Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph (17/19)

An die Sonderstellung des heiligen Joseph und an die ihm von daher zukommende Protodulie erinnert Papst Johannes Paul II., wenn er in der Enzyklika „Redemptoris custos“ feststellt, Papst Johannes XXIII. habe, als er den Namen des heiligen Joseph in den Kanon der heiligen Messe eingeführt habe, diesen neben den Namen Mariens gesetzt und ihm damit einen Platz zuerkannt vor den Aposteln und vor den Märtyrern120. Johannes Paul II. unterstreicht diesen Gedanken, wenn er den heiligen Joseph in dem gleichen Schreiben als einen privilegierten Zeugen des Kommens Gottes in diese Welt bezeichnet121.

Man hat gesagt, Heilige wie Johannes der Täufer, der Vorläufer Jesu, und die Apostel, die der Welt die Frohe Botschaft gebracht haben, hätten einen höheren Rang im Heilsplan Gottes als der heilige Joseph, weil sie inniger mit dem messianischen Wirken Jesu verbunden gewesen seien. Das ist nicht überzeugend, denn das gleiche Argument könnte man auch vorbringen gegenüber der Verehrung, die Maria, der Mutter Jesu, entgegengebracht wird in der Kirche. Wäre das Argument tragfähig, müsste man nicht nur den heiligen Joseph auf den zweiten Platz verweisen, sondern auch Maria, die Mutter Jesu. Das Argument macht nicht Ernst mit der Bedeutung der Inkarnation. Der gleiche Grund, der den Vorrang Mariens rechtfertigt, rechtfertigt auch den Vorrang Josephs, ungeachtet der qualitativen Differenz, die hier besteht122.

Der heilige Joseph, der aufs Innigste mit dem Geheimnis der Inkarnation verbunden ist, steht konsequenterweise auch in einer besonderen Beziehung zur Kirche, denn das Geheimnis der Inkarnation ist der Ursprung der Kirche, und die Kirche versteht sich als den fortlebenden Christus. Hinzukommt, dass die heilige Familie, der der heilige Joseph vorstand, wie Papst Leo XIII. in der Enzyklika „Quamquam pluries“ im Jahre 1889 bemerkt, die Keimzelle der Kirche ist. Der Papst folgert aus diesem Faktum, dass die universale Kirche dem heiligen Joseph in einzigartiger Weise anvertraut ist. Er stellt fest, wie der heilige Joseph väterliche Rechte und Pflichten gehabt habe gegenüber dem Gründer der Kirche, so habe er väterliche Rechte und Pflichten auch gegenüber seiner Gründung, nach dem Willen Gottes stehe er noch heute der Kirche schützend und helfend zur Seite und noch heute sorge er für sie in Gewissenhaftigkeit und Treue123.

In der Tat entspricht es der Logik des Glaubens, dass der, der über Jesus und Maria gewacht hat in seinen Erdentagen, nun, in der Vollendung der Anschauung Gottes, über die Kirche, den mystischen Leib Christi, wacht124. Das haben schon die Kirchenväter in der ältesten Zeit der Kirche erkannt. Wie der heilige Joseph einst, so sagen sie, für Maria liebevoll gesorgt und sich voll Freude und Eifer der Erziehung des heranwachsenden Jesus hingegeben hat, so behütet und beschützt er nun den mystischen Leib Christi, die Kirche, deren Gestalt und Vorbild die heilige Jungfrau ist125. Nachdrücklich hebt Papst Johannes Paul II. die Bedeutung des „patronus Ecclesiae“ speziell für die Kirche der Gegenwart hervor, wenn er feststellt: Er muss die Kirche verteidigen gegenüber den Gefahren, die von außen her über sie hereinbrechen, und er muss ihr beistehen in der nicht leichten Aufgabe der Neuevangelisierung126. Joseph ist nicht das Fundament der Kirche, das sind die Propheten und die Apostel, wie es der Epheserbrief zum Ausdruck bringt (Eph 2,20), aber er ist der von Gott eingesetzte Beschützer des Stifters der Kirche und seiner Stiftung127.

120-Redemptoris custos, Nr. 6.
121-Ebd., Nr. 10.
122-Vgl. Henri Rondet (Anm. 40), 41 f.
123-Denzinger-Schönmetzer, Nr.Nr. 3260-3263 (vgl. Werner Schmid, Josef Seeanner [Anm. 56], 164 -170).
124-Henri Rondet (Anm. 40), 50 f.
125-Irenäus, Adversus haereses, lib. 4, c. 23, 1; vgl. Redemptoris custos, Nr. 1.
126-Redemptoris custos, Nr. 28 f.
127-Henri Rondet (Anm. 40), 50.

(Joseph Schumacher: Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph im Kontext der Heiligenverehrung der Kirche)

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