Hildegard – Heilige und Kirchenlehrerin – 17. September

Hildegard wurde 1089 in Bermersheim bei Alzey geboren; ihre Eltern waren vermögende adelige Großgrundbesitzer. Im Alter von acht Jahren wurde sie als Oblatin in der Benediktinerinnenabtei Disibodenberg aufgenommen, wo sie 1115 die Ordensprofeß ablegte. Nach dem Tod von Jutta von Sponheim um 1136 wurde Hildegard zu ihrer Nachfolgerin als magistra, Meisterin, ernannt. Von schwacher physischer Gesundheit, aber mit einem starken Geist ausgestattet, bemühte sie sich mit besonderer Sorgfalt um eine angemessene Erneuerung des Ordenslebens. Grundlage ihrer Spiritualität war die benediktinische Ordensregel, welche die spirituelle Ausgewogenheit und die asketische Mäßigung als Wege zur Heiligkeit aufzeigt. Infolge des zahlenmäßigen Zuwachses von Nonnen, der vor allem dem hohen Ansehen ihrer Person zuzuschreiben war, gründete sie um das Jahr 1150 auf einem Hügel – dem Rupertsberg bei Bingen – ein Kloster, wohin sie mit 20 Mitschwestern übersiedelte.

1165 errichtete sie in Eibingen, auf der anderen Seite des Rheins, ein weiteres Kloster. Sie war Äbtissin beider Klöster. Innerhalb der Klostermauern kümmerte sie sich um das geistliche und materielle Wohl der Mitschwestern, indem sie im besonderen das Gemeinschaftsleben, die Kultur und die Liturgie förderte. Außerhalb des Klosters bemühte sie sich aktiv um die Stärkung des christlichen Glaubens und die Festigung der religiösen Praxis, indem sie den häretischen Tendenzen der Katharer entgegentrat, mit ihren Schriften und der Predigt die Reform der Kirche förderte und zur Besserung der Disziplin und der Lebensführung des Klerus beitrug. Auf Einladung zuerst von Hadrian IV. und dann von Alexander III. übte Hildegard ein fruchtbares Apostolat aus – zur damaligen Zeit keineswegs üblich für eine Frau –, unternahm mehrere Reisen, die nicht ohne Gefahren und Schwierigkeiten waren, um sogar auf öffentlichen Plätzen und in verschiedenen Kathedralen zu predigen, wie unter anderem in Köln, Trier, Lüttich, Mainz, Metz, Bamberg und Würzburg. Die in ihren Schriften gegenwärtige tiefe Spiritualität übt einen beträchtlichen Einfluß sowohl auf die Gläubigen wie auf große Persönlichkeiten ihrer Zeit aus, indem sie sie in eine wirksame Erneuerung der Theologie, der Liturgie, der Naturwissenschaften und der Musik einbezieht.

Abteikirche St. Hildegard, Eibingen

Nachdem Hildegard im Sommer 1179 von einer schweren Krankheit befallen worden war, starb sie im Kreise ihrer Mitschwestern, im Ruf der Heiligkeit am 17. September 1179 im Kloster von Rupertsberg bei Bingen.

In ihren zahlreichen Schriften widmete sich Hildegard ausschließlich der Darlegung der göttlichen Offenbarung und der Verkündigung Gottes in der Klarheit seiner Liebe. Hildegards Lehre gilt sowohl wegen der Tiefe und Korrektheit ihrer Auslegungen als auch wegen der Originalität ihrer Sichtweisen als herausragend. Die von ihr verfaßten Texte scheinen von einer echten »intellektuellen Liebe« beseelt zu sein und verdeutlichen die Dichte und Frische in der kontemplativen Betrachtung des Geheimnisses der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, der Menschwerdung, der Kirche, der Menschheit, der Natur, die als Geschöpf Gottes geschätzt und respektiert werden soll.

Diese Werke entstehen aus einer tiefen mystischen Erfahrung und bieten eine einprägsame Reflexion über das Geheimnis Gottes. Der Herr hatte sie bereits als Kind an einer Reihe von Visionen teilhaben lassen, von deren Inhalt sie dem Mönch Volmar, ihrem Sekretär und geistlichen Berater, und einer Mitschwester, der Nonne Richardis von Stade, erzählte. Aber besonders erhellend ist das Urteil des hl. Bernhard von Clairvaux, der ihr Mut machte, und vor allem jenes von Papst Eugen III., der sie 1147 dazu ermächtigte, zu schreiben und in der Öffentlichkeit zu reden.

Aus dem APOSTOLISCHEN SCHREIBEN, mit dem BENEDIKT PP. XVI am 7. Oktober 2012
die hl. Hildegard zur Kirchenlehrerin erklärte.

Quelle

Hildegardis-Vesper am 17. September 2011

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