Sr. Maria-Gabriella, Trappistin – und die Einheit der Christen

Ein Beitrag zur Gebetswoche für die Einheit der Christen

Der katholische Priester Paul Couturier, der den Kartäusern nahe stand, aber dann Oblate einer benediktinischen Gemeinschaft wurde, war es, der den Gedanken einer ökumenischen Gebetswoche neu entfachte. Nachdem diese Gebetswoche 1908 von Vertretern protestantischer Gemeinschaften ins Leben gerufen wurden, und daraufhin eine solche Gemeinschaft in die katholische Kirche übertrat, stockten weitere Aktionen, weil sich orthodoxe und protestantische Christen nicht imstande sahen an einer solchen Gebetswoche teilzunehmen. Erst 1932 kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Couturier begeisterte sich an dem Wort von Kardinal Mercier: „Um sich zu vereinigen muss man sich lieben. Um sich zu lieben muss man sich kennen. Um sich kennenzulernen muss man zusammenkommen.

Nun sollte die Weltgebetswoche bei allen Christen auf drei Pfeilern ruhen:
1. Ein Schuldbekenntnis
2. Das Gebet um die Einheit
3. Respektierung der Bekenntnisse und Traditionen.
Dieser eifrige Priester lud vor allem die beschaulichen Orden ein, sich an der Gebetswoche zu beteiligen. So kam die Einladung 1936 in die Trappistinnenabtei Grottaferrata (südl. v. Rom).

Die 77jährige Sr. Immaculata Scalvini war von diesem Gedanken ergriffen und wollte „ihr bisschen Leben Gott anbieten“. Bei ihrem Sterben am folgenden 25. Februar war eine junge Nonne zugegen, die sich Sr. Immaculata zum Vorbild nahm: Sr. Maria-Gabriella Sagheddu, die schon ein Jahr später ihr irdisches Leben vollenden wird.

Gabriella wurde am 17. März 1914 auf Sardinien geboren. Sie wird als schwieriges und trotziges Kind beschrieben. Am 30. September 1935 ist sie in das Kloster Grottaferrata eingetreten und legte am Christkönigsfest, am 31. Oktober 1937 ihre ersten Ordensgelübde ab. Zu Beginn des folgenden Jahres brachte Gabriella ihre Ganzhingabe dem Herrn dar, in die Gebetswoche „für die Einheit der Christen“. Bald darauf diagnostizierten Ärzte bei ihr Lungentuberkulose. Deswegen lag sie mehrere Wochen in einem Krankenhaus in Rom. „Der Herr hat mir diesen Schatz gegeben, diese Krankheit, und ich möchte ihn mit niemandem teilen“ sagte sie zu einer Mitschwester kurz vor ihrem Tode, nachdem sie wieder in ihr Kloster zurückgekehrt war.

Von dem ökumenischen Dialog war Sr. Maria-Gabriella kaum beeindruckt. Sie betete und opferte. Und sie wusste, dass die wahre Ökumene nur im Schoß der heiligen Mutter Kirche möglich ist. Ein Mönch eines anglikanischen Klosters schrieb ihr: „… bitte erlauben sie mir, einem ihrer getrennten Brüder, ihnen aus tiefstem Herzen für das Opfer zu danken, das sie für die Einheit der Christen darbringen. … Ich kann ihnen versichern, dass jetzt, wo sie sich Stunde um Stunde mehr der göttlichen Liebe anvertrauen, ihre Brüder durch ihr Opfer die Größe und faszinierende Anziehungskraft des Heiligsten Herzens Jesu neu verehren. …

Die Leidenszeit für Gabriella war lang und schwer. Der Herr holte sie zu sich am Sonntag des Guten Hirten, am 23. April 1939.

Papst Johannes Paul II. sprach sie selig am 25. Januar 1983.
Ihr Gedenktag ist am 22. April.

Sr. Maria-Gabriella, 17.3.1914 – 23.4.1939. Grabstätte.

Die südlich von Rom gelegene Trappistinnenabtei Grottaferrata wurde bald nach dem Krieg aufgegeben. Die Nonnen übertrugen die Gemeinschaft 1957 in ein neuerbautes Kloster nördlich von Rom in Vitorchiano, in der Nähe von Viterbo.

Diese Klostergemeinschaft von Trappistinnen hat, offenbar auf die Fürsprache der sel. Sr. Maria-Gabriella, einen ständigen Zuwachs an Berufungen, so dass seither 7 Tochterklöster gegründet werden konnten (Valserena, Italien 1968, Hinojo, Argentinien 1973, Quilvo, Chile 1981, Humocaro, Venezuela 1984, Gedono, Indonesien 1987), Matútum, Philippinen 1995, Naší Paní, Tschechien 2007).

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