Das Stundengebet bei den Trappisten (3/14) – Ein Tagesplan

(Ausschnitte aus: Bernardin Schellenberger „Gott suchen-sich selbst finden. Erfahrungen mit der Regel Benedikts“. Kapitel: Das Stundengebet)

Wenn wir der Einfachheit halber unsere heutige Tagesstruktur zugrunde legen, wäre die römische Stunde „Null“ auf 6 Uhr anzusetzen (darauf fällt sie tatsächlich ungefähr am 31. März und am 17. September). Das wäre nach Benedikts Gebetsordnung die Zeit für die Laudes. Um 7 Uhr wäre die hora prima, die „erste Stunde“: Zeit für die Prim; um 9 Uhr die hora tertia, die „dritte Stunde“: Zeit für die Terz; um 12 Uhr die hora sexta, die „sechste Stunde“: Zeit für die Sext (das spanische Wort „Siesta“ für „Mittagsruhe“ geht darauf zurück); um 15 Uhr die hora nona, die „neunte Stunde“: Zeit für die Non; um 18 Uhr die hora vespertina, Zeit für die Vesper (davon stammt auch die Bezeichnung „Vesper“, mit der in manchen Gegenden das Abendbrot gemeint ist); um 21 Uhr wäre die Stunde des Nachtgebets vor dem Schlafengehen, Zeit für die Komplet; um Mitternacht der Beginn der Vigilien, der „Nachtwachen“, die an Feiertagen drei Nokturnen, „Nachtschichten“ umfassten, an Werktagen zwei, theoretisch also die Zeit von Mitternacht bis 3 Uhr belegen würden. Rechnerisch ganz exakt würde der Drei- Stunden-Takt der acht Gebetszeiten, wenn man die Laudes auf 3 und die Prim auf 6 Uhr legen würde.

Das ist natürlich ein Idealplan, der in dieser Form nicht praktikabel ist, weil er weder vernünftige Zeiten für das Arbeiten noch für das Schlafen vorsieht. Aber Benedikt versuchte, möglichst nahe an ihn heranzukommen, und das taten auch die Zisterzienser und Trappisten wieder. Tagsüber waren gar keine großen Verschiebungen notwendig: Wir setzten gewöhnlich die Terz auf 8.00 Uhr, die Sext auf 11.15 Uhr, die Non auf 13.15 Uhr, die Vesper auf 16.30 Uhr, die Komplet auf 18.30 Uhr. Damit war genügend Zeit für Mittagessen, kurze Mittagsruhe und Arbeit am Nachmittag. Punkt 19.00 Uhr lagen wir im Bett und hatten werktags immer 7 Stunden 15 Minuten Schlaf, denn die Vigilien waren auf 2.30 Uhr angesetzt; geweckt wurde um 2.15 Uhr. Der immer minutengleiche Tages- und Schlafrhythmus reichte meiner Erfahrung nach gut aus und wirkte auf den Organismus sogar wohltuend. An Sonn- und Feiertagen begannen die Vigilien schon um 2.15 Uhr und folglich war um 2.00 Uhr Wecken, denn da dauerten die Gesänge länger. In La Trappe waren die Vigilien immer eine Stunde früher, also um 1.30 Uhr bzw. 1.15 Uhr; das wurde vor hundert Jahren gemildert.

[…] Wenn man das Stundengebet nicht sorgfältig mit dem Sonnenstand verbindet, entgeht einem die damit verbundene elementare Erfahrung, auf die hin es angelegt ist. Es verliert seinen eigentlichen Sinn. Tatsächlich gab es Zeiten, in denen man das auf das Stundengebet verteilte Gebetspensum von seinen vorgesehenen Zeiten ablöste und irgendwann am Tag verrichtete.

(B. Schellenberger. Das Stundengebet)

Siehe: Buchvorstellung

Beachte:
Siehe: Das Stundengebet bei den Trappisten (1/14) – Siebenmal und in der Nacht.
Siehe: Das Stundengebet bei den Trappisten (2/14) – Nacht+Aufstehen+Auferstehen.

 

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11 Kommentare zu „Das Stundengebet bei den Trappisten (3/14) – Ein Tagesplan

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