Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph (11/19)

Zunächst waren es die Karmeliter und später auch die Franziskaner und die Jesuiten, die die Verehrung des heiligen Joseph am Beginn der Neuzeit in Europa propagierten. Ihnen schlossen sich andere Orden an. Als Missionare trugen sie die Verehrung des heiligen Joseph bald auch nach Amerika und in den Fernen Osten. Diözesen und Königreiche erwählten den Heiligen zu ihrem Schutzpatron. Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (+1678) proklamierte ihn zum Patron der Diözese Münster. Es weihte sich ihm das Königreich Mexiko. Das erste Mexikanische Konzil bestellte ihn im Jahre 1555 zum Patron der mexikanischen Kirche. Und Kaiser Leopold I. stellte alle Staaten des Kaiserreiches unter seinen Schutz zum Dank für die Geburt eines Thronerben und für die Befreiung Wiens von der Türkennot. Von da an wird der Name Joseph ein oft gebrauchter Taufname bei den Habsburgern. 1624 wird der heilige Joseph der Patron Kanadas, 1678 wird er der Patron Chinas. Unter König Ludwig XIV. wird auch Frankreich dem heiligen Joseph geweiht. Seit dem 17. Jahrhundert wächst die Popularität des Heiligen in außergewöhnlicher Weise. Auch viele Ordensfamilien erwählen ihn zu ihrem Patron, und er wird der Schutzherrr der holzverarbeitenden Berufe und der Schirmherr der Apotheker85.

Bischof Bossuet (+1704) behandelt in seinen berühmten Festtagspredigten die Tugenden des heiligen Joseph, seine Demut, seine Reinheit und seinen Glauben, und erklärt, der Glaube des heiligen Joseph übertreffe den des Abraham86. Er erörtert an dieser Stelle den Charakter der jungfräulichen Ehe des Heiligen mit Maria87, seine geistige Vaterschaft über den Sohn Gottes88 und seine spezielle Berufung, das Geheimnis der Inkarnation vor der Welt zu verhüllen89. Trotz des Widerstandes der aufklärerischen Theologie des 18. Jahrhunderts wächst die Verehrung des heiligen Joseph ständig, um im 19. Jahrhunderts gleichsam einen Höhepunkt zu erreichen, wenn ihm nun unzählige Kirchen und Kapellen geweiht werden und zahllose neue Orden und geistliche Gemeinschaften sich ihn zu ihrem geistlichen Vater erwählen90.

Die wachsende Begeisterung für den heiligen Joseph verbindet sich in dieser Zeit mit einer starken Hinwendung zur Marienverehrung. In diesem Kontext liegt es nahe, dass man sich bemüht, die Verehrung des heiligen Joseph von seiner Stellung in der Heilsökonomie her zu begründen91.

85-Médard Barth (Anm. 34), 30-32; Henri Rondet (Anm. 40), 34; Werner Schmid, Josef Seeanner (Anm. 56), 72.
86-Sermons III, 559; vgl. Henri Rondet (Anm. 40), 30.
87-Sermons II, 127; III, 604; vgl. Henri Rondet (Anm. 40), 30.
88-Sermons II, 133 f; vgl. Henri Rondet (Anm. 40), 30.
89-Sermons II, 140; vgl. Henri Rondet (Anm. 40), 30.
90-German Rovira (Anm. 47), 437; Alfons Maria Weigl (Anm. 35), 149; Horst Rzepkowski, Art. Joseph IV: Missionswissenschaft, in: Marienlexikon III, Hrsg. im Auftrag des Institutum Marianum Regensburg e.V. von Remigius Bäumer und Leo Scheffczyk, St. Ottilien 1991, 438.
91-Henri Rondet (Anm. 40), 39.

(Joseph Schumacher: Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph im Kontext der Heiligenverehrung der Kirche)

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