Sr. Isa Vermehren – Tagebücher 1950-2009

Eine Buchempfehlung

Ihre Lebenszeit fällt zusammen mit einer tragischen Zeit für ihren Orden und für die gesamte Kirche. Schon in den 50er Jahren sieht sie die Gefahren, den Zusammenbruch des Religiösen, und das in einer Zeit, in der die Kirchen noch vergleichsweise voll waren und die Institutionen noch recht intakt schienen. Mit sehr nüchternem, analytischem Blick, aber um so schmerzvoller sieht sie den Niedergang, der durch die „Reformen“ nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil rasend beschleunigt wird. Drewermann, Küng und die bekannten anderen Protagonisten werden auf sehr sachliche Art und Weise als (mit)verantwortlich für die völlige Orientierungslosigkeit, ja: für die Abwendung vom eigentlich Katholischen geschildert, die letztlich auch den eigenen Orden erfassen.

Das Denken Sr. Isa Vermehrens ist durch die ignatianischen Exerzitien und durch die Orientierung am hl. Thomas geschult, und so sieht sie in erbarmungsloser Klarheit die Folgen dessen, was durch die „Reformen“ nach dem Zweiten Vatikanum in großer Schnelligkeit um sich greift und Raum gewinnt. Sie beklagt den immer schwächer werdenden Gottesbezug, die Tatsache, daß immer mehr das „Ich“ statt Gott in den Mittelpunkt einer (anderen?) Religion gestellt wird, sie beklagt den Verlust der Spiritualität und die dadurch immer kälter werdende Atmosphäre, die sich z. B . auch in den neuen Kapellen und Kirchen brutal darstellt. Auch den Niedergang ihres eigenen Ordens sieht sie mit unverstellter Klarheit.

Man spürt, daß Isa Vermehren unter der Situation, die sie erlebt hat, gelitten haben muß. Man spürt aber auch den Gehorsam dieser Frau, einen Gehorsam, der ihr möglicherweise ganz und gar nicht leichtgefallen ist. Sah sie eine Lösung?

„Msgr. Lefebvre ist z. Zt. der Einzige, der sichtbar dokumentiert und bezeugt, daß Kirche einen überzeitlichen ,Zweck‘ hat, daß Gebet einen Sinn in sich hat, daß das Lob Gottes objektive Pflicht ist, deren Wert nicht erst nachgewiesen werden muß an der Anziehungskraft, den er für Jugendliche und Touristen hat“, schreibt sie 1977.

Und 1998: „Was mich z. Zt. am meisten bedrängt und bedrückt: ich kann die Liturgie nicht mehr ertragen, merke, wie sie gänzlich fruchtlos bleibt … So, wie sie gefeiert wird, verhindert sie mit Macht die eigene, heilende, läuternde Mitfeier ( . . . ) . Ob ich nicht endlich alt und unabhängig genug bin, um wenigstens hin und wieder teilzunehmen am tridentinischen Gottesdienst [der Piusbruderschaft in Bonn] am Kaiser-Karl-Ring? Es wird mich Vertrauen und Frieden in der Kommunität kosten. Ich muß einen anderen Weg suchen . . .“

(aus: Joachim Volkmann. Isa Vermehren: Tagebücher 1950-2009. Eine Buchempfehlung. Kirchliche Umschau. März 2017)

Isa Vermehren
Tagebücher 1950-2009

Bearbeitet von Helga Böse (Hrg.)
Patrimonium-Verlag
604 Seiten; 29,80 €
ISBN: 978-3-86417-072-0

HIER BESTELLEN

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s