Martyrium und Liturgie

Martin Mosebach schreibt in seinem Buch „Die 21 – Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer“ (Rowohlt-V. 2018), von jener Wahrheit, die der westlichen Kirche weithin abhanden gekommen ist. Die Kirche Jesu Christi steht auf drei Säulen: der Liturgie, der Diakonie (Caritas) und dem Martyrium (dem Zeugnis bis in den Tod!). Doch diese Wirklichkeit wird uns alle eines Tages einholen.

Mosebach:
Den Ritus aber haben sie bewahrt,
weil er sich auch an ärmlichen, gar primitiven Orten in seiner
ganzen Fülle zu entfalten vermag – in der Konserve der Isolation
aufgespart für eine Zeit, in der das westliche Christentum dabei ist,
die Verbindung zu seinen Wurzeln in der Alten Kirche zu verleugnen.
Westliche Ritenkritik wirft dem «liturgischen Menschen» oftmals vor,
durch die Übertonung der Liturgie gedeihe ein Ästhetizismus,
der die anderen Säulen der Kirche,
die Diakonia, den Dienst am Nächsten, und
die Martyria, das Zeugnis für den Glauben,
zu kurz kommen lasse.
Die Kopten müssen sich dergleichen nicht vorhalten lassen, für sie gilt das Gegenteil.
Liturgia und Martyria sind für sie selbstverständlich
und untrennbar miteinander verbunden.

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