Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph (5/19)

Auf Sarkophagen des 5. und 6. Jahrhunderts erscheint Joseph bei der Geburt Jesu und bei der Magieranbetung. Im Triumphbogenmosaik von Santa Maria Maggiore zu Rom sieht man ihn in einer Darstellung aus der Mitte des 5. Jahrhunderts bei der Engelsbotschaft, bei der Darstellung Jesu im Tempel und bei seinem Aufenthalt in Ägypten. Auf dem Elfenbeinrelief der Maximinianskathedra zu Ravenna, das um die Mitte des 6. Jahrhunderts entstanden ist, begegnet uns außer den schon bekannten Motiven der Traum Josephs, seine Reise nach Bethlehem und seine (apokryphe) Bitterwasserprobe37.

In koptischen Kalendarien finden wir im 8. und 9. Jahrhundert Spuren einer schon liturgischen Verehrung des heiligen Joseph. Im 9. und 10. Jahrhundert haben wir Hinweise auf eine solche in den Martyrologien. Um 850 begegnet uns der Name des Heiligen im Martyrologium von der Reichenau. Im 12. Jahrhundert wird uns der 19. März als Festtag des Heiligen bezeugt. Um diese Zeit erbauen die Kreuzfahrer in Nazareth eine Kirche zu Ehren des Heiligen38. Für das Jahr 1129 ist uns in Bologna eine Josephskapelle bezeugt, für das Jahr 1198 das erste Vorkommen des Taufnamens Joseph. Im Jahre 1141wurde in der Stephanskirche in Bologna ein Reliquienschatz mit einer Reliquie des heiligen Joseph entdeckt39.

Wenn im 4. Jahrhundert die Irrlehrer Helvidius, Bonosus und Jovinian behaupten, die „Brüder Jesu“, von denen in den Evangelien die Rede ist, seien Söhne von Joseph und Maria, verweisen die Kirchenväter Ambrosius (+397), Johannes Chrysostomus (+407), Hieronymus (+419) und Augustinus (+ 430) in Auseinandersetzung mit ihnen auf den Glauben der Kirche an die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens40. Nachdrücklich weist Hieronymus die Theorie von angeblichen Kindern Josephs aus einer ersten Ehe41 zurück42. aber auch Origenes (+254), Hilarius von Poitiers (+367) und Gregor von Nyssa (+394) lehnen diese Theorie kategorisch ab43. Johannes Damascenus (+749) lobt in diesem Kontext die Jungfräulichkeit des heiligen Joseph44.

37-Johannes Kessels, Art. Joseph, Nährvater Jesu III: Ikonographie, in: Lexikon für Theologie und Kirche V, Freiburg 21960, 1130.
38-Adolf Adam, Rupert Berger (Anm. 36), 224; Médard Barth (Anm. 34), 6 ff.
39-Médard Barth (Anm. 34), 8 f.
40Henri Rondet, Joseph von Nazareth. Gestalt und Verehrung, Freiburg 1956, 9 f.
41Die Theorie stammt aus den Apokryphen.
42De perpetua virginitate Beatae Mariae adversus Helvidium, n. 19.
43Henri Rondet (Anm. 40), 9 f.
44Oratio III de Beata Maria Virgine; vgl. Henri Rondet (Anm. 40), 17.

(Joseph Schumacher: Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph im Kontext der Heiligenverehrung der Kirche)

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Der Traum des hl. Josef

 

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