Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph (6/19)

Immer geht es den Kirchenvätern, wenn sie sich mit Joseph beschäftigen, um das Geheimnis der Menschwerdung Gottes und um die Jungfräulichkeit Mariens. Paradigmatisch sind hier die Gedanken des heiligen Augustinus, wenn er über die Ehe zwischen Maria und Joseph reflektiert, über die bleibende Jungfräulichkeit Mariens und über die wahre Vaterschaft ihres Bräutigams, wenn er von Maria, der zweiten Eva, und ihrer Beziehung zur Kirche spricht und von der Beziehung des heiligen Joseph zu Jesus und zur heiligen Familie. Da finden wir, jedenfalls im Ansatz, bereits den Gedanken, dass der heilige Joseph der Beschützer der Kirche ist und sein muss45.

Während die öffentliche Verehrung des heiligen Joseph im 10. Jahrhundert ihren Anfang nimmt, beginnt man seit Bernhard von Clairvaux (+ 1153), sich theologisch mit dem Heiligen zu beschäftigen, wodurch wiederum auch die Verehrung des Heiligen starke Impulse erhält. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Prozess Theologen wie Peter d’Ailly (+1420), Johannes Gerson (+1429), Bernhardin von Siena (+1444) und Isidoro Isolani (+ 1528)46. Zu nennen sind hier aber auch Rupert von Deutz (+1129), Hermann Joseph von Steinfeld (+1241) und die Franziskanertheologen Bonaventura (+1274) und Petrus Johannes Olivi (+1298).

Die Verehrung des Heiligen wurde in dieser Zeit vor allem gefördert durch Ludolf von Sachsen (+1377) und durch Birgitta von Schweden (+1373). Später machten sie dann Ignatius von Loyola (+1556), Franz Suarez (+1617) und Jean Bénigne Bossuet (+1704) populär47. In den Mysterienspielen des 13. und 14. Jahrhunderts verblasste die Gestalt des heiligen Joseph zwar zuweilen zu einer Karikatur, aber immerhin bezeugen sie seine Präsenz im Leben der Gläubigen in dieser Zeit. Stark ist dabei die Tendenz, den Verdacht zu zerstören, der heilige Joseph sei der natürliche Vater Jesu48.

45De sancta virginitate, cc. 2 – 7.
46-Der Dominikaner Isidoro Isolani hat im Jahre 1522 eine “Summa de donis S. Josephi” eröffentlicht.
47-German Rovira, Art. Joseph III: Theologiegeschichte, in: Marienlexikon III, Hrsg. im Auftrag des In-stitutum Marianum Regensburg e.V. von Remigius Bäumer und Leo Scheffczyk, St. Ottilien 1991, 437; Médard Barth (Anm. 34), 10.
48-Médard Barth (Anm. 34), 22 f.

(Joseph Schumacher: Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph im Kontext der Heiligenverehrung der Kirche)

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