Die Andacht zum kostbaren Blute Jesu Christi

Als im Anfange des 19. Jahrhunderts der sel. Kaspar del Bufalo in Rom auftrat und die Andacht zu diesem Preise unserer Erlösung mit mächtiger Stimme verkündete, da ward er öfters höherer Erleuchtungen gewürdiget und Gott ließ ihn prophetische Blicke in die Zukunft werfen. Was aber der Diener Gottes in der Zukunft sah, war derart schrecklich, daß er im Innersten erschauderte und unter Tränen seine Mitbrüder ermahnte, sie möchten doch immer und immer wieder das kostbare Blut Jesu Christi dem himmlischen Vater aufopfern und um seinetwillen um Abwendung der drohenden Strafgerichte bitten. Der sel. Kaspar versicherte aber auch öfters und eindringlich, daß, wenn einmal die Strafgerichte kommen und die göttlichen Heimsuchungen begonnen haben, diejenigen Barmherzigkeit finden, welche das kostbare Blut in besonderer Weise verehren. Wahrhaft eine tröstliche Verheißung für diejenigen, welche zu diesem Born der Barmherzigkeit ihre Zuflucht nehmen! Doch wir bedürfen keiner Prophezeihungen, um zu beweisen, daß das kostbare Blut von Gott verlangt wird, um seiner Gerechtigkeit wieder Genugtuung zu leisten. Die Geschichte des alten und neuen Bundes zeigt es mit unwiderstehlicher Klarheit.

Als Gott im Begriffe war, Pharao und das ägyptische Volk mit der zehnten und schrecklichsten Plage zu schlagen, da befahl er Moses und Aaron, den Führern der Israeliten, daß ein jeder für seine Familie und sein Haus ein Lamm nehmen, dasselbe schlachten, und etwas von seinem Blute an die beiden Türpfosten und an die Oberschwelle der Häuser streichen solle, in denen sie es verzehren werden. (Exodus 12:.1 u. 7.) Weiter spricht der Herr:

„Und ich werde in jener Nacht durch das Land Aegypten hindurchziehen, und alle Erstgeburt im Lande Aegypten, sowohl unter den Menschen, wie unter dem Vieh töten, … Das Blut aber wird zum Zeichen für euch an den Häusern sein, in denen ihr seid; wenn ich das Blut sehe, werde ich vor euch vorübergehen und die verderbenbringende Plage soll nicht über euch kommen.“ (Exod. 12. 12 u. 13.)

Wenn nun das Blut jenes irdischen Lammes, das doch nur ein Vorbild des kostbaren, allein rettenden Blutes Jesu Christi war, die Israeliten vor zeitlichem Schaden bewahren konnte, wie viel mehr wird das hochheilige Blut des Lammes Gottes, das gekommen ist, um die Sünden der Welt hinwegzunehmen, unsere Seelen und Leiber vom ewigen Verderben erretten, wenn wir dasselbe an uns fruchtbar machen?

Als im dreizehnten Jahrhundert die Sarazenen Assisi belagerten und das Kloster der heiligen Klara zu erobern versuchten, da ließ sich die Heilige, trotz schwerer Krankheit, das hochwürdigste Gut bei sich tragend, zur Pforte bringen, wo sie also betete:

„O Herr, übergib die Seelen, die auf dich vertrauen, nicht den Gelüsten iher Feinde und beschütze deine Dienerinnen, welche du mit deinem kostbaren Blute erlöst hast.“ Und es erscholl die Stimme Gottes: „Ich werde euch immer beschützen.“ (Brev. Rom.) Tatsächlich konnten die Anhänger Mohammeds dem Kloster kein Leid antun.

Der selige Pfarrer von Ars sagt, daß die Aufopferung des kostbaren Blutes Jesu Christi durch die Hände der allerseligsten Jungfrau Maria das beste Gebet sei, das man verrichten könne, und er fügt hinzu:

„Meine Kinder, merkt euch dieses wohl! Jedesmal, wenn ich eine Gnade erhalten habe, so habe ich sie auf diese Weise erbeten; sie trügt niemals.“

Als im Jahre 1837 in Rom die Cholera ausgebrochen war, eilte der selige Kaspar, obwohl selber schon sehr kränklich und dem Tode nahe, dorthin, er half, wie er nur konnte, die Not zu lindern. Besonders aber forderte er auf zum Vertrauen auf das kostbare Blut Jesu Christi, welches die beste Versicherung sei gegen die göttlichen Strafgerichte. Zu einem Priester, der ihn besuchte, sagte er:

„Es ist Zeit, daß wir mit aller Inbrunst beten, weil Gott uns züchtigt für unsere Sünden; predigen Sie mit aller Kraft und ohne Unterlaß die Andacht zum kostbaren Blute, da haben Sie die Reglen dieser Andacht.“

Damit überreichte er ihm 1000 Stück Statuten der Erzbruderschaft vom kostbaren Blute. Es versicherte der Selige, das kostbare Blut ist es, das die Sünde tilgt, die Seelen rettet, dem Worte des Missionärs Kraft und Fruchtbarkeit gibt und das kostbare Blut ist es, durch das wir gerettet werden.

Als im Jahre 1848 Papst Pius IX. wegen beständiger Revolutionen von Rom flüchten und in einer kleinen Hafenstadt Gaeta mit Namen, seine Zuflucht nehmen mußte, da fand er scheinbar keine Hilfe, bis er, sozusagen auf Befehl Gottes, das Fest zu Ehren des kostbaren Blutes auf die ganze katholische Welt ausdehnte und dadurch die Andacht zu demselben besonders beförderte, wie im nächsten Abschnitte näher beschrieben wird.

Im Anschlusse an das erhabene Beispiel seiner erlauchten Vorgänger sprach und schrieb dann auch der gegenwärtig glorreich regierende Papst Benedikt XV. bei Gelegenheit einer Privataudienz, die er am 12. Juli 1915 dem hochwürdigsten General der Missionspriester vom kostbaren Blute gewährte, in folgender Weise eine Ansicht über diese Andacht und den Krieg aus:

„Ihr in der Tat befördert auf besondere Weise die Andacht zum kostbaren Blute und habt einen Zweck vor Augen, der den Zeitverhältnissen gemäß, besonders in unsern Tagen, nicht übertroffen werden kann.“

„Die Liebe und Nachahmung des Gekreuzigten muß notwendigerweise in den Herzen der Menschen entzündet werden, wenn wir den Zorn des Himmels besänftigen wollen.“

„Es ist absolut unmöglich, einen bleibenden Frieden hier auf Erden zu haben, wenn er nicht auf Ihn gegründet ist, durch welchen der Vater alles versöhnt hat, weil er durch dessen Blut am Kreuze allem, was auf Erden und im Himmel ist, den Frieden hergestellt hat.“ (Koloss. 1; 20.)

„Jesus von seinem Kreuz, durch die Vergießung seines Blutes, als wie mit einer mächtigen Stimme, lehrt uns jede Art des Lebens, besonders das Heil der Menchheit für alle Generationen.“

„Ermüdet deshalb nie und breitet immer mehr die Andacht zum göttlichen Blute aus, zum Heil der Seelen und zur Besserung der menschlichen Gesellschaft.“

Wenn Gott durch die Andacht zum kostbaren Blute früher auf so wunderbare Weise geholfen hat, sollte die nämliche Andacht, wenn wirklich und allgemein geübt, nicht auch jetzt der schwer bedrängten Menschheit zur Rettung dienen?

Sollten nicht wenigstens die Katholiken der ganzen Welt auf Anleitung des Heilgen Vaters und Stellvertreters Jesu Christi jetzt anfangen, die Andacht zum kostbaren Blute allgemein zu üben und dasselbe dem himmlischen Vater aufzuopfern zur Abwendung weiterer und schwererer Strafgerichte Gottes?

Man befördert und übt die Andacht zum kostbaren Blute schon durch ein frommes, christliches Leben, Meidung der Sünde und Gelegenheit zu derselben, durch häufigen und würdigen Empfang der heiligen Sakramente, durch Besuchung des heiligen Kreuzweges; dann duch die Stoßgebete:

„Gelobt und gebenedeit sei das heiligste Herz und das kostbare Blut Jesu im hochheiligen Sakramente des Altars.“ (300 Tg. Abl. jedesmal. Pius X. 25, Aug. 1908.)

„Ewiger Vater, ich opfere dir auf das kostbare Blut Jesu Christi zur Genugtuung für meine Sünden und für die Anliegen der heiligen Kirche.“ (Ablaß von 100 Tagen, so oft man dieses Gebet spricht. Pius VII. 22. Sept. 1817.)

Oder wie besonders angemessen für die gegenwärtige Zeit:

„Ewiger Vater, ich opfere dir auf durch die Hände der allerseligsten Jungfrau Maria das kostbare Blut Jesu Christi zur Genugtuung für meine Sünden, für die Anliegen der heiligen Kirche, zur Abwendung der Kriesgefahr und zum Troste der armen Seelen.“

„Wir bitten dich also, komme deinen Dienern zu Hilfe, die du mit deinem kostbaren Blute erlöset hast.“

„Hochgepriesen sei das heiligste Blut Jesu jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen.“

Besonders verdienstliche Gebete zu Ehren des kostbaren Blutes sind die weiter unten angeführten sieben Aufopferungen oder das Rosenkränzlein.

„Gott will es! Gott will es!“ –
So ertönte einst der Ruf einer fast überirdischen Stimme an das Ohr des christlichen Volkes, um sie zu den Kreuzzügen aufzufordern. Gott will es! so rufen wir auch heute mit überzeugter Gewißheit, Gott will es, daß das kostbare Blut aufgeopfert werde zur Genugtuung für unsere Sünden, für die Anliegen der heiligen Kirche, zur Abwendung der Kriegsgefahren und zum Troste der armen Seelen.

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Aus: Die Andacht zum kostbaren Blute Jesu Christi. Hilfe und Trost in Trübsal. 5. Auflage 21 – 31000. Von P. Alfons Müller, Missionspriester vom kostbaren Blute. Druck der Theodosius-Buchdruckerei „Paradies“ Ingenbohl, Kt. Schwyz.
Nihil obstat: M. Balzer, Libr.Censor. Imprimatur. Curiae, 1. Mart. 1916. + Georgius, Ep. Cur. – Nihil obstat puominus iterum typis edatur. Romae, 6 Jan. 1915. Joseph Schaeper, Censor delegatus C. PP. S.

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