gottgefällig – gottverbunden – gottergeben (2/4)

Gottgefällig leben

Gottgefällig leben – das heißt, wie es das Wort selber sagt: so leben, dass wir Gott gefallen können. Unsere Berufung ist es, der Würde der Gotteskindschaft entsprechend unser Leben zu gestalten. Da sind wir zuallererst in unserem Herzen gefordert; denn alles was wir tun, nimmt in unserem Inneren seinen Anfang. Wenn wir Gott gefallen wollen, dann müssen wir ihm gefallen nur schon mit unserem Denken und Empfinden. Dann erst wird unser Reden und Handeln gottgefällig sein. Wir können Gott nur gefallen, wenn wir mit ihm versöhnt sind. Wer sein Leben im Widerspruch zu den Geboten Gottes führt, der verwirkt sich das Wohlgefallen Gottes. Wenn wir nur unseren eigenen Vorstellungen und Einschätzungen, nur unseren eigenen Ansichten und Absichten folgen und diese nicht nach Gottes Heilswillen ausrichten, versperren wir uns seiner liebenden Zuwendung. Denn – wie es schon im ersten Johannesbrief heißt – Gott lieben bedeutet „seine Gebote halten“. Wörtlich: „Die Liebe zu Gott besteht darin, dass wir seine Gebote halten. Seine Gebote sind nicht schwer. Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube. Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist: Jesus Christus.“

Wir huldigen nicht einem sentimentalen Verständnis von Gottesliebe, sondern wissen uns durch Gottes Gebote in Pflicht genommen. Das wird auch deutlich in jenem Zwiegespräch, das Jesus Christus mit dem reichen Mann führt, der an ihn die Frage richtet: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Wie ihm, so sagt der Herr auch zu uns: „Du kennst doch die Gebote: du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter!“ Können auch wir guten Gewissens antworten wie der reiche Mann: „Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt“? Das Darüberhinaus – nämlich der Verzicht auf den materiellen Reichtum – scheint dann den jungen Mann gänzlich zu überfordern. Jesus verlangt viel – mehr als wir von uns aus zu geben bereit sind. Deshalb bedarf es, um wirklich gottgefällig zu leben, der Gnade Gottes, welcher wir uns öffnen müssen. Gottgefällig leben bedeutet somit, zuerst um diese Gnade eines gottgefälligen Lebens zu bitten. Nur ein betender Mensch kann Gott gefallen.

Gott hat kein Gefallen an unserem Versagen; er hat kein Gefallen am Tod des Sünders. Er will, dass wir uns bekehren und in der Wahrheit leben. Wer durch die Sünde gefallen ist, der ist beileibe nicht dazu verdammt, liegen bleiben zu müssen. Nein: er darf sich nach der rettenden Hand des Erlösers ausstrecken, der sich ihm in Barmherzigkeit zuneigt, sofern immer nur schon der gute Wille zur Bekehrung und Besserung vorhanden ist. Das wunderbare Heilmittel der Versöhnung mit Gott – das Bußsakrament – ist jedem Gläubigen angeboten, der mit dem Vorsatz zur Besserung reumütig, bekenntniswillig und zum Empfang der Absolution befähigt ist. Eine aufrichtige Beichte richtet von neuem auf. Eine ehrliche Beichte schenkt die Ehre der Gotteskindschaft zurück. Eine reumütige Beichte gibt frischen Mut zu einem gottgefälligen Leben. Es gefällt Gott jedoch ganz und gar nicht, wenn jemand in seiner Selbstgerechtigkeit und Verstocktheit bleibt und sich der Zuwendung des göttlichen Erbarmens verweigert.

aus: Msgr. Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz
Hirtenbrief zur Fastenzeit 2017

 

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