Erinnerungen eines Priesters an den Tag seiner ersten Heiligen Kommunion

Die Erinnerungen eines Priesters an den Tag seiner ersten Heiligen Kommunion, so wie es am 22. April in der Rheinischen Post zu lesen war, machen mich sehr traurig. Alles Äußerlichkeiten oder Kritik. Man könnte auch sagen: gerade so wie heutzutage. Aber als Priester?

Offenbar war es für den Priester kein Gottgesegneter Tag; er erinnert sich lieber an weltliche Dinge. Aber vielleicht muss das heute auch so sein, damit man nicht belächelt oder verspottet wird, sollte man etwas Frommes oder Geistliches sagen. Nun, dass sich der geistliche Herr, – Verzeihung, er lässt sich lieber „Pastor“ oder „Wilhelm“ nennen, noch an den kühlen Märztag des Jahres 1954 erinnert, kann man verstehen, „da wir Jungs in kurzen Hosen, Kniestrümpfen und nur in Anzugjacke zur Kirche gingen“.

Der Kommunionunterricht sei damals völlig anders gewesen, berichtet er und meint mit Blick auf die nachkonziliaren Errungenschaften, „Zwar hatten auch wir spielerische Elemente, zum Beispiel ein Heft zum Ausmalen, doch der Unterricht wurde aus der Priesterschaft gehalten“. Er bedauert, dass die Eltern damals nicht beteiligt waren und lobt den heutzutage von ehrenamtlichen Katecheten „in kleinen Tischgruppen“ kindgerecht abgehaltenen Unterricht. Damit könne man heute „viel besser auf die Kinder und deren Bedürfnisse eingehen“. Offenbar liegt ihm das am Herzen, denn er fährt fort: „Wir versuchen, alles möglichst spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Es gibt immer ein schönes Motto, mit dem die Kinder sich identifizieren können. Dieses Jahr lautet es bei uns: ‚Mein Freund Jesus‘“. Und beinahe resignierend heißt es weiter, dass es damals „keine spezielles Mottos“ gab, sondern es hieß immer nur, „wir nähmen zum ersten Mal am Tisch des Herrn Platz“. – O wie arm, Herr Pfarrer. Und wie wenig realistisch.

Symbolbild: Gruppenstunde Kommunionvorbereitung 2016 – St. Ludgerus Alme

Der Pfarrer, der sich zwar offiziell im Ruhestand befindet, aber trotzdem noch weiter und engagiert als „erste seelsorgliche Ansprechpartner“ in einer GdG mitarbeitet, schreibt über seinen „Kommunionsgottesdienst“, dieser sei „ein lateinisches Hochamt“ gewesen, und die Kommunionkinder hätten „nüchtern erscheinen“ müssen. Es sei „alles sehr anstrengend“ gewesen. „Das lange Stehen und auch der viele Weihrauch trugen dazu bei, dass viele Kinder ohnmächtig wurden. Die ganze Zeremonie mit allem Drum und Dran dauerte bis zu drei Stunden“, erinnert sich Herr Pfarrer. Offenbar war alles eine richtige Folter- und Zwangsveranstaltung. Dies unterstreicht der Priester mit seinem Hinweis, dass sogar „die Lehrerschaft“ anwesend gewesen sei und am nächsten Montag „die Festlichkeit und das Benehmen“ kommentiert hätten.

Symbolbild: Erstkommunion 2016 St. Matthias Trier

Die obligatorischen Geschenke werden auch erwähnt; und die beiden erwähnten Geschenke waren für damalige Zeit richtig wertvoll und teuer: „Ich bekam ein Fahrrad von meinen Großeltern und einen Fotoapparat, der einfach ,Box‘ hieß, weil er ganz simpel war, aber ich habe ihn geliebt und viele Fotos damit gemacht.“ Interessant, wenn auch nicht so wichtig, fand ich, dass sich der Herr Pfarrer in diesem Zusammenhang an „Hortensien“ erinnert, denn diese Blumen seien damals oft „verschenkt worden“, wahrscheinlich als Töpfe für den elterlichen Garten. Die Kinder dagegen fanden das „nicht so prickelnd, sondern wünschten uns Dinge wie Uhren, Zirkel oder Buntstifte.

Herr Pfarrer hebt immerhin hervor, dass man nicht pauschal sagen könne, „dass früher alles besser oder schlechter gewesen sei“. Und er erinnert noch, „dass die Menschen sich gegenseitig unterstützt haben, wenn eine Familie durch eine Notlage nicht in der Lage war, für ihre Kinder ein schönes Kommunionfest auszurichten.

Einen persönlichen oder geistlichen Gewinn habe ich durch den Empfang der ersten heiligen Kommunion des Pfarrers (für den Augenblick oder für sein Leben) jedenfalls nicht erkannt. Leib und Blut Christi sind offenbar sowieso kein Thema. Mit solchen Erinnerungen lockt man keine jungen Menschen in die Kirche und an die Kommunionbank, die es meistens längst nicht mehr gibt. Also wird es so sein, wie seit Jahren: die Erstkommunion ist für die meisten auch gleich die Letztkommunion. Kommunion ist ja so profan; ein Abholen von etwas, das kostenlos ist und das man in den Mund steckt. – Aber lassen wir das mal so stehen.

Quelle: – RP 22.4.2017

 

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