Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph (18/19)

Der heilige Joseph wird in der Heiligen Schrift als ein Gerechter bezeichnet (Mt 1, 19). Im Kontext des zeitgenössischen Judentums ist das ein Ausdruck eine besondere religiöse Anerkennung. Ein Gerechter ist in diesem Verständnis einer, der in vollkommener Weise die Gebote Gottes beobachtet128, in letzter Wahrhaftigkeit, Lauterkeit und Reinheit, aufrichtig und ohne Trug. Auf das Wort des in diesem Sinne Gerechten kann man sich verlassen. Er geht geradeaus. Er buhlt nicht um den Beifall der Menschen, und er sucht sein Heil nicht in den Tagesmeinungen der Menschen. Er fürchtet Gott mehr als die Menschen. Er weiß sich vor allem und in erster Linie der Wahrhaftigkeit und der Treue verpflichtet. Wahrhaftigkeit und Treue sind die entscheidenden Eigenschaften Gottes. Demgemäß ist der Kyrios in der Geheimen Offenbarung der wahrhaftige und treue Zeuge Gottes (Apk 3,14; 15,3; vgl. 19, 2; 19, 11; 3,7; 1,5), der wahrhaftige und treue Zeuge des wahrhaftigen und treuen Gottes, so können wir hinzufügen129.

Der Gerechte war vor allem ein Mann des Gehorsams. So schildert ihn uns die Heilige Schrift. Der Gehorsam ist die entscheidende Haltung Josephs. Er realisiert damit in exemplarischer Weise jene Haltung, die auch den Erlöser geprägt hat und die dieser schlechthin zum Medium der Erlösung gemacht hat. In allem erweist Joseph sich faktisch als verfügbar gegenüber dem Willen Gottes, exemplarisch in einzigartiger Weise. Papst Johannes Paul II. konstatiert in der Enzyklika „Redemptoris custos“, die Verfügbarkeit gegenüber dem Willen Gottes sei ähnlich groß bei ihm wie bei Maria130. Der Papst stellt an dieser Stelle fest, wie Maria die Berufung zur Mutter des Erlösers im Gehorsam des Glaubens angenommen habe, so habe Joseph die Mutter des Erlösers im Gehorsam des Glaubens zu sich genommen131 und er sei zusammen mit Maria nicht nur der erste Hüter des Geheimnisses der Erlösung, sondern auch der Erste, der an dem Glauben der Gottesmutter im Hinblick auf ihre hohe Erwählung Anteil gehabt und sie in diesem Glauben unterstützt habe132.

Der Gerechte ist ein Lehrmeister des inneren Lebens. So hat man ihn immer wieder apostrophiert im Blick auf das, was die Evangelien uns über ihn mitteilen. Papst Johannes Paul II. spricht in der Enzyklika „Redemptoris custos“ von dem leuchtenden Beispiel des inneren Lebens des heiligen Joseph und von der Vollkommenheit seiner Liebe133. In dem beispielhaften inneren Leben des Gerechten von Nazareth manifestiert sich in ganz besonderer Weise die Außerordentlichkeit seiner Heiligkeit. Der heilige Joseph war ein großer Beter. Die „contemplatio“ war seine große Berufung. Die Beschaulichkeit aber ist das Fundament des inneren Lebens.

128-Der Gerechte lebt aus dem Glauben, das heisst aus dem Willen Gottes (vgl. Hebr 10,38; Hab 2,4). Daran erinnert auch Josemaria Escrivá de Balaguer in diesem Zusammenhang (vgl. Josemaria Escrivá de Balaguer, Christus begegnen. Homilien, Köln 51978, 115.
129-Werner Schmid, Josef Seeanner (Anm. 56), 20.
130-Redemptoris custos, Nr. 3.
131-Ebd., Nr. 4.
132-Ebd., Nr. 5.
133-Ebd., Nr.Nr. 25 – 27.

(Joseph Schumacher: Die Bedeutung der Verehrung des heiligen Joseph im Kontext der Heiligenverehrung der Kirche)

joseph23-2

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s