Bruder Konrad von Parzham, Kapuziner – 21. April

„Das Kreuz ist mein Buch.
Ein Blick auf das Kreuz lehrt mich bei jeder Gelegenheit, wie ich mich zu verhalten habe. Da lerne ich Geduld und Demut. Da lerne ich jedes Kreuz mit Geduld tragen, ja es wird mir süß und leicht.“

(Bruder Konrad in einem seiner wenigen Briefe)

Anläßlich einer Wallfahrt nach dem fünf Stunden entfernten Aigen lernte der Zweiundzwanzigjährige Johann Evangelist Birndorfer in Benefiziat Dullinger seinen Seelenführer kennen. Alle acht oder vierzehn Tage ging er dorthin, um zu beichten, den Gottesdiensten beizuwohnen, zu kommunizieren und einen Rat zu erbitten. Bereits um ein Uhr nachts brach er auf. Auch strömender Regen, hoher Schnee oder Glatteis konnten ihn nicht davon abhalten. Wenn er nach zehnstündigem Marsch, auf dem er ständig betete, am Spätnachmittag nach Hause kam, war er noch nüchtern. Nach einer kleinen Stärkung zog er sich auf seine Kammer zurück, um zu beten oder ein geistliches Buch zur Hand zu nehmen. An diesem Gang nach Aigen hielt er neun Jahre fest, bis er ins Kloster eintrat.

In seinem Eifer kam er schon um halb vier zur Kirche, wo er dann kniend bis zum öffnen vor dem Portal in Anbetung verharrte. Diese Wertschätzung der heiligen Messe verdankte er dem Volksbuch des Martin von Cochem über die heilige Messe. Er hat es eifrig gelesen, betrachtet und sich zum geistigen Eigentum gemacht. Der sonst so in sich Gekehrte konnte begeistert reden, wenn man von der Eucharistie sprach. Im Glauben wußte Johannes sich bei der Meßfeier auf Golgotha versetzt, das Todesleiden des Herrn stand ihm lebendig vor Augen. Hier holte er sich auch die Kraft zur Nachfolge seines gekreuzigten Herrn für den kommenden Tag. So bildete das Geheimnis der Eucharistie die Mitte und Quelle seiner Frömmigkeit.

Im Kloster genügte es ihm nicht, drei- oder viermal in der Woche, wie es damals üblich war, zum Tisch des Herrn zu gehen. Seine große Herzensreinheit und außerordentliche Sehnsucht nach der eucharistischen Speise bewogen seine Oberen zu einer Ausnahme. Um Aufhebens zu vermeiden, wurde ihm die Kommunion an diesen Tagen vor dem Aufstehen der Klosterfamilie schon um halb fünf Uhr gereicht. Aus Dank für diese Gnade, die ihm neununddreißig Jahre lang zuteilwerden sollte, kniete Bruder Konrad seit drei Uhr vor dem Tabernakel.

Bruder Konrad, Kapuziner – *22. Dezember 1818 Parzham, +21. April 1894 Altötting

Einundvierzig Jahre versah der Kapuziner Bruder Konrad den Pfortendienst des St.-Anna-Klosters in Altötting. Hier waren nicht nur sein Gebetseifer, sondern auch seine Dienstbereitschaft und seine aufopfernde Liebe für Wallfahrer, Wanderer und Arme waren unermüdlich. Jeden freien Augenblick zog es ihn in die Alexiuszelle, einen dunklen engen Raum unter der Klosterstiege mit einem Durchblick zum Tabernakel.

Wenn es am Abend an der Pforte ruhig geworden war, verbrachte er hier noch viele Stunden bis in die tiefe Nacht. In den ersten dreißig Ordensjahren beschränkte er den Schlaf auf ein Minimum von zwei bis drei Stunden. Von diesen Stunden gestand er einmal, sie enteilten ihm im Lieben und Leiden, im Staunen und Anbeten und Bewundern der namenlosen Liebe seines Gottes zu uns armen Geschöpfen; in dieser Liebe seines Gottes komme er an kein Ende.

Wenn Bruder Konrad an einem Kreuzbild vorüberkam, blieb er stehen, verneigte sich tief, küsste seine Fingerspitzen und berührte damit die Fußwunde des Erlösers.

Auf den Tod erkrankt, musste sich Bruder Konrad am 18. April 1884 in der Krankenzelle des Klosters Ruhe gönnen. Ohne jede Klage, ganz in sich gekehrt lag der Kranke auf seinem harten Lager, ruhig, zufrieden, schweigend, gesammelt und ganz gottergeben. Einem Bruder sagte er: „Ich red jetzt nichts mehr, ich muss mich vorbereiten auf die Ewigkeit.“ – Am 21. April 1884 abends, während des samstäglichen Abendläutens, schied Bruder Konrad von dieser Erde.

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