Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph (2/19)

Die öffentliche Verehrung der Heiligen trat schon früh neben die öffentliche Gottesverehrung. Sie unterschied sich von dieser indessen qualitativ. Das eine war der „cultus latriae“, das andere der „cultus duliae“14. Heute sprechen wir von der Liturgie der Kirche. Um die unvergleichliche Gestalt und Bedeutung der Marienverehrung zu kennzeichnen, die bedingt ist durch die einzigartige Stellung Mariens in der Heilsgeschichte, charakterisierte man später den Marienkult als „cultus hyperduliae“15. Von diesen beiden Gestalten des „cultus“, die man auch als den „cultus publicus“ der Kirche zu bezeichnen pflegt, ist wohl zu unterscheiden der „cultus privatus“. Er hat seinen Ort zwar auch im Kontext des Glaubens der Kirche, aber er genießt doch größere Freiheit16. Die öffentliche Verehrung der Heiligen, der „cultus publicus duliae“, der ursprünglich aus der spontanen Verehrung großer religiöser Persönlichkeiten her-vorgegangen ist, deren Leben die Menschen beeindruckt hatte, erfordert heute die Approbation der höchsten Autorität der Kirche17. Seit dem Jahre 1234 ist die Kanonisierung eines Heiligen durch den Papst Voraussetzung für seine liturgische Verehrung18.

Der geistig-religiöse Hintergrund der Heiligenverehrung ist die Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen, gemäß der die pilgernde Kirche auf Erden mit der leidenden Kirche im Purgatorium und der triumphierenden Kirche im Himmel verbunden ist. Für die „sancti in via“, die „sancti in purgatorio“ und die „sancti in patria“ ist der Tod keine Grenze mehr, weil die Liebe Christi ihn überwunden hat19. Der theologische Ort der Heiligenverehrung ist die Lehre von der Kirche. Die himmlischen Heiligen werden nicht neben Gott verehrt und um ihr Gebet angesprochen20, sondern in ihnen wird Gott selbst geehrt. Die den Heiligen erwiesene Ehre geht auf Gott über, so wie auch in der Liebe zum Nächsten Christus selbst geliebt wird, ohne dass dabei die Differenz zwischen Gott und dem Nächsten aufgehoben wird21. Der Verfasser des „Martyrium Polycarpi“ unterscheidet um 156 scharf zwischen der Verehrung Christi und der Verehrung der Märtyrer22. In dieser Schrift wird auch die Gewohnheit bezeugt, „den Geburtstag des Martyriums“, den Todestag des Märtyrers, liturgisch zu feiern.

14-Vgl. Denzinger-Schönmetzer, Nr. 1832 und Lumen gentium, Nr 66.
15-Vgl. Ludwig Ott (Anm. 12), 249.
16-Joseph Brosch, Art. Heiligenverehrung II: Normen, in: Lexikon für Theologie und Kirche V, Freiburg 21960, 106 f; ders., Art. Heiligenverehrung III: Geschichte, in: Lexikon für Theologie und Kirche V, Freiburg 21960, 107.
17-Vgl. CIC can. 1187.
18-Vgl. Philipp Harnoncourt, Art. Heiligenverehrung IV: Liturgisch, in: Lexikon für Theologie und Kirche IV, Freiburg 31995, 1299.
19-Vgl. Gerhard Ludwig Müller, Art. Heilige und Maria, I. Dogmatik, in: Marienlexikon III, Hrsg. im Auftrag des Institutum M arianum Regensburg e.V. von Remigius Bäumer und Leo Scheffczyk, St. Ottilien 1991, 95-97.
20-Im “cultus privatus” können auch die Glieder der leidenden Kirche um ihre Fürsprache angerufen werden.
21-Vgl. Gerhard Ludwig Müller, Art. Heilige und Maria, I. Dogmatik (Anm. 19), 96 f.
22-Martyrium Polycarpi 17, 3; 18, 3.

(Joseph Schumacher: Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph im Kontext der Heiligenverehrung der Kirche)

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Traum des heiligen Josef. 13.Jh. Mosaik.

 

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