gottgefällig – gottverbunden – gottergeben (4/4)

Gottergeben sterben

Wenn es uns darum geht, gottergeben zu sterben, dann stellen wir uns vor die bedeutsame Frage:
Wie möchte ich eigentlich sterben?
Ist es mir ein entscheidend wichtiges Anliegen, mit und in Gott zu sterben?
Bin ich mit mir selbst im Reinen?
Lebe ich mit meinen Mitmenschen im Frieden?
Bin ich mit Gott versöhnt?
Habe ich überhaupt je daran gedacht, gottergeben meine irdischen Lebenstage zu beschließen?

Im Volksmund heißt es zurecht: Wie dein Sonntag, so dein Sterbetag.
Wenn wir dieses Wort beherzigen, dann mag es uns heute vielfach bang ums Herz werden. Wie viele Menschen leben – wie man so sagt – in den Tag hinein, ohne an Gott zu denken und ihr Tun und Lassen vor Gott zu prüfen! Wie viele Katholiken vernachlässigen ihre Sonntagspflicht, also namentlich die strikte Verpflichtung, an Sonntagen und gebotenen Feiertagen die heilige Messe zu besuchen! Wie viele Christen, die zwar Kinder Gottes heißen und es aufgrund ihrer Taufe auch sind, bemühen sich redlich, sich auf den Tod vorzubereiten und um eine gute Sterbestunde zu beten! Die Kirche hat es nie unterlassen, den Gläubigen nahezulegen, Gott darum zu bitten, er möge uns vor einem jähen, plötzlichen und unversehenen Tod bewahren.

Das Sakrament der Krankensalbung, auch „Letzte Ölung“ genannt, das nicht auf den letztmöglichen Augenblick des irdischen Lebens aufgeschoben werden soll und das bekanntlich auch wiederholbar ist, darf in unserer katholischen Kirche nicht vernachlässigt werden. Der verantwortungsbewusste Umgang mit diesem Sakrament soll nicht zuletzt auch dazu verhelfen, dass ein gottergebenes Sterben möglich wird. Am Schluss des Jakobusbriefes betont der Verfasser die Macht des vertrauensvollen Gebets und kommt dabei insbesondere auch auf die Krankensalbung zu sprechen: „Ist einer von euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist einer fröhlich? Dann soll er ein Loblied singen. Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Presbyter der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“

Zum gottergebenen Sterben gehört auch der Wunsch, ein wahrhaft christliches Begräbnis zu erhalten und sicherzustellen. In jüngster Zeit hat die römische Kongregation für die Glaubenslehre eigens eine Instruktion über die Beerdigung der Verstorbenen und die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung herausgegeben. Darin wird an den Grundsatz erinnert, dass gemäß ältester christlicher Tradition die Kirche nachdrücklich empfiehlt, den Leichnam der Verstorbenen auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort zu beerdigen. Sie hat allen Grund, diese seit alters gebräuchliche christliche Weise der Beerdigung neuerlich zu betonen, da vielfach der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben „verdunstet“ oder gar verschwunden ist. Auch wenn die Feuerbestattung nicht grundsätzlich verboten ist, so muss doch für ein christliches Begräbnis gewährleistet sein, dass mit der Kremation des Leichnams nicht eine Leugnung des Glaubens an die Auferstehung und das ewige Leben einhergeht. Gottergeben sterben – das heisst gerade auch hierzulande, dem Aufruf der Kirche zur Erdbestattung Folge zu leisten; denn wir sind berufen, den Glauben an die Auferstehung zu verkünden. Durch den Tod wird die Seele zwar vom Leib getrennt; bei der Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag wird Gott die unsterbliche Seele aber wieder mit dem verklärten Leib vereinen. Noch verfügen wir bei uns über eine schöne christliche Grabkultur, die uns an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens gemahnt und gleichzeitig zur geistigen Verbindung mit jenen, die uns im Glauben vorangegangen sind, einlädt.

Der Gottesdienstteilnehmer bei unserer eingangs erwähnten Geschichte hat gesagt:
„Wir heißen Kinder Gottes und sind es … zu schön, um wahr zu sein!“ Nun sollten wir es wissen: Es ist schön und wahr zugleich, Kind Gottes zu heißen und es zu sein, wenn wir gottgefällig leben, gottverbunden lieben und gottergeben sterben. Die Fastenzeit, die wir nun beginnen, will eine Einladung sein, die schöne Wahrheit unserer Gotteskindschaft als unsere christliche Berufung persönlich zu bejahen und im alltäglichen Leben wirksam werden zu lassen. Dazu erbitten wir die Hilfe jener, die durch ihr gottgefälliges Leben, ihre gottverbundene Liebe und ihr gottergebenes Sterben die ewige Vollendung erlangt haben. Es sind die Heiligen und Seligen des Himmels. Sie sind unsere Vorbilder und unsere Fürsprecher bei Gott, damit auch wir auf unserer irdischen Pilgerschaft gottgefällig zu leben, gottverbunden zu lieben und gottergeben zu sterben bestrebt sind. Diese Glückseligen des Himmels haben das Wohlgefallen Gottes gefunden, sind in der Liebe Gottes geborgen und haben teil an jenem Leben, das keinen Tod mehr kennt. Es ist unsere große Hoffnung, dass wir in ihrer Gemeinschaft dasselbe erleben dürfen. Dafür lohnt es sich, hier auf Erden gottgefällig zu leben, gottverbunden zu lieben und gottergeben zu sterben.

Für uns alle erbitte ich den mütterlichen Schutz der Himmelskönigin Maria und erteile von Herzen meinen Segen für eine gnadenvolle Vorbereitung auf das hohe Osterfest. Amen.

Schellenberg, am Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes,
11. Februar 2017
+ Wolfgang Haas
Erzbischof von Vaduz

aus: Msgr. Wolfgang Haas, Erzbischof von Vaduz
Hirtenbrief zur Fastenzeit 2017

 

 

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