Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph (3/19

Einige Jahrzehnte später erwähnen Tertullian (+ nach 220) und Cyprian (+258) die Darbringung des heiligen Opfers am Jahrestag des Todes der Märtyrer23. Schon vor der Mitte des 3. Jahrhunderts bezieht Origenes (+254) alle entschlafenen Frommen ein in die Heiligenverehrung24. Das Gleiche tun nicht wenige altchristliche Grabinschriften in dieser Zeit25. Origenes begründet die Fürbitte der Heiligen mit dem Hinweis auf Makk 15,14 und auf die Fortdauer und die Vollendung der Nächstenliebe26. Vehement verteidigt Hieronymus (+419) die Verehrung der Heiligen und den Glauben an ihre Fürsprache bei Gott gegen den Priester Vigilantius, der als Gegner der Heiligenverehrung aufgetreten war27. Augustinus (+430) erklärt, der Sinn der Märtyrerverehrung liege in der Nachahmung ihres Beispiels, in der Partizipation an ihren Verdiensten und im Unterstütztwerden durch ihre Fürbitte28. Thematisiert wird die Heiligenverehrung in der Zeit der Kirchenväter nicht zuletzt auch in zahlreichen Predigten über die Heiligen und in immer neuen Heiligenviten29.

Nachdrücklich wurde die Heiligenverehrung, die in altchristlicher Zeit als solche nur selten Kritik erfahren hatte, in der Zeit der Reformation in Frage gestellt. Die Reformatoren empfanden sie als einen besonderen Stein des Anstoßes, und das aus einem doppelten Grund. Teilweise war sie auf die Ebene des Aberglaubens herabgesunken, gleichzeitig war sie aber in der Volksfrömmigkeit oftmals so sehr in den Vordergrund getreten, dass sie der Gottesverehrung ihren zentralen Platz streitig machte. Darüber hinaus hatte die Heiligenverehrung für die Reformatoren auch theologisch ihre Berechtigung verloren, und zwar durch die reformatorische Lehre von der „sola gratia“, worin die reformatorische Überzeugung von der Alleinwirksamkeit Gottes im Heilsprozess ihren Ausdruck gefunden hatte. Da gab es nun keinen Ort mehr für die Verdienste der Heiligen und für ihre Fürsprache. Kritisch vermerkten die Reformatoren, in der Heiligenverehrung sei der alte Polytheismus zu neuem Leben erstanden und in der Heiligen Schrift gebe es keinerlei Hinweis auf die Berechtigung der Anrufung der Heiligen. Damit war die Heiligenverehrung nicht nur ein Verstoß gegen das Prinzip „sola gratia“, sondern auch gegen das Prinzip „sola scriptura“. Martin Luther (+1546) versteht die Heiligenverehrung der Kirche dezidiert als Götzendienst30, Melanchthon (+1560) bezeichnet sie als grausame Abgötterei31, und Calvin (+1564) sieht in ihr einen Widerspruch zu der allein Gott gebührenden Ehre32. Für die Reformatoren konnte es eine Verehrung der Heiligen, wenn überhaupt, nur geben in der Gestalt der Nachahmung und als Dank an Gott, der der Kirche die Heiligen geschenkt hatte. Sie wandten sich damit nicht nur gegen den „abusus“, gegen den Missbrauch, in der Verehrung der Heiligen, sondern auch gegen den „usus bonus“, gegen den guten Gebrauch33.

23-Tertullian, De corona militum 3; Cyprian, Epistula 39, 3.
24-De oratione, c. 11.
25-Unter der Kirche San Sebastiano in Rom hat man Graffiti mit Invokationen gefunden, die dem 3. Jahrhundert angehören, die hinweisen auf Refrigerien zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus (vgl. Theofried Baumeister, Art. Heiligenverehrung I: Historisch, in: Lexikon für Theologie und Kirche IV, Freiburg 31995, 1296 f).
26-Vgl. Ludwig Ott (Anm. 12), 369.
27-Epistula 109, 1; Contra Vigilantium 6.
28-Contra Faustum Manichaeum, lib. 20, c. 21.
29-Herbert Vorgrimler (Anm. 3), 105.
30-Vgl. Schmalkaldische Artikel II,2: Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, Hrsg. Vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuss, Göttingen 31956, 424.
31-Confessio Saxonica: Corpus Reformatorum 23, LXXXIX.
32-Institutio christianae religionis I, lib. 12, c.1; III, lib. 20, cc. 24 -27; vgl. Gerhard Ludwig Müller, Art. Heiligenverehrung VI: In den reformatorischen Kirchen, in: Lexikon für Theologie und Kirche IV, Freiburg 31995, 1301.
33-Vgl. Herbert Vorgrimler (Anm. 3), 105.

(Joseph Schumacher: Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph im Kontext der Heiligenverehrung der Kirche)

josef-ehemann-und-vater
Josef, Ehemann und Vater.

 

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