gottgefällig – gottverbunden – gottergeben (3/4)

Gottverbunden lieben

Wenn nun von „gottverbunden lieben“ die Rede ist, dann deutet dies bereits auf eine Verbindlichkeit hin. Gottverbunden lieben ist weit mehr als ein Akt der bloßen Sympathie oder einer unverbindlichen Höflichkeit. Wer gottverbunden liebt, weiß, dass es sich hierbei nicht um eine Beliebigkeit handelt, sondern um eine vor Gott zu verantwortende Haltung und um ein Gott gegenüber geschuldetes Verhalten. Bei aller zwischenmenschlichen Liebe ist Gott sozusagen der Dritte im Bunde. Ohne ihn hat wahre Liebe letztlich keinen Bestand und ist ständig von Egoismus, Eigensucht und Eigennutzen bedroht und angefochten. Nur wer gottverbunden liebt, bleibt vor jeder Entartung dessen, was den Namen Liebe verdient und was Liebe wirklich bedeutet, bewahrt. Schon der Dichter sagt: Die wahre Liebe besteht nicht in der Begeisterung, sondern in der Treue. Treue ist bei allen mit Gott verbundenen Liebesbeziehungen der wesentliche Grundzug. Ob es sich dabei um das eheliche Versprechen von Mann und Frau – also den Ehebund – handelt, ob es um die Eltern-Kind-Beziehung – also das familiäre Band – geht, ob wir es mit einem geistlichen Bündnis durch Gelübde oder Versprechen zu tun haben, immer muss es um jene Treue in der Liebe gehen, die nur durch Gottverbundenheit möglich ist.

Die heilige Therese von Lisieux schenkt uns einen beherzigenswerten Grundgedanken, wenn sie sagt: „Die Liebe schließt alle Berufungen in sich, die Liebe ist alles, sie umspannt alle Zeiten und Orte … Mit einem Wort, sie ist ewig.“ Und an anderer Stelle sagt sie ganz persönlich: „Nur die Liebe kann uns dem lieben Gott wohlgefällig machen. Sie ist das einzige Gut, das ich begehre.“ Mag auch unter diesen oder jenen Umständen die affektive Liebe in den verschiedenen gottgefälligen Liebesbeziehungen schwächer werden oder gar erkalten, so bleibt doch der effektive Liebesbund erhalten und löst sich nicht einfach auf; denn er gründet auf jener Verbindlichkeit, die durch Gottverbundenheit geprägt ist. Wer ein Bündnis wie beim Ehesakrament oder beim Ordensgelübde oder bei der heiligen Weihe geschlossen hat, hat eben sein Ja-Wort vor Gott gegeben und Gott damit gleichsam zum Zeugen seines Versprechens genommen. Solche Zusage ist also nicht das Einlassen auf ein Experiment und steht nicht zur Disposition nach eigenem Gutdünken.

Wenn nun etwa in Bezug auf die christliche Ehe deren Unauflöslichkeit zur Diskussion gestellt wird und der Ehebruch nicht mehr in jedem Fall als schwere Sünde gelten soll, dann ist ein solches Bestreben direkt gegen Gottes Heilswillen gerichtet. Schon in der ursprünglichen Schöpfungsordnung und schliesslich in der Erlösungsordnung ist die Ehe von Gott als unauflösbarer Bund gewollt. „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ So sagt es Jesus in aller Eindeutigkeit und rehabilitiert damit das, was von Anfang an galt. Nur der Tod kann das Eheband trennen. Niemand, welchen Standes und Ranges er auch immer sei, hat die Vollmacht, ein gültiges sakramentales Eheband zu lösen.

Da zwischen dem Leben im Ehesakrament und dem Empfang der eucharistischen Speise kein Widerspruch und keine Verunklärung aufkommen dürfen, gilt bei aller fürsorgenden Liebe zivilrechtlich Geschiedenen gegenüber stets und ohne Abstriche in jedem Fall, was das kirchliche Lehramt gerade auch durch den heiligen Papst Johannes Paul II. verkündet hat:

„Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden; denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung. Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, dass, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, ‚sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind.‘“

An diese kirchliche Lehre und Ordnung sind wir alle gebunden, gerade auch in der seelsorglichen Betreuung und Begleitung der uns anvertrauten Menschen. Als Christgläubige, die gottverbunden lieben, wollen wir gerade in der heutigen Gesellschaft darum bemüht sein, auch andere zur Liebe aus Gottverbundenheit zu gewinnen und sie vor falschen Wegen zu bewahren.

aus: Msgr. Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz
Hirtenbrief zur Fastenzeit 2017

 

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