Grundtugend – Grundhaltung

Die KARDINALTUGENDEN und ihre Bedeutung für ein christliches Leben. -2

In allen großen ethischen Systemen wird die Vielzahl der Einzeltugenden in einer Grundtugend zusammengefasst, in einer Grundtugend oder in einer Grundhaltung.

Für die Griechen ist diese Grundtugend die Tugend der Klugheit bzw. die Tugend der Weisheit, für den Philosophen Kant (+ 1804) ist das Zentrum aller Tugenden das Erfülltsein von dem allgemeinen Gedanken der Pflicht, für den Christen besteht dieses Zentrum in dem Erfasstsein von der sich schenkenden und von der die freie Antwort der Dankbarkeit heischenden Liebe Gottes.

Die Zurückführung der Einzeltugenden auf die vier Kardinaltugenden geht zurück auf den griechischen Philosophen Platon (+ 347 v. Chr.). Er ordnet die vier Kardinaltugenden den vier Seelenvermögen zu, wie er sie unterscheidet:

Die Klugheit ist dem Erkennen zugeordnet, sofern in ihr die Erkenntniskraft in praktischer Hinsicht betätigt wird,
die Gerechtigkeit ist dem Willen zugeordnet, sofern sie dem Willen die feste Richtung auf das erkannte Rechte gibt,
die Mäßigkeit ist zusammen mit der Tapferkeit dem Affektleben zugeordnet, sofern die Tapferkeit das aufbegehrende Affektleben oder die leidenschaftliche Aktivität in Ordnung hält und die Mäßigkeit das begehrende Affektleben.

Platon versteht alle anderen Tugenden als Teiltugenden einer dieser vier Tugenden.

Diese Einteilung haben bereits die Kirchenväter im christlichen Altertum übernommen und in die christliche Tugendlehre eingeführt.

(Aus Vorträgen von Prof. Dr. Joseph Schumacher, 2005)

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