Prälat Prof. Dr. Georg May

(Prälat Prof. Dr. Georg May äußert sich in einem Interview u. a. über seine Professorentätigkeit)

Ich habe mir den Beruf des Hochschullehrers nicht ausgesucht. – Mein Ziel als Priester war von Anfang an, Seelsorger, also Pfarrer zu werden. Meine akademischen Lehrer, vor allem Klaus Mörsdorf, waren anderer Ansicht. So wurde ich zur Promotion und anschließend zur Habilitation aufgefordert. Mein Ortsordinarius Ferdinand Piontek stimmte zu. Aber er schrieb mir das ahnungsvolle Wort: „Sie begeben sich auf ein glattes Parkett.“ Diese Voraussage sollte sich in nicht vorhersehbarer Weise erfüllen.

Während meiner Lehrtätigkeit in Mainz erhielt ich zweimal einen Ruf an eine andere Universität: Bochum und Regensburg, wo neue Konzepte interdisziplinärer Zusammenarbeit verwirklicht wurden. Ich lehnte die Rufe ab, weil ich die Unterbrechung der wissenschaftlichen Arbeit durch organisatorische Aufgaben (die an den beiden neuerrichteten Universitäten besonders umfangreich sein mußten) befürchtete. Zwei weitere Fakultäten, die katholisch-theologische in München und die rechtswissenschaftliche in Salzburg, setzten mich an die erste Stelle einer Berufungsliste. Die Erzbischöfe von München und Wien verhinderten durch Intervention bei dem zuständigen Kultusminister das Ergehen des Rufes. Als Begründung gaben sie an: konservative Einstellung. Diese Einstufung reichte ihnen aus zur Ablehnung.

Ich blieb also in Mainz, ohne Verbitterung und in Ergebung in Gottes Willen. Meine Lehrverpflichtungen erfüllte ich mit selbstverständlicher Zuverlässigkeit. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Lehrveranstaltung ohne schwerwiegenden Grund ausgelassen zu haben. Unter den Studenten nahm ich mich in besonderer Weise der Priesterkandidaten an. Zeugnis dieser Sorge sind die zahlreichen Primizpredigten, die ich gehalten habe.

Meine Forschungen galten den drei Gebieten des (geltenden) Kirchenrechts, der Geschichte des Kirchenrechts und des Staatskirchenrechts. Ich habe viel in Archiven gearbeitet und somit jungfräulichen Boden beackert. Über den Stand in den übrigen theologischen Disziplinen versuchte ich mich auf dem laufenden zu halten. Die wissenschaftliche Arbeit und die Tätigkeit in der Seelsorge füllten mich vollständig aus. Ich habe in den Jahrzehnten meiner akademischen Tätigkeit viele Kollegen kennengelernt oder beobachtet.

Mein Vertrauen in die Zunft der Theologen, vor allem der „Staatstheologen“ ist begrenzt. Aus der Menge der Mängel und Beschwerden will ich nur einen Punkt erwähnen. Die Listen der Berufungen auf Lehrstühle werden keineswegs immer nach dem Maßstab der Leistungsfähigkeit der Kandidaten erstellt, sondern oft auch oder vornehmlich aufgrund der („fortschrittlichen“) Einstellung. Die Berufungsverfahren verkommen so zu Scheinveranstaltungen, weil man von vornherein weiß, auf wen die „maßgebenden“ Teile einer Fakultät zielen.

Die seit Jahrzehnten anhaltende Unterwanderung und allmähliche „Machtergreifung“ des theologischen Modernismus in den Fakultäten erfüllte mich mit zunehmender Sorge. Ich versuchte, ihr mit meinen schwachen Kräften entgegenzusteuern, begreiflicherweise zu meinem eigenen Schaden.

Meine Prognose für die Theologie in Deutschland ist düster. Ich fürchte, daß sie mehrheitlich durch menschliche Kraft nicht zu ihrer eigentlichen Aufgabe zurückzuführen ist. Allein Gott weiß Wege, wie ein gläubiger Rest gerettet werden kann.

Kirchliche Umschau. März 2017

Predigten von Prof. Dr. Georg May

Vortrag von Prof. Dr. Georg May: Selbstgemachter Priestermangel

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