Das Stundengebet bei den Trappisten (2/14) – Nacht+Aufstehen+Auferstehen.

(Ausschnitte aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Die „Mutter“ aller nächtlichen Gottesdienste war die Ostervigil. „Vigil“ bedeutet „Nachtwache“ und stammt aus der römischen Militärsprache. Man wachte, um den Sonnenaufgang genau mitzubekommen, dieses Ur-Erlebnis mit seiner starken Symbolik des Aufstehens aus der Nacht des Schlafes und des Auferstehens aus der Nacht des Todes. Schließlich wollte man das nicht nur einmal jährlich erleben, sondern öfter, zum Beispiel vor großen Festtagen, und so wurden auch da Vigilien üblich.

Zählt man alle diese zunächst verstreuten Gewohnheiten zusammen, so kommt man auf insgesamt acht Gebetszeiten. Als der Mönchsvater Benedikt im 6. Jahrhundert seine Regel schrieb, fügte er sie in ein einziges System, um damit genau dem Psalmvers 118,164: „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob“ plus dem Psalmvers 118,62: „Um Mitternacht stehe ich auf, um dich zu loben“ zu entsprechen. Diese acht Gebetszeiten setzte er in den Rahmen der römischen Stundeneinteilung und kam so auf einen Drei-Stunden- Takt, der es ihm ermöglichte, dem alten Mönchsideal des „immerwährenden Gebets“ eine feste Struktur zu geben.

Einschub:
[Die Psalmverse gebe ich nach der Zählung der Vulgata an, mit der wir lebten. In der heutigen Bibel ist – wie in der hebräischen – die zweite Hälfte von Psalm 9 als Psalm 10 gezählt, womit sich die Nummern der weiteren Psalmen bis Psalm 146 um eins erhöhen. In der Vulgata gilt der Schlussteil von Psalm 146 als Psalm 147, womit ab Psalm 148 die Zählung wieder übereinstimmt.]

In Rom rechnete man die Stunden ab dem Sonnenaufgang. Der Ausgangspunkt, die Stunde „Null“, war der Augenblick, bevor die Morgensonne über dem Horizont auftauchte, und von da an zählte man die Stunden in unserem heute noch üblichen 60-Minuten-Takt. Dieser Augenblick des Sonnenaufgangs verschiebt sich bekanntlich im Lauf des Jahres Tag für Tag. In heutigen Terminkalendern werden, mit leichten Schwankungen, als die beiden Extrempunkte „SA 8.27 Uhr“ am 1. Januar und „SA 4.05 Uhr“ am 14. Juni angegeben. Bis mindestens ins 13. Jahrhundert lebten die Menschen tatsächlich mit dieser fließenden Zeitzählung; erst dann kamen mechanische Uhren auf, mit denen man dem Tag seine heute noch übliche, vom Sonnenstand unabhängige starre Struktur geben konnte.

(B. Schellenberger. Das Stundengebet)

Siehe: Buchvorstellung

Beachte:
– Das Stundengebet bei den Trappisten (1/14) – Siebenmal und in der Nacht.

 

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12 Kommentare zu „Das Stundengebet bei den Trappisten (2/14) – Nacht+Aufstehen+Auferstehen.

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