Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph (10/19)

Isidoro de Isolanis (+1528) schreibt: „Ein so außerordentlicher Heiliger, der von Christus und der Gottesmutter soviel Ehre empfängt, kann auf die Dauer nicht verborgen bleiben. Da die Endzeit immer näher rückt, darf man mit Grund annehmen, es sei Gottes Wille, dass Joseph im Reiche der streitenden Kirche immer mehr verehrt und verherrlicht werde“73. Er nennt den heiligen Joseph den größten Fürsprecher der Christen und betont, er helfe immer und in allen Anliegen74. Das ist eine Auffassung, die uns in der Neuzeit des Öfteren begegnet. Bis in die Gegenwart hinein ist sie sehr verbreitet in der Kirche75. Es ist bemerkenswert, dass der heilige Joseph seit dem Spätmittelalter zu einer Hauptfigur in der christlichen Kunstgeschichte wird76. Im Jahre 1479 wird sein liturgischer Festtag verpflichtend für die ganze Kirche. 1621 wird er zu einem gebotenen Feiertag. Das ist eine Reaktion auf die starke Josephsverehrung der Barockzeit77. Unter dem Einfluss der vom Tridentinum, aber auch von Ignatius von Loyola (+1556), Theresa von Avila (+1582) und Franz von Sales (+1622) geförderten Josephsverehrung bringt der Barock eine ausgesprochene Blüte der Josephsdarstellungen hervor. Beliebte Themen der Josephsdarstellung sind im 17. und 18. Jahrhundert der das Jesuskind haltende Joseph und die Krönung des Heiligen durch das Kind78.

Eine ganz spezifische Rolle hinsichtlich der Förderung der Verehrung des heiligen Joseph spielt die Kirchenlehrerin Theresa von Avila (+1582). Selber verehrt sie den Heiligen mit großer Anhänglichkeit, und sie bemüht sich intensiv, seine Verehrung zu propagieren, nicht nur innerhalb ihres Ordens. Sie erklärt: „… ich weiß nicht, wie man sich der Königin der Engel erinnern und jener Zeit gedenken kann, in der sie mit dem Kinde Jesus so vieles ausgestanden, ohne dem heiligen Joseph für die Wohltat des Beistandes, den er ihnen geleistet hat, Dank zu erstatten“79. Sie weiß, dass man die Mutter Jesu nicht verehren kann, ohne auch mit dem Nährvater Jesu innig verbunden zu sein. Theresa beginnt mit der Verehrung des heiligen Joseph in einer geheimnisvollen Krankheit, von der sie im Jahre 1538 heimgesucht wird. Monatelang ist sie gelähmt und niemand kann ihr helfen. Die Krankheit endet mit einer spontanen Heilung. Theresa versteht diese Heilung als übernatürlich und schreibt sie dem heiligen Joseph zu80. Man geht heute davon aus, dass der Kern der Erkrankung eine Hirnhautentzündung gewesen ist, unter deren Folgen Theresa auch nach ihrer wunderbaren Heilung ein Leben lang zu leiden hatte81. In ihrem Reformwerk setzt Theresa ganz auf den heiligen Joseph. Ihm weiht sie nicht nur ihr erstes Kloster in Avila, sondern auch ein Drittel ihrer übrigen Gründungen82. Ihr Vertrauen zum heiligen Joseph ist unbegrenzt. Nächst der Gottesmutter ist er für sie der mächtigste Fürsprecher83. Sie schreibt: „Ich erinnere mich nicht, ihn bis jetzt um etwas gebeten zu haben, was er mir nicht gewährt hätte … Anderen Heiligen scheint der Herr die Gnade gegeben zu haben, nur in einem bestimmten Anliegen helfen zu können; diesen glorreichen Heiligen aber habe ich in allen Stücken als Nothelfer kennengelernt”84.

73-Alfons Maria Weigl (Anm. 35), 149 f.
74-Vgl. Werner Schmid, Josef Seanner (Anm. 56), 70.
75-Mit vielen anderen Autoren vertritt etwa auch Franz von Sales diese Position; vgl. Predigt zum Fest des heiligen Joseph: S. oben Anm. 71.
76-Das älteste Andachtsbild in Santa Croce zu Florenz, das zwischen 1332 und 1337 entstanden ist, zeigt Joseph als Greis mit einem blühenden Stab. Seit dem 15. Jahrhundert gibt es selbständige Devotionsbilder des Heiligen, Ende des 16. Jahrhunderts wird auch sein Tod dargestellt (Johannes Kessels [Anm. 37], 1131).
77-Vgl. Josef Blinzler, Art. Joseph, Nährvater Jesu II: Theologie und Kult, in: Lexikon für Theologie und Kirche V, Freiburg 21960, 1129 f; Adolf Adam, Rupert Berger (Anm. 36), 224.
78-Johannes Kessels (Anm. 37), 1130 f.
79-Das Leben der heiligen Theresia von Jesu (Sämtliche Schriften der heiligen Theresia von Jesus, Hrsg. Von Aloysius Alkofer, Bd. 1), München 1931, 68.
80-Ebd., 65-68.
81-Jutta Burggraf, Teresa von Avila, Humanität und Glaubensleben, Paderborn 1996, 72 f.
82-Vgl. Henri Rondet (Anm. 40), 28.
83-Das Leben der heiligen Theresia von Jesu (Anm. 79), 66. 329.
84-Ebd., 66.

(Joseph Schumacher: Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph im Kontext der Heiligenverehrung der Kirche)

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