Robert Bellarmin – Die Kunst, gut zu sterben

Eine Buchempfehlung

Sich mit dem eigenen Tod und dem Sterben beschäftigen – dies empfehlen den Christen bereits die frühen Väter der Kirche. Beim heiligen Benedikt, dem Vater des westlichen Mönchtums, heißt es in seiner Regel, dass man sich „den Tod täglich vor Augen halten“ soll (RB 4,47). Dieser Satz ist einer von 74 „Werkzeugen der geistlichen Kunst“, die sehr konkret beschreiben, wie sinnvolles Leben gelingen kann.

Im Mittelalter ist die „ars moriendi“, „die Kunst des Sterbens“, als christliche Vorbereitung auf einen guten Tod gelehrt worden. Dieser soll das Leben heilsam abschließen. Offenbar hat sich die Gesellschaft weitestgehend von einem solchen Verständnis des Todes weit entfernt, denn nicht er zählt, gewissermaßen als Brücke zu einem Leben mit Gott im Himmel. Vielmehr geht es um das weltliche Leben und dann um einen möglichst schmerzfreien und schnellen Tod, der das Ende besiegelt. Denn der Glaube an das Leben der Seele nach dem Tod ist häufig verschwunden, auch in weiten Teilen des Katholizismus.

Einer, der sich maßgeblich und profund mit der Kunst des Sterbens auseinandergesetzt hat, ist der heilige Robert Bellarmin. Er war Priester und als solcher tätig als Apologet, also als Verteidiger der katholischen Lehre. Er war ein eifriger Seelsorger und Seelenführer. Papst Clemens VIII. weihte ihn zum Bischof und machte ihn zum Kardinal. Kein Geringerer als Papst Benedikt XVI. sagte 2011 anlässlich einer Mittwochsaudienz über Robert Bellarmin und unser Thema: „In dem Buch ‚De arte bene moriendi‘ – ‚Von der Kunst, selig zu sterben‘ – […] rät er als sichere Richtschnur für ein gutes Leben und auch für ein gutes Sterben, oft und ernsthaft daran zu denken, daß man vor Gott Rechenschaft ablegen muß für seine Taten und seine Lebensweise, und danach zu streben, keine Reichtümer auf Erden anzuhäufen, sondern mit Einfachheit und Liebe zu leben, um Güter im Himmel zu schaffen.

Wenden wir uns nun dem Inhalt des Buches „Die Kunst, gut zu sterben“ von Robert Bellarmin zu, das, obgleich schon vielfach verlegt, in der leider nur wenig bekannten „Verlagsbuchhandlung Sabat“ mit einer neuen Einleitung versehen neu herausgegeben wurde (2. Auflage 2016).

De arte bene moriendi“ ist das letzte Werk des Kardinals. All seine Lebenserfahrung als Priester und Mensch liegen in diesem Buch. Es besteht aus zwei Kapiteln (Büchern): 1. „Von der Kunst, gut zu sterben“; 2. „Von der Kunst, gut zu sterben, wenn der Tod schon nahe ist“. Im ersten Buch werden 16 Regeln aufgestellt, im zweiten Buch 17 Regeln. Diese sind alle sehr praktisch und leicht nachvollziehbar, für den, der sie beherzigt und ihnen folgen will. Allerdings sollte dies keine offene Frage sein und dem Belieben eines jeden anheimgestellt werden. Vielmehr sollte jeder Katholik bereit und willens sein, diesen Weg auf sich zu nehmen, der kein anderer sein kann als jener der Nachfolge Christi, der bekanntlich ein Kreuzweg ist. Bellarmin lehrt, nicht erst am Ende des Lebens ans Sterben und an Gott zu denken. Denn unser gesamtes Leben besteht aus Entscheidungen, die für Gott zu treffen sind.

In der 15. Regel des zweiten Buches schreibt Robert Bellarmin über den Nutzen, die Kunst des Sterbens erlernt zu haben: „Die Sache ist leicht, aber von der größten Wichtigkeit, denn wer gut stirbt, der stirbt glückselig. Wer nämlich gut stirbt, der geht von einem sterblichen und elenden Leben über zu einem ewigen und in jeder Hinsicht seligen Leben. Wer dagegen schlecht stirbt, der geht von einem anscheinend langen und glücklichen Leben zu einem Leben über voll der Mühen und Schmerzen, die niemals ein Ende nehmen werden, so dass ein solches leben vielmehr ein ewiger Tod als ein Leben genannt zu werden verdient. Denn die Verdammten werden erstorben sein für alle Freude und Lust und werden nur leben für alle Mühe und allen Schmerz.“ Wie groß jedoch werden die Glückseligkeit sein, die Herrlichkeit und die Herzensfreuden derjenigen, „die gelernt haben, gut zu leben und glückselig zu sterben“. Eine Anleitung dazu bietet das vorliegende Buch des hl. Robert Bellarmin.

Erstveröffentlicht bei kathnews

Robert Bellarmin
Die Kunst, gut zu sterben
Verlagsbuchhandlung Sabat, 2.Aufl. 2016
Hardcover. 160 Seiten. 19,95€
ISBN 978-3-943506-18-1

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