Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens

Maria ist „durch ein unentgeltliches Geschenk der Gnade Gottes die unbefleckt Empfangene“.

Gott hat jedoch in ihr vollkommene Verfügbarkeit und Mitarbeit vorgefunden. In diesem Sinn ist sie »selig«, da sie »geglaubt hat« (Lk 1,45), da sie einen festen Glauben an Gott gehabt hat. Maria repräsentiert jenen »Rest Israels«, jene von den Propheten verkündete heilige Wurzel. In ihr finden die Verheißungen des Alten Bundes Aufnahme.

In Maria findet das Wort Gottes Gehör, Annahme, Antwort, es findet jenes »Ja«, das es ihm gestattet, Fleisch zu werden und mitten unter uns zu wohnen. In Maria öffnen sich die Menschheit, die Geschichte wahrhaft für Gott, sie empfangen seine Gnade, sie sind bereit, seinen Willen zu tun. Maria ist wahrer Ausdruck der Gnade. Sie steht für das neue Israel, das die Schriften des Alten Testaments mit dem Symbol der Braut beschreiben. Und der hl. Paulus nimmt diese Sprache im Brief an die Epheser wieder auf, wenn er von der Ehe spricht und sagt, daß »Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos« (Eph 5,25–27).

Die Kirchenväter haben dieses Bild entfaltet, und so ist die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis zuerst in bezug auf die Kirche als »Jungfrau und Mutter« und in der Folge in bezug auf Maria entstanden. So schreibt Ephräm der Syrer mit dichterischen Worten: »Wie die Leiber selbst gesündigt haben und sterben und die Erde, ihre Mutter, verflucht ist (vgl. Gen 3,17–19), so ist aufgrund dieses Leibes, der die unvergängliche Kirche ist, ihre Erde gesegnet von Anbeginn. Diese Erde ist der Leib Mariens, der Tempel, in dem ein Same niedergelegt worden ist« (Diatessaron 4,15: SC 121,102).

Das Licht, das von der Gestalt Mariens ausstrahlt, hilft uns auch, den wahren Sinn der Erbsünde zu begreifen. In Maria nämlich ist jene Beziehung zu Gott, die von der Sünde zerrissen wird, lebendig und in Fülle wirksam. In ihr ist nicht der geringste Widerstand zwischen Gott und ihrem Sein: es ist da volle Gemeinschaft, volles Einverständnis. Es ist da ein gegenseitiges »Ja«, Gottes Ja zu ihr und Mariens Ja zu Gott. Maria ist frei von der Sünde, da sie ganz Gott gehört, völlig ihrer selbst enteignet für ihn. Sie ist ganz erfüllt von seiner Gnade, seiner Liebe.

Schließlich bringt die Lehre der Unbefleckten Empfängnis Mariens die Gewißheit des Glaubens zum Ausdruck, daß sich die Verheißungen Gottes verwirklicht haben: daß sein Bund nicht scheitert, sondern eine heilige Wurzel hervorgebracht hat, aus der die gebenedeite Frucht des ganzen Universums aufgekeimt ist, Jesus, der Heiland. Die Unbefleckte Empfängnis zeigt, daß die Gnade fähig ist, eine Antwort hervorzurufen, daß die Treue Gottes einen wahren und guten Glauben zu erzeugen vermag.

Papst Benedikt XVI. am 8. Dezember 2012

Maria Immaculata In Conceptione Immaculata BVM
Maria Immaculata
In Conceptione Immaculata BVM

 

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