Die Buchmalerei der Beuroner Kunstschule – Ein Interview.

„Desiderius Lenz und seine Schülern […] kam es wirklich darauf an, ein Bild des Ewigen aufzubauen, dessen, was weiter geht, was nicht mit einem Augenblick verknüpft ist. Hier in der Kirche können Sie bemerken, dass keine der Szenen durch einen Hintergrund, durch eine Anordnung der Figuren belastet ist. Falls eine Szene vervollständigt werden soll, wird sie in die Fläche ausgebreitet, bei der Pietà dominiert durchaus Maria, die den Körper Christi hält, und sie wird dann durch die Engel vervollständigt. Sie selbst sitzt dann auf einem Thron mit den ägyptisierenden Elementen, ihr Heiligenschein ist so gemalt, wie man in Ägypten die Sonnenscheiben malen würde, also rot mit einer goldenen Bordüre, und sie selbst ähnelt auch der Manier, wie die Ägypter die Göttin Eset bzw. die griechisch-römische Isis, mit der dann die ganze antike Welt bekannt wurde, abbildeten. So sind dort einige Elemente herausgezogen – der Heiligenschein, die Ewigkeit und auch der Körper Christi ist von einem punktierten, goldenen Heiligenschein umschlossen.  Konzentrieren Sie sich gänzlich auf die Jungfrau Maria, auf ihre Geste, auf die Gestalt Jesu Christi und so weiter. Es ist durchaus das Zentrum der Darstellung und sie kontrolliert eigentlich auf ihre Art diesen Teil des Kirchenschiffes.“

Als Nachtrag zu zu meinen beiden Veröffentlichungen –

LIBER EVANGELIORUM – Die Buchmalerei der Beuroner Kunstschule (1/2)
LIBER EVANGELIORUM – Die Buchmalerei der Beuroner Kunstschule (2/2)

– lesen Sie hier ein Interview über die ägyptisierenden sowie ägyptischen Darstellungen in der Beuroner Kunst.

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Es handelt sich dabei um einen Auszug aus dem Tschechischen Rundfunkprogramm des Senders „Vltava“ anlässlich der Herausgabe von LIBER EVANGELIORUM (Knižní malba Beuronské umělecké školy / Die Buchmalerei der Beuroner Kunstschule) – an Weihnachten 2016.

Rundfunkdramaturg und Redakteur Tomáš Černý fragt die Ägyptologin Dr. Hana Navrátilová nach der Erklärung der vielen ägyptisierenden sowie ägyptischen Darstellungen in der Beuroner Kunst.

Die ehemalige Abteikirche Mariä Verkündigung des Klosters St. Gabriel liegt im Prager Stadtteil Smíchov in der Nachbarschaft zur Kleinseite. Hinter einer hohen Wand sieht man von der Holečkova Straße aus die große Klosteranlage des benediktinischen Frauenklosters, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Von 1889 bis 1919 lebten hier die Benediktinerinnen der Beuroner Kongregation. Prag wurde zu dieser Zeit das Zentrum der Beuroner Kunst, da die Mönche aus dem Kloster St. Martin in Beuron in Baden Württemberg in der Zeit des Bismarckschen Kulturkampfes Beuron verlassen mussten und seit 1880 in dem Prager Kloster Emaus lebten. Die beuronischen Schätze im Kloster Emaus wurden am Ende des zweiten Weltkrieges zerstört, gleichwie das Kloster Monte Cassino bei Rom. Man ahnt nicht, welch ein Schatz sich im Inneren der ehemaligen Abteikirche sowie im Kloster St. Gabriel befindet.

Deutsches Interview des tschechischen-Rundfunks als PDF

Dankenswerterweise hat Frau Monica Bubna-Litic,
Vorsitzende des Stiftungsfond Malakim und des
Vereins der Freunde der Beuroner Kunst,
die nachfolgenden Bilder zur Verfügung gestellt.

Bitte auf das jeweilige Bild klicken
um es vergrößert und in hoher Auflösung zu betrachten.

Pieta, Abteikirche St. Gabriel, Prag
Abteikirche St. Gabriel, Prag. – Dekoratives Element.
lenz-annunziata-1871
Anuntiata. Desiderius Lenz, 1871
isis-madonna
Isis-Madonna, Vorderseite
isis-madona
Isis-Madonna, Rückseite

 

 

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