Wodurch unterscheiden sich Weisheit, Verstand und Wissenschaft

Der folgende Artikel von Pater Gerd Heumesser sei allen Lesern von TU DOMINE empfohlen. Wir alle sollten wieder einmal – und von nun an immer öfter – über die Wahrheiten nachdenken, die uns der heilige Thomas von Aquin erschlossen hat:

Die sieben Gaben des Heiligen Geistes sind jedem geläufig, der sich im Katechismus auskennt. Was die Gabe der Stärke zu bedeuten hat, ergibt sich aus ihrem Namen. Das gleiche gilt für die Gabe der Gottesfurcht und der Frömmigkeit. Wie aber sieht es mit den anderen vier Gaben aus? Wie unterscheidet sich die Gabe der Wissenschaft von der des Verstandes? Und wie der Verstand von der Gabe der Weisheit? Und hängt die Gabe des Rates nicht auch zusammen mit dem Verstand und mit der Weisheit?

Weisheit, Verstand, Wissenschat und Rat haben gemeinsam, daß sie etwas mit dem Glauben zu tun haben. Der Glaube aber ist ein weites Feld. Thomas teilt dieses Feld in drei Bereiche ein. In erster Linie informiert uns der Glaube über Gott. Er zeigt uns Gott als den Dreifaltigen, als den Gütigen usw. Ein zweiter Bereich des Glaubens unterrichtet uns über geschaffene Dinge: über die Engel, über die Sakramente, über die Menschen und ihren Zustand nach der Sünde, über die Rolle der Geschöpfe auf unserem Weg zum Himmel. Und drittens spricht der Glaube auch über das, was wir tun und lassen sollen. Er lehrt, daß wir beten müssen, daß wir die Nächsten lieben sollen, daß wir unser Herz nicht an die Welt hängen sollen.

Wenn diese Botschaft an unser Ohr kommt, müssen wir darauf reagieren. Zuerst müssen wir mit unserem Verstand das erfassen, was uns der Glaube sagt. Uns muß klar sein, was Dreifaltigkeit bedeutet, nämlich ein Gott in drei Personen, auch wenn wir das Geheimnis selbst nicht begreifen. Die Sätze des Glaubensbekenntnisses müssen wir kennen. Wir müssen in unseren Verstand aufnehmen, was der Glaube über die Engel und Sakramente lehrt, und so bei allen Glaubenswahrheiten.

Bei diesem „Verstehen“ des Geglaubten unterstützt uns die Gabe des Verstandes. Sie läßt uns erfassen, was wir glauben.

Damit ist aber nicht schon alles getan. Wenn wir die Wahrheiten des Glaubens mit dem Verstand aufgenommen haben, muß das Konsequenzen haben für unser Leben. Der Glaube fordert von uns, all dem einen den rechten Platz einzuräumen, von dem der Glaube zu uns spricht. Und das ist – wie Thomas oben dargelegt hat – dreierlei.

Da ist zuerst der Bereich Gottes. Es ist unsere Aufgabe, über Gott und die göttlichen Dinge so zu urteilen, wie es ihrer Würde entspricht. Gott darf in unserem Leben nicht eine Nebensache sein, sondern muß den ersten Platz einnehmen. Zu diesem richtigen Urteil über Gott verhilft uns die Gabe der Weisheit. Wer von dieser Gabe geleitet wird, stellt Gott an die erste Stelle.

Nicht nur Gott muß an dem Platz stehen, der ihm zusteht, sondern auch die Engel, die Sakramente, die Kirche und alle anderen Geschöpfe, über die uns der Glaube unterrichtet. Zum passenden Urteil in diesem Bereich hilft uns die Gabe der Wissenschaft.

Die Gabe des Rates schließlich ist dafür zuständig, uns recht zu lenken bei unserem Tun und Lassen. Diese Gabe hilft uns, unsere Handlungen richtig zu beurteilen.

Kurz gesagt: die Gabe des Verstandes läßt uns das Geglaubte erfassen, die drei anderen Gaben helfen uns, richtig zu urteilen: die Weisheit über Gott, die Wissenschaft über die Geschöpfe, die Gabe des Rates über unsere Handlungen.

Daß die Zuständigkeitsbereiche der Gaben sich wirklich so aufteilen, bekräftigt Thomas mit einem Wort des hl. Gregors des Großen. Dieser Kirchenlehrer sagt nämlich, wie der Gegensatz einer jeden Gabe heißt.

Den Gegensatz der Gabe des Verstandes nennt er „Stumpfheit des Geistes (hebetudo mentis)“. Stumpfheit des Geistes ist der Gegensatz zu einem scharfen Verstand, der eindringt in den Glauben. Das Gegenteil der Weisheit nennt er „Torheit (stultitia)“. Diese urteilt verkehrt über das Ziel des Lebens. Die Gabe der Wissenschaft ist der Unwissenheit (ignorantia) entgegengesetzt. Die Gabe des Rates schließlich ist das Gegenteil von Überstürzung (praecipitatio), die zum Handeln schreitet, ohne die Handlung vorher vernünftig überlegt zu haben.

Dieser Artikel erschien in „KIRCHLICHE UMSCHAU. Juni 2018“ – LINK zur KU

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