Die Passion Jesu Christi und meine Schuld

Am heutigen Karfreitag zeige ich das Gemälde ECCE HOMO des Antwerpener Malers Quentin Metsis [auch: Metsy / Massys] (1466-1530), aus dem frühen 16. Jahrhundert. Es befindet sich im Dogenpalast in Venedig und zeigt in einem bedrückenden Realismus und in überquellender Farbenpracht die Grausamkeit der Leiden Christi bis zu seinem Kreuzestod. Mich beeindruckt jedes Detail des Bildes, und gerade in besonderer Weise der Henker Christi. Natürlich nicht, weil ich sein möchte wie er. Ich stelle mir aber die Frage, ob ich es nicht bin. Bin ich der Henkes des Heilandes?

Ecce Homo, Quentin Massys / Foto-http://kerdonis.fr/ZMETSYS01/index.html

In den vergangenen Passionstagen haben wir den Großen Kanon des hl. Andreas gebetet.
Die zweiten Ode hilft uns zur Erkenntnis zu gelangen, dass wir AUCH in diesem Henker Jesu zu finden sind, dass wir uns durch unsere Sünden diesem armen Menschen ausgeliefert haben, anstatt der Liebe.
Beten noch einmal die Worte aus der 2. Ode.
Betrachten wir dazu die verschiedenen Bildausschnitte.
Bitten wir Gott um Erkenntnis und um Bekehrung!

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Hört zu, ihr Himmel, ich will reden!
O Erde, lausche meinen Worten, vernimm die Stimme dessen, der vor Gott seine Sünden bekennt und Ihn verherrlicht.
Herr, Du Gott des Erbarmens, schenke mir Deinen Blick der Liebe und entnimm meinen Lippen das Bekenntnis meiner Sünden.
Gegen Dich allein habe ich gesündigt.
Aber Du, mein Retter,* hab Erbarmen mit dem Werk Deiner Hände.

Die Wogen der Leidenschaften umbranden mich, Herr des Erbarmens,
doch reiche Du mir Deine Hand, wie Du sie einst Petrus auf den Wellen gereicht hast.
Vor Dir, o Christus, verströme ich meine Tränen wie die Sünderin.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_1) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

In Deiner Liebe hab Erbarmen mit mir.
Die Schönheit meiner Seele habe ich durch den Genuß, den ich in den Leidenschaften gefunden habe, zerstört. Nun ist mein Sinn nur dem Irdischen zugewandt. Ja, ich habe die Schlange, die mich verführte, das Gewand zerreißen lassen, das ich von Dir bekommen hatte. Ich habe die verlockende Schönheit des Baumes, von dem Du mir verboten hattest zu kosten, betrachtet, und mein Geist ließ sich verführen, und so habe ich das lichtvolle Gewand meiner Seele verloren.

Alle Fürsten des Bösen haben auf meinem Rücken gepflügt,
und in meinem Herzen die langen Furchen der Sünde gezogen.

Ich habe meine ursprüngliche Schönheit und meine Würde verloren.
Du aber, mein Erlöser, siehst mein Elend und hast Erbarmen mit mir.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_2) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Nachdem sie mir schon das Gewand zerrissen hat, das Gott selbst mir gewoben hatte, hat die Sünde auch mein Herz zerrissen. Das Leben, das ich in Begierlichkeiten vergeudet habe, ist mir wie ein vom Scharlach der Schande getränkter Mantel.

Geschaffen nach Deinem Bild und Gleichnis, habe ich das Gewand dieser ersten Schönheit beschmutzt und mit Flecken bedeckt. Ich war den Vergnügungen und der Verderbnis verfallen, und der Feind hat mich unterjocht.

„Blickt auf und seht,* Ich bin es, euer Gott!“, sagt der Herr.
Höre auf Ihn, der zu dir ruft:
„Wende dich ab von der Sünde“.
Sei voll Ehrfurcht vor dem Herrn, Er ist dein Richter.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_3) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Mit wem soll ich mich in meinen Sünden vergleichen?
Mit Kain, dem ersten Mörder? Oder mit Lamech? Denn meinen Körper habe ich mit dem Bösen gesteinigt, und meinen Geist durch törichte Begierden umgebracht. Ich habe die Väter, die vor dem Gesetz lebten, nicht nachgeahmt, weder Set, Enosch, noch Henoch, der emporgehoben wurde, und auch Noach nicht. Ich habe mich um das Leben der Gerechten gebracht. Ich habe die Schleusen des Himmels geöffnet und bin außerhalb der Arche geblieben.

„Einen Mann erschlug ich für eine Wunde, einen Knaben für eine Strieme“, rief Lamech.
Auch ich zittere nicht, mein Fleisch zu erschlagen
und meinen Geist zu töten.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_4) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Ja, Lamech, dem Mörder bin ich gefolgt, als ich meinen Geist wie einen Mann und meine Seele wie einen Knaben getötet habe. Wie Kain dem Leben seines Bruders auflauerte, so habe ich meinen Körper umgebracht durch die Heftigkeit meiner Begierde. Ich habe eigenmächtig versucht, einen Turm zu bauen und eine befestigte Stadt zu errichten.

Aber der Schöpfer hat mein Vorhaben vereitelt.
Er hat mein Bauwerk umgestürzt.
Ich bin zerschlagen, verwundet.
Die Schläge des Feindes haben mir Seele und Leib schwer getroffen.

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_5) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Die Verletzungen und Entzündungen meiner Wunden
zeugen von der Heftigkeit meiner Leidenschaften.

Einst ließ der Herr eine Feuersbrunst vom Himmel herabregnen,
und durch sie wurde die Sünde von Sodom verschlungen.

Warum schüre ich für mich
durch meine Sünden
das Feuer der Hölle?

Erkennt, daß Ich der Herr bin,
der die Herzen erforscht und die verborgenen Gedanken aufdeckt,
die Absichten reinigt und die Sünden tilgt;
der Recht schafft den Waisen,
den Kleinen und den Schwachen.“

Ecce Homo, Quentin Massys (Ausschnitt_6) Foto-httpkerdonis.frZMETSYS01index.html

Mutter Gottes, Du reine Königin,
Hoffnung aller, die zu dir eilen,
sicherer Hafen für die, die aus den Stürmen kommen,
rufe durch dein Gebet
das Erbarmen deines Schöpfers und Sohnes
auf mich herab.

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Der Große Kanon des heiligen Andreas von Kreta – (4/11)

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