Mariä Lichtmess – 2. Februar

Zur Geschichte des Festes

Entsprechend den Zeitangaben in der Heiligen Schrift wird dieses Fest 40 Tage nach Weihnachten gefeiert. Seinen Namen hat es von dem Wort des greisen Simeon: „Ein Licht zur Erleuchtung der Völker“. Es ist darum an erster Stelle ein Christusfest und wird als solches auch heute noch in der Kirche des Ostens gefeiert.

In Jerusalem ist dieses Fest bereits im 4. Jh. bekannt. Im Jahre 542 wird es für  Konstantinopel, bzw. für das ganze byzantinische Reich, angeordnet. Die Veranlassung dazu gab das Erlöschen einer Pestepidemie. Vom Orient ging dieses Fest im 6. Jh. auf die römische Kirche über. Von Rom aus verbreitete es sich im 7. Jh. nach Spanien und von dort nach Frankreich und Deutschland. In der Festfeier der abendländischen Kirche steht aber mehr Maria im Vordergrund, die Mutter, die das Licht, Jesus, uns geschenkt hat.

Die mit dem Fest verbundene Lichterprozession war schon im Orient ein heiliges Brauchtum, eine Auswirkung des Simeonwortes. In Rom aber verdrängte oder ersetzte sie altgewohnte Fackelzüge, mit denen viel Ausgelassenheit verbunden war.

Die Kirche weiht am Lichtmeßtag – schon seit dem 10. Jahrhundert – die Kerzen, sowohl für den liturgischen wie auch für den privaten Gebrauch. Diese sollen in den Wohnungen brennen bei häuslichen religiösen Feiern, bei besonderen Familienfesten, bei Gewitter und Gefahr, bei der Krankenkommunion und am Sterbebett.

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Auf dem Feste Mariä Lichtmeß ruht der letzte Glanz von Weihnachten. Es heißt aber zugleich Abschied nehmen von der Heiligen Nacht. Zum letzten Male im Kirchenjahre begegnet uns die Mutter mit dem Kinde lieb. Noch muß sie es auf dem Arme tragen; ganz Mutterliebe und Mutterglück.

Es ist nämlich ein Tag stolzen Mutterglückes für die selige Jungfrau und junge Mutter. Sie darf ihren Erstgeborenen, der bei den meisten Völkern mehr gilt als die Nachgeborenen, weil in ihm sich Gottes Segen in der Ehe geoffenbart hatte und weil er zum Stammhalter bestimmt erscheint, in die Öffentlichkeit ihres Volkes tragen und die Frucht ihres gesegneten Schoßes allen Mitmenschen zeigen. Ja, Maria als fromme Israelitin darf ihn sogar dorthin tragen, wo das Herz ihres auserwählten Volkes schlägt, in das Bundesheiligtum. Sie darf ihn hintragen vor das Antlitz ihres Gottes, von dem sie ihr Kind in so wunderbarer Weise erhalten hat, dem noch mehr als bisher die ganze Liebe ihres reinen Herzens gilt. Ihr Kind ist freilich mehr als die Erstgeburt anderer Mütter. Ihn, den Sohn Gottes, brauchte sie eigentlich nicht erst zum Tempel zu bringen, um darzutun, daß er nach dem Gesetze Gottes Eigentum sei. Denn sein Leib ist ein viel hehrerer und kostbarerer, ein mehr von Gottes Gegenwart erfüllter und ihm mehr zu eigener Tempel Gottes als das Heiligtum in Jerusalem. Dennoch beugt sich Maria dem Gesetze, weil sie in ihm den Willen Gottes sieht; demütig reiht sie sich in die Schar gewöhnlicher Mütter ein.

Das ließ Gott nicht unbelohnt. Unerwartet durfte sie Segensübermittlerin sein. Fromme Seelen, angetrieben vom Heiligen Geiste, warten schon auf sie und das Kind, warten auf den schönsten Tag ihres Lebens, an dem sie schauen durften: „Das Licht zur Erleuchtung der Heiden und den Ruhm des Volkes Israel.“ Nun, da sie vom Arme Mariens Christus empfangen hatten, hatte ihr Leben seine Erfüllung gefunden.

Nicht das erste Mal war die junge Mutter Segensvermittlerin gewesen. Noch ehe sie das Kind geboren hatte, diente sie ihm als Gnadenvermittlerin für das Haus ihrer Base Elisabeth. In der lichtumflossenen Nacht reichte sie ihn den Hirten. Die Weisen aus dem Morgenlande fanden in dem Kinde auf ihrem Schoße den Lohn einer mühseligen Reise.

Doch meinen wir nicht, nur dem noch kleinen Erlöser habe die Mutter als Vermittlerin dienen dürfen. Das erste Wunder Jesu auf der Hochzeit zu Kana spricht die gleiche Sprache. Und die Kirche lehrt uns, die im Himmel weilende Gottesmutter als unsere allmächtige Fürbitterin zu verehren, willst du demnach zu Christus: laß ihn dir von der Mutter reichen. Wenn Maria dir Christus vermittelt, dann wird deine Begegnung mit ihm für dich eine segensreiche.

Kirchengebet
Allmächtiger ewiger Gott, wir flehen in Demut zu Deiner Majestät: wie Dein eingeborener Sohn am heutigen Tage in unsrer menschlichen Natur im Tempel dargestellt wurde, so laß auch uns mit geläutertem Herzen Dir dargestellt werden.

(nach: C. Feckes, So feiert dich die Kirche, Steijl 1954)

bellinidarbringungjesu
Giovanni Bellini Darbringung Jesu im Tempel (späte 1460er Jahre). Venedig, Fondazione Querini Stampalia http://syndrome-de-stendhal.blogspot.de/2013_03_01_archive.html

 

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