn werden, gab die seligste Jungfrau ihre Herzenseinstellung in den schlichten und doch tiefen Worten kund: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort!“ Maria hätte bei dieser dunklen Botschaft ein solches Wort nicht so schnell und so echt sprechen können, wenn sonst ihr Leben auf etwas anderes ausgerichtet gewesen wäre, als den Willen Gottes zu erfüllen. Wir spüren förmlich bei dieser Szene, dass diese Antwort nur aus einer lebenslang geübten Einstellung auf den Willen des Herrn herausgeflossen ist.

Auf diesen Tatbestand möchte das Fest der Opferung Mariens aufmerksam machen. Es hat zwar zum geschichtlichen Ausgangspunkte die Auffassung, Maria sei als kleines Kind von ihren Eltern zum Tempel nach Jerusalem gebracht worden, um dort als gottgeweihte Tempeljungfrau dem Dienste des Allerhöchsten zu leben. Darum Mariä Opferung genannt. Da die Heilige Schrift uns nichts von dem berichtet, was im Leben der Auserwählten der Verkündigungsszene vorangegangen ist, so schweigt sie auch über diese Auffassung. Leider wissen wir auch aus andern Quellen nichts geschichtlich Sicheres, was diese fromme Legende stützen könnte.

Aber der innere Kern, der in dieser Auffassung ausgesprochen werden soll, ist sicherlich echt. Gott bereitet nämlich seine Werke in feinster Weise vor. Da er das Kind Maria von Nazareth nur als die vorausbestimmte Mutter seines Sohnes ins Dasein treten ließ, so hat er durch seine Gnaden in diesem Mädchenherzen darauf hingearbeitet, dass sie in besonderer und in vollster Weise des Herrn sein wollte. Wollte er doch seine Menschwerdung nur verwirklichen mittels der freiwilligen Zustimmung Mariens. Darum wird er ihre gesamte Seelenerziehung darauf abgestellt haben, dass es ihr stets eine Lebensspeise war, dem Willen Gottes zu folgen. Maria ist darum nicht nur jenes Wesen, das der Allerhöchste ganz und gar für sich und seine Pläne mit Beschlag gelegt hatte. Sie ist auch ihrerseits in freier sittlicher Entscheidung jenes Menschenkind, das sich ganz und allein dem Herrn hingibt.

Durch Gottes Einfluss lebte Maria als Mädchen in jener inneren Haltung, welche später als das Ideal christlicher Jungfräulichkeit bezeichnet wurde. Von ihr sagt ja der hl. Paulus: „Die Jungfrau aber ist um die Sache des Herrn bedacht, sie will an Leib und Seele heilig sein.“ Mit Recht hat man seit unvordenklichen Zeiten diese Haltung aus dem Worte Mariens herausgelesen: „Wie soll mir das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“

In solcher Einstellung, die Maria ein ganzes langes Leben begleitet hat, steht Maria in der göttlichen Heilsgeschichte als die Jungfrau aller Jungfrauen. Leuchtendes Vorbild christlicher Jungfräulichkeit. Kaum spricht man je den Namen „Maria“ aus, ohne hinzuzufügen: die „Jungfrau„. Keineswegs darf bei dieser Aussage Mariens wunderbare leibliche Unversehrtheit trotz echter Mutterschaft im Vordergrunde stehen. Das Ausschlaggebende ist vielmehr ihre seelische Unverletztheit oder Sündenlosigkeit, ihre innere Totalhingabe an den Herrn. Ohne diese hätte Maria niemals jene Heilsaufgaben an der Seite ihres Sohnes Jesus erfüllen können, welche die Liebe Gottes ihr zugedacht hatte.

Darum wird auch die Kirche als der fortlebende Christus der jungfräulichen Seelen nicht entraten können. Nie wird das Reich Gottes auf dieser Erde zur Blüte kommen, wenn es nicht Menschen gibt, die in ganzer jungfräulicher Hingabe sich dem Reiche Gottes zur Verfügung stellen, sei es in seiner Ausbreitung unter allen Völkern der Erde, sei es zu seiner Vertiefung in den Seelen der Christen.

Kirchengebet
O Gott, Du wolltest, dass am heutigen Tage
die heilige, allzeit reine Jungfrau Maria,
die Wohnung des Heiligen Geistes,
im Tempel Dir dargebracht werde;
daher bitten wir Dich: gib,
dass wir auf ihre Fürsprache würdig seien,
dereinst selber im Tempel Deiner Glorie
vor Dich gebracht zu werden.

(Vgl. C. Feckes, So feiert dich die Kirche, Steyl 1954)

Darstellung Mariens im Tempel, Eustache Le Sueur, ca. 1641, Eremitage St. Petersburg
Darstellung Mariens im Tempel,
Eustache Le Sueur, ca. 1641, Eremitage St. Petersburg

 

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