Aus einem Jahrbuch der Kapuziner: das gottlose Leben aufgeben.

In den Jahrbüchern der Kapuziner wird von einer frommen Frau, die ums Jahr 1582 in Spello lebte, erzählt, dass sie einen gar bösen Mann hatte, der sie wie ein Tyrann behandelte und ihr täglich alle Schmach antat. Dieses traurige Dasein führte sie einige Jahre lang und geriet schließlich fast in Verzweiflung. Eines Tages kamen zwei Kapuziner zu ihr ins Haus und baten um Almosen. Sie gewährte ihnen ihre Bitte und klagte ihnen unter Tränen ihre große Not. Die Brüder trösteten sie, so gut sie konnten, und gaben ihr den Rat, täglich die Heilige Messe zu hören und ihr großes Elend dem allmächtigen Gott aufzuopfern; ihr roher Mann würde gewiss durch die Kraft der Heiligen Messe milder werden und sie künftig besser behandeln. Die Frau dankte für diesen guten Rat und versprach, denselben nach Möglichkeit fleißig zu befolgen. Da der Mann jedoch gegen sie so hart war, dass er ihr niemals erlaubte, an Werktagen die Heilige Messe zu hören, so war nun die arme Frau sehr darüber betrübt, dass sie dem Rate der Brüder nicht nachkommen konnte.

Bald darauf fügte es Gott, dass der Mann eine weite Reise antrat, wodurch die Frau Gelegenheit erhielt, täglich die Heilige Messe zu hören. Dies tat sie mit besonderer Andacht, empfahl sich und ihren schlimmen Mann in die Heilige Messe, und rief Gott von Herzen an, dass er ihrem Manne einen anderen Sinn geben möchte. Dieser kam eher von seiner Reise zurück, als die Frau gedacht hatte, und wie ihm nun die Magd auf sein Befragen mitteilte, dass seine Frau in der Kirche wäre, und während seiner Abwesenheit täglich die Heilige Messe gehört habe, da ergrimmte der Bösewicht so sehr, dass er sie zum Teufel verwünschte und umzubringen beschloss.

Sobald die arme Frau das Haus betrat, ergriff er sie beim Halse und wollte sie erwürgen. Die Frau, welche ihr letztes Stündlein gekommen glaubte, schrie zu Gott und bat ihn durch die Kraft der Heiligen Messe, sie zu erretten. Und siehe, alsbald war die Hilfe Gottes da: die Hände des Mannes erstarrten nämlich plötzlich. Hierdurch gegen sie noch mehr erbittert, hielt er seine Frau für eine Zauberin und bot alle seine Kräfte auf, sie zu erwürgen. Allein er vermochte es nicht, denn seine Hände wurden zuletzt wie Stein so kalt und unbeweglich.

Da erst erkannte er die Strafe Gottes, bereute seine schwere Sünde und versprach seiner Frau in allem Ernste, sein gottloses Leben zu bessern und sie fortan als sein Eheweib liebevoll zu behandeln. Alsdann riefen beide die göttliche Barmherzigkeit an und taten viele Gelübde und Versprechungen, bis ihr Flehen endlich erhört wurde, und der Mann seine beiden Hände wieder frei gebrauchen konnte. Diese strenge Züchtigung hat dann auch bei demselben so viel genutzt, dass er sein gottloses Leben wirklich aufgab, sein Eheweib besser behandelte und mit ihr oft die Heilige Messe hörte.

So steht es bei Pater Martin von Cochem: Die Erklärung des Heiligen Messopfers, 14. Kapitel.

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