Sr. Consolata, Trappistin in Maria Frieden +

Innerhalb von fünf Wochen tragen die Trappistinnen von Maria Frieden ihre dritte Mitschwester auf den Klosterfriedhof. – Hier und Hier

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Aus Gründen des Datenschutzes
musste der hier zunächst veröffentlichte Beitrag entfernt werden.

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Sr. Consolata Klein
Trappistin in Maria Frieden
geboren am 2.11.1922,
Klostereintritt am 13.4.1958,
Erste Profess am 26.5.1960, Feierliche Profess am 26.5.1964,
gestorben am 15.3.2018.

Sie möge ruhen in Frieden!
RIP

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Heiligstes Herz Jesu,
wir vertrauen auf dich!

 

Abtei Maria Frieden

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (2/11)

Einführung in den Großen Kanon
des heiligen Andreas von Kreta

Dieser lange Gesang des heiligen Andreas von Kreta geht die ganze Geschichte der Begegnung des Menschen mit Gott – wie sie uns in der Heiligen Schrift dargestellt ist – durch. Er versucht uns zu helfen, die Tatsache einzusehen, daß wir nur wenige gute Werke darzubringen haben, und daß wir sehr oft das Spiel des Bösen gespielt haben. Nicht durch unser Gutes-Tun gelangen wir ins Himmelreich, sondern durch die Barmherzigkeit Gottes. Und der Vater, in Seiner Liebe, wartet darauf, daß wir es wagen, mit dem ganzen Ausmaß unseres Elends zu Ihm zu kommen, Ihm so zu vertrauen, daß wir den Mut haben, es Seinem barmherzigen Blick hinzuhalten; und, indem wir dies mit unserem eigenen Elend in uns tun, auch das ganze Elend der Welt der erlösenden Wirksamkeit des Liebestodes und der Auferstehung auszusetzen.

Die Reue ist der Zugang zu dieser verklärenden, heilenden und von der Sünde befreienden Kraft. Das Geheimnis der heiligen Tränen, der heiligen Trauer, übersteigt bei weitem das Geheimnis der persönlichen Reue. Das Mitleiden (compassio) der heiligen Mutter Gottes mit Jesus für alle Sünder gehört auch zu diesem Geheimnis. Die Makellose, die keine persönliche Reue kennt, macht sich in ihrer Compassio mit jedem Sünder so eins, daß ihre Trauer als „Reue“ angeschaut werden kann. So ist es auch für jeden, der Buße tut. Er tut nicht nur Buße für sich selbst, sondern für alle seine Brüder, die auch Sünder sind. Wenn manche Strophen dieses Bußkanons nicht ganz zutreffend für uns persönlich sind, so singen wir sie doch für jene, die von ihnen betroffen sein können – nicht in einem herablassenden Erbarmen für diese Sünder, sondern im Wissen, daß es aus reiner Gnade Gottes ist, wenn wir von dieser oder jener Sünde bewahrt wurden.

Der heilige Andreas, der dieses „Buß- und Reuelied“ gedichtet hat, war in der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts Erzbischof von Kreta. Die heilige Maria von Ägypten, der zwei Strophen am Ende jeder Ode gewidmet werden, war im Mittelalter nicht nur im Osten, sondern auch hierzulande das Symbol der wandelnden Kraft der Gnade im Sünder.

Es gibt viele Symbole für die Sünde im Evangelium: Lahmheit, Blindheit, Aussatz … und es gibt auch viele öffentlich bekannte Sünder: etwa die Zöllner und Dirnen und die Ehebrecherin. Alle erlangen Heilung und Vergebung ihrer Sünden und Schwächen. Nur die Stolzen, die herablassend auf die anderen schauen und ihr Herz verschließen, werden nicht gerechtfertigt.

Maria von Ägypten war, schon als sie beinahe noch ein Kind war, Dirne in Alexandrien geworden. Die Prostitution ist das Bild, das im Alten Testament die Untreue des Volkes dem Herrn gegenüber versinnbildlicht: Er ist Gott. Ihm gehören wir. Und doch ist uns so vieles andere wichtiger als Er. Jede Sache, jede Person, die wir Gott vorziehen, ist uns mehr Gott als Gott selbst, ist uns ein Götze. Maria von Ägypten hat siebzehn Jahre lang ein schlimmes Leben geführt. Eines Tages aber fährt sie „zufällig“ und mit noch sehr unreinen Absichten nach Jerusalem, wo das Heilige Kreuz verehrt wird. Sie folgt dem Strom der Pilger. Aber auf der Schwelle der Jerusalemer Grabeskirche hindert sie eine unsichtbare Kraft, mit den anderen eintreten zu können. Zuerst ringt sie und versucht, doch hineinzukommen.

Schließlich läßt sie sich im Atrium niederfallen, gerade unter der Ikone der Heiligen Mutter Gottes. In diesem Augenblick versteht sie, warum die Schwelle sie zurückgestoßen hat. Sie ist vor der anderen Maria in die Knie gesunken und weint die reinigenden und befreienden Tränen der Reue. Ein neues Leben fängt für sie an. Es ist eine Erneuerung ihrer Taufe. Dieses Leben stellt sie sofort unter den Schutz und die Führung der Mutter Gottes. Nachdem sie das rettende Kreuz des Herrn verehrt hat, geht sie über den Jordan. Sie wirft im Jordan die vergangenen Sünden ab – dort, wo der Herr sie bei Seiner Taufe schon im Voraus auf sich genommen hat, um sie in Seinem Leiden zu sühnen. Die Reue ist ein tiefes und dankbares Mitleiden mit Dem, der aus Liebe zu uns für unsere Sünden am Kreuz starb. Darin liegt die enge Verwandtschaft zwischen der Reue und dem „Mitleiden“ Marias unter dem Kreuz. Danach lebte Maria von Ägypten 47 Jahre in der Wüste des Jordan. Es ist nicht leicht für sie, die so sehr das weichliche Leben der Großstadt Alexandriens gewöhnt war, die Rauheit, die Leere, das Hungern und die Einsamkeit der Wüste auf sich zu nehmen.

Abt Zosimas bringt Maria von Ägypten die Heilige Kommunion

Der Abt Zosimas, der ihr dort begegnete und ihr die Heilige Kommunion brachte, und der sie auch dort mit Hilfe eines Löwen begraben hat, erzählt, daß sie noch 17 Jahre von fleischlichen Anfechtungen gepeinigt wurde. Eine der Folgen der Erbsünde ist die Tendenz, die wir haben, mit unserem Leib eher den Genuß, das Vergnügen und die Bequemlichkeit zu suchen als den Leib in den Dienst der Liebe, die sich wirklich hingibt, zu stellen. Eines der Ziele der Buße und Askese ist es, diesen Hang wieder umzukehren.

Maria von Ägypten ist wie Maria von Magdala das Symbol der Kirche als Volk der Sünder, die sich Christus vermählt, indem Er sie erlöst. Sie wird aus dem Abgrund der Verlorenheit (Ägypten) zum rettenden Kreuz geführt. Sie darf aber nicht beim Heiligtum bleiben – sie ist noch im Exil. Sie muß über den Jordan, in die Wüste. Dort werden die Schlacken ihres alten Lebens in einem langen Sich-in-der-Einsamkeit-Gott-Aussetzen ausgeglüht.

Der im Folgenden abgebildete Kanon ist mit seinen 9 Oden Teil der Laudes. Er ist mit der Einleitung und dem Schlußgebet in gekürzter Form in den liturgischen Rahmen der Laudes gestellt. Der Kanon ist hier jedoch – zumindest nach der ukrainischen Tradition – vollständig.

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