Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (6/11)

4. Ode – Die Jakobsleiter

1. Verwirf nicht das Werk Deiner Hände,* o gerechter Richter!* Auch wenn ich mehr gesündigt habe als jeder andere,* gib Dein Geschöpf nicht preis.* Nur Du, Herr des Alls,* kannst Sünden vergeben.
2. Das Ende naht,* und du, meine Seele, bedenkst es nicht.* Es nähert sich, und du bereitest dich nicht vor.* Die Zeit drängt, erhebe dich,* denn der Retter steht schon an der Tür.* Wie ein Traum, wie eine Blume des Feldes,* vergeht unser Leben,* und unsere Geschäftigkeit ist umsonst.
3. Wach auf und bedenke die Werke deines Lebens.* Denk an deine Vergangenheit* und laß deinen Tränen freien Lauf.* Bekenne Christus offen deine Taten* und deine verborgenen Gedanken,* und du wirst geheiligt werden.
4. Es gibt keine Art Sünden in diesem Leben,* die ich nicht begehen hätte können.* O mein Retter,* ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken,* in meinen Absichten und in meinen Taten.
5. Mein Gewissen quält mich,* o mein Erlšser.* Du erforschst mich und kennst mich* verschone und rette mich.
6. Die Leiter, die einst der Patriarch Jakob sah,* ist ein Bild der Beschauung,* die sich, gestützt auf die Werke,* zum Himmel erhebt.* Willst du die Aktion und die Kontemplation kennen lernen,* so laß den Heiligen Geist dein Leben erneuern.
7. Der Patriarch Jakob,* an allem arm, ertrug die Hitze des Tages* und die Kälte der Nacht.* Um seine zwei Frauen zu erwerben,* arbeitete er und vermehrte durch List* seine Herde von Tag zu Tag.
8. Diese beiden Frauen seien dir Symbole* für Aktion und Kontemplation.* Die erste ist Lea* – Zeichen für die fruchtbare Aktion.* Die zweite ist Rachel* – Symbol der Kontemplation.
9. Sei wachsam und kämpfe wie Jakob,* damit dir die Erkenntnis* und die Schau Gottes geschenkt werden können.* So kann die Nacht deines Glaubens* von Lichte der Kontemplation durchdrungen werden.* So wirst du die wertvolle Perle erwerben.
10. Jakob hat zwölf Söhne gezeugt.* Diese zwölf Patriarchen gleichen einer mystischen Leiter,* und sie stellen den Fortschritt in der Weisheit dar.
11. Wie Esau wurdest du in deinen Gedanken* und auch in deinem Handeln betrogen;* du hast dein Erstgeburtsrecht, deine erste Schönheit,* dem verkauft, der dich verdrängen will.* Und so bist du des väterlichen Segens verlustig geworden.* Kehre um, und er wird dir wiedergegeben.
12. Esau brannte von Maßlosigkeit.* Wegen der Heftigkeit seiner Leidenschaft* bekam er den Zunamen Edom,* das bedeutet: „der Rote“* – rot wie die Glut seiner Seele* im Eifer der Begierde.
13. Du hast gehört,* daß Ijob auf seinem Misthaufen durch seine Standhaftigkeit gerechtfertigt wurde*. Du bist aber seinem Beispiel nicht gefolgt.* Du hast keine Ausdauer bewiesen,* weder im Wollen noch im Vollbringen.
14. Ijob, der einst auf einem Thron saß,* sitzt nun auf einem Misthaufen.* Einst führte er ein großes Haus* und war Vater vieler Söhne,* jetzt ist er ohne Kinder und obdachlos.* Als Palast hat er den Mist und als Perlen seine Geschwüre.
15. Noch unlängst wurde der gerechte Ijob* mit den Zeichen des Königtums bekleidet* und trug Purpur und Krone.* Er war im Besitz großer Güter* und unzählbarer Herden.* Doch plötzlich stürzte er ins Elend* und wurde all seiner Herrlichkeit und Macht beraubt.
16. Als gerechter und tadelloser Mann* ist Ijob noch in seinem Unglück treu geblieben.* Was wird aber mit dir sein,* wenn das Unglück über dich hereinbricht,* daß du jetzt schon ein Spielball der Feinde bist.
17. Mein Leib ist befleckt,* mein Geist verfinstert.* Ich bin ganz mit Geschwüren bedeckt.* Doch Du, Christus, bist mein Arzt* und heilst mich.* Wasche mich im Bad der Reue,* und ich werde weißer als Schnee.
18. Für das Heil der ganzen Welt* hast Du, o Wort Gottes,* am Kreuz Deinen Leib und Dein Blut dargebracht:* Deinen Leib, um mich neu zu erschaffen,* Dein Blut, um mich rein zu waschen.* Deinen Geist hast Du aufgegeben,* um mich zum Vater heimzuführen.
19. Inmitten der Welt hast Du das Heil bewirkt.* Um uns zu retten, o Schöpfer,* wolltest Du an den Baum genagelt werden.* So wurde uns der Garten Eden wieder geöffnet.* Himmel und Erde,* die ganze Schöpfung und die Scharen der Völker,* die Du erlöst hast, beten Dich an.
20. Blut und Wasser,* die aus Deiner Seite hervorströmen,* sind für mich das Bad der Taufe* und der erlösende Trank.* Dein Blut wäscht mein Herz rein.* Dein Leib stillt meinen Hunger.* Und Dein lebenspendendes Wort* ist mir eine heilige Salbung.
21. Noch bin ich außerhalb Deines Hochzeitssaales.* Ich bin nicht würdig, an der Hochzeit des Lammes teilzunehmen.* Meine Lampe ist erlöscht,* weil mir das Öl der wahren Liebe fehlt.* Die Tore sind verschlossen,* und ich stehe draußen mit gefesselten Händen und Füßen.
22. Die Kirche besitzt einen Kelch, O Retter:* Deine durchbohrte Seite,* woraus uns die zweifache Quelle der Vergebung* und der Weisheit entspringt.
23. Noch ist mein Herz voll Eitelkeit.* O barmherziger Herr,* verurteile mich aber nicht mit dem Pharisäer,* sondern schenke mir die Demut des Zöllners.* Und wie ihn, Du gerechter und gütiger Meister,* rechtfertige auch mich.
24. Ich habe gesündigt,* den Tempel meines Leibes habe ich entweiht,* o barmherziger Gott.* Doch nimm mich Reuigen an* und erleuchte mich mit Deinem Licht,* damit ich für den Feind nicht zur Beute werde.
25. Aus mir selbst habe ich einen Götzen gemacht* und meiner Seele durch meine Begierlichkeit geschadet,* doch nimm mich Reuigen an* und führe mich zurück zu Deinem Licht,* damit ich für den Feind nicht zur Beute werde.
26. Auf Deine Stimme habe ich nicht gehört,* und Deine Gebote habe ich übertreten,* doch nimm mich Reuigen an* und locke mich mit Deinem Licht,* damit ich für den Feind nicht zur Beute werde.

Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
O selige Maria von Ägypten,* du hast von Gott die Gnade empfangen,* schon auf Erden am Leben der Engel teilzuhaben.* Du trittst für alle ein,* die dich verehren.* Demütig bitten wir dich,* befreie uns durch dein Gebet* aus Versuchung und Bedrängnis.
Heilige Maria von Ägypten,* bitte für uns.
Obwohl du in den Abgrund der Sünde gefallen warst,* o Maria von Ägypten,* bist du nicht ihre Beute geblieben.* Du hast dich erhoben,* und die höchsten Tugenden erreicht.* Heilig geworden, rufst du die Bewunderung der Engel hervor.

Heiliger Andreas von Kreta,* bitte für uns.
Heiliger Andreas von Kreta* und all ihr Heiligen des Himmels,* bittet für uns den Dreifaltigen Gott,* da§ Er uns aufnimmt in Sein Reich.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn* und dem Heiligen Geist: Ich bekenne Dich und bete Dich an,* Gott in Drei Personen,* dessen Herrschaft eine* und dessen Thron nur einer ist,* und ich bringe Dir den dreifachen Lobpreis im Himmel dar.
Jetzt und allezeit* und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Als Jungfrau hast du geboren* und bist doch Jungfrau geblieben, Mutter Gottes;* denn Er, der aus dir geboren wurde,* erneuert die Gesetze der Natur.* Denn Gott kann alles vollbringen,* was Er will.* Heilige Mutter Gottes, bitte für uns.

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