Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (1/11)

Zweimal in der Fastenzeit beten die byzantinischen Christen den großen Bußkanon des heiligen Andreas von Kreta: – in mehreren Teilen am Aschermittwoch und den folgenden Tagen; sowie als Ganzes am Donnerstag vor dem 5. Sonntag der Fastenzeit. – Auch Katholiken stünde es gut zu Gesicht, dieses Bußgebet zu verrichten. Es führt die gläubigen Beter zurück auf den Grund ihrer von der Erbsünde so stark geprägten menschlichen Schwachheit. Die Sünde ist Bestandteil des Lebens, die sie ohne Erkenntnis, ohne Bekenntnis und Reue, aber auch ohne die Barmherzigkeit Gottes nicht überwinden können. Die ungeordneten Leidenschaften und Begierden müssen überwunden werden. Christus liebt das reine Herz; der Sünder muß sich bekehren, er muß umkehren. Die Ostkirche bietet den Gläubigen großartige Möglichkeiten dazu. Mehr als in der lateinischen Kirche wird das Fasten und die Buße hervorgehoben und praktiziert. Und immer gehören neben langen Gebeten weitere äußere Zeichen dazu, die den ganzen Menschen fordern. Es ist ja nicht nur der Geist, der sich bekehren soll, sondern auch der Leib, der das Werkzeug des Menschen ist. So wird auch der Leib, etwa durch vielfache Niederwerfungen und durch Bekreuzigungen mit hineingenommen in die Gebetsformen und Liturgien der Ostkirche. – Mit diesem „Buß- und Reuelied“ des heiligen Andreas können Christen aller Konfessionen getrost sich dem Herrn hingeben und mit Ihm hinausgehen auf die Straßen Jerusalems, um mit Ihm den Berg Golgotha zu besteigen. Christus ist der Retter und Erlöser.

Wer ist Andreas von Kreta

Andreas wurde um 660 in Damaskus in Syrien geboren. Als er 15 Jahren alt war, trat er in Jerusalem in das Grabeskloster ein. Er wird Diakon in der kirchlichen Verwaltung von Konstantinopel. Von Patriarch Theodor I. wird er beauftragt, Kaiser Konstantinus Pogonatus zu bewegen, das 3. Konzil von Konstantinopel abzuhalten, auf dem er den Patriarchen vertritt. 692 wird Andreas zum Metropoliten von Gortyna auf Kreta ernannt. Er wurde be-rühmt wegen seiner Predigten und Schriften, ebenso als Verehrer der Ikonen. Andreas war ein großer Hymnologe. Sein Großer Kanon ist ein Bußgesang mit 250 Strophen. Noch heute wird er in der griechischen Kirche am Donnerstag der fünften Fastenwoche gesungen. Andreas von Kreta ist ein Heiliger der ungeteilten Christenheit. In der Ost- wie in der West-kirche ist sein Gedenktag der 4. Juli, an seinem wahrscheinlichen Todestag (740 od. 720).

Heiliger Andreas von Kreta

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