gottgefällig – gottverbunden – gottergeben (1/4)

Beginnen wir mit einer kleinen Geschichte. Ein Gottesdienstteilnehmer trifft nach der heiligen Messe auf dem Kirchplatz einen Bekannten und spricht ihn an:
„Hast du gehört? Der Priester hat heute das Vaterunser eingeleitet mit den Worten ‚Wir heißen Kinder Gottes und sind es. Darum beten wir voll Vertrauen…‘.“
Der andere Kirchbesucher antwortet: „Na und! Was stört dich daran?“
Darauf erwidert der Kollege spontan:
„Wir heißen Kinder Gottes und sind es! Wenn ich mich anschaue und wenn ich auch andere betrachte, dann kann ich nur sagen: zu schön, um wahr zu sein!“
Das Zwiegespräch entwickelt sich noch etwas weiter und kommt dann bald zum Stillstand.

Die beunruhigende Frage, die sich hinter diesem kurzen Dialog verbirgt, ist eigentlich doch diese: Wie leben wir unsere Gotteskindschaft, die uns in der heiligen Taufe zuteil wurde? Leben wir sie so, dass wir guten Gewissens bekennen können: Wir heißen Kinder Gottes und sind es?

Wie setzen wir dieses Geschenk so um, dass wir glaubwürdig zu bezeugen vermögen: Ja, wir heißen Kinder Gottes und sind es? Wie gottgefällig leben wir, dass wir es verdienen, Kinder Gottes genannt zu werden? Wie gottverbunden lieben wir, dass man uns die Gotteskindschaft ansieht? Wie gottergeben sterben wir, dass sich unser Gotteskindsein der Erbschaft des ewigen Lebens würdig erweist?

Damit sind wir nun beim entscheidenden Thema angelangt, dem wir nicht ausweichen dürfen, wenn wir uns von jenem Wort angesprochen wissen: Wir heißen Kinder Gottes und sind es. Im ersten Johannesbrief lesen wir: „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden.”

Das Geschenk der Gotteskindschaft vor Augen, appelliert der heilige Papst Leo der Große an uns: „Christ, erkenne deine Würde! Du bist der göttlichen Natur teilhaftig geworden, kehre nicht zu der alten Erbärmlichkeit zurück und lebe nicht unter deiner Würde. Denk an das Haupt und den Leib, dem du als Glied angehörst! Bedenke, dass du der Macht der Finsternis entrissen und in das Licht und das Reich Gottes aufgenommen bist. Durch das Sakrament der Taufe wurdest du ein Tempel des Heiligen Geistes. Verjage nicht durch deine Sünden den hohen Gast, der in dir Wohnung genommen hat. Unterwirf dich nicht wieder der Knechtschaft Satans; denn der Preis für deine Freiheit ist das Blut Christi.”

aus: Msgr. Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz
Hirtenbrief zur Fastenzeit 2017

 

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