Über Tränen

Die umwandelnde Kraft der Tränen, die aus dem Herzen kommen.

Die heilige Caterina von Siena sagte einmal, so wird überliefert: Jede Träne ist aus dem Herzen geboren. Kein Körperglied ist so empfindsam auf die Impulse des Herzens wie die Augen; wenn das Herz leidet, werden es die Augen bald enthüllen.

Niemand hat niemals geweint.

Sobald ein Kind geboren ist, werden Nase und Mund abgesaugt, um alle Sekrete, die sich in den Atemwegen des Kindes befinden, zu entfernen. Mund, Nase und Rachen werden gereinigt, um dem Neugeborenen die erste Sauerstoffaufnahme zu erleichtern. Das Baby sollte ja nach Möglichkeit bereits in der ersten Minute seines irdischen Lebens, also außerhalb der Gebärmutter, beginnen zu atmen, zu schreien; dieses Schreien ist weinen. Weinen bedeutet hier die Fähigkeit atmen zu können. Und atmen können heißt: leben.

Wenn ich weinen kann, dann deshalb, weil ich lebe.

Der vielleicht wichtigste Ausdruck des menschlichen Herzens sind die Tränen. Sie sprechen alle Sprachen, unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft. Sie drücken alle möglichen Gefühle aus: Freude, Traurigkeit, Trauer, Sehnsucht, Hass, Enttäuschung, Verzweiflung, Ungerechtigkeit, Sieg, Niederlage; alles durch vielfältige Gemüts- und Gefühlsregungen hervorgerufen.

Es scheint, dass, wenn alles versagt,
die Tränen als letzter Ausweg die letzte Hoffnung sind.

Tränen begegnen uns auch in der Heiligen Schrift, sowohl im Alten wie im Neuen Testament. Auch von Jesus wird berichtet dass er geweint hat (vgl. Lazarus-Geschichte, Johannes 1. Kap.). Wir erinnern uns an die Tränen Maria Magdalenas und natürlich an jene der Mutter Jesu, Marias.

Dennoch ist es nicht allen Menschen gegeben zu weinen. In unserer Gesellschaft ist es für viele oft sogar ein Zeichen von Schwäche. Manche sagen auch, weinen geschehe gewissermaßen natürlich, sei eine Tribut an die Dinge des Lebens. Oder weinen ist so etwas wie ein Geständnis. Weinen passiert. Deckt weinen vielleicht auch Gefühle auf oder zu?

Wir weinen vielleicht angesichts von Tod, Versagen, Schmerz, Enttäuschung, Verrat usw., – es ist dies sicher kein Zeichen von Schwäche.

Aber weinen wir auch über uns?
Weinen wir im Glauben, über unser Versagen im Glauben?

Menschen in Tränen zu sehen ist manchmal anstrengend und schwer zu ertragen. Vielleicht weil wir nicht wissen warum, – wir sind selbst hilflos. Doch der Herr spricht zum Weinenden: „Komm zu mir, ich weiß, du bist müde und belastet.“ Damit will Jesus unser Heiland uns sagen: „Sei nicht müde oder stolz, um zu mir zu kommen, Du sollst nicht denken, du würdest mich belästigen; ich möchte von dir belästigt werden, mit dir in Liebe leiden.“

Der heilige Augustinus sagte, dass seine Mutter jeden Tag vor dem Allerheiligsten Tränen vergoss, um ihn zu bekehren. Er schrieb in seinen Bekenntnissen, dass einst seine Mutter, die wegen seinem Festhalten an der Häresie untröstlich war, die Hilfe eines Bischofs suchte und diesen drängte, mit Augustinus zu sprechen und ihn von dem Irrtum dieser Auffassung zu überzeugen. Doch der Bischof lehnte dies ab und meinte, dass der junge Augustinus die Täuschung, in der er sich befand, für sich selbst entdecken müsse. Aber Monica, seine Mutter, war nicht zufrieden und flehte den Bischof nochmals an, etwas zu tun. Schon beinahe ärgerlich antwortete er „Geh in Frieden, Frau, und lebe weiter so, dass es deinem Kind nicht möglich ist, wegen so vieler Tränen verlorenzugehen und zu sterben.“ Ihre Tränen waren das stille Gebete, das das Herz Jesu berührte. – Kann es ein stärkeres Gebet geben?

„Seine Tränen waren das Blut seines Herzens, das in ihren Augen destilliert wurde.“

Begieße deine Gebete mit Tränen und wirf sie selbstbewusst in das barmherzige Herz Jesu.
Schau auf das Kreuz Jesu und sieh auf das durchbohrte Herz Mariens

Bleibe stehen am Fuß des Kreuzes.
Jesus erlöst die Verzweifelten und die Entmutigten.

Bleib stehen mit unsere Mutter, ihrem Schmerzen und ihren Tränen,
lass zu, dass sie sich um alles kümmere.

Ihre Tränen waren das stille Gebete, das das Herz Jesu berührte.
Kann es ein stärkeres Gebet geben?

„Seine Tränen waren das Blut seines Herzens, das in ihren Augen destilliert wurde.“
Begieße deine Gebete mit Tränen und wirf sie selbstbewusst in das barmherzige Herz Jesu.

Schau auf das Kreuz Jesu und sieh auf das durchbohrte Herz Mariens.
Bleibe stehen am Fuß des Kreuzes.
Jesus erlöst die Verzweifelten und die Entmutigten.

Bleib stehen mit unsere Mutter, ihrem Schmerzen und ihren Tränen, lass zu, dass sie sich um alles kümmere.

Rogier van der Weyden. Kreuzabnahme Jesu, Detail li.o.

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