Hl. Papst Pius X. – 4. August

Die Wahl Pius X. – Im Konklave, das am Freitag, den 31. Juli 1903, begann, scharte sich die größte Partei um den letzten Staatssekretär Leos XIII. Rampolla. Für ihn waren, da er für sehr franzosenfreundlich galt, zunächst die sieben französischen Kardinale, ferner die fünf spanischen, der portugiesische, der belgische und zehn italienische, zusammen vierundzwanzig. Gegen ihn waren einige Italiener, die Österreicher, die Deutschen, der Holländer und der Amerikaner. Einen bestimmten Kandidaten hatten aber die Gegner Rampollas nicht. Einige wollten einen Kurialen gewählt wissen, weil er besser an die komplizierte Zentralverwaltung gewöhnt sei, andere meinten, es sei Zeit, die politischen Bestrebungen mehr zurücktreten zu lassen und einen “religiösen Papst” zu wählen. In dieser Gruppe soll früh schon, freilich nur als ganz unbestimmte Möglichkeit, der Name des Patriarchen von Venedig, Giuseppe Sarto, genannt worden sein. Übrigens ist aus dem dritten Bande der Denkwürdigkeiten des Fürsten Hohenlohe zu ersehen, daß man schon 1899 an ihn dachte.

Die erste Abstimmung am Sonnabend früh ergab für Rampolla 24, Gotti (in der Presse als Kandidat des Dreibundes bezeichnet) 17, Sarto 5, Serafino Vannutelli 4, Oreglia, Capecelatro, di Pietro je 2 Stimmen und für Agliardi, Ferrata, Richelmy, Portanova, Cassetta, Segna je 1.

Am Sonnabend Abend waren für Rampolla 29, Gotti 16, Sarto 10, Richelmy 3, Capecelatro 2, S. Vannutelli und Segna je 1.

Am Sonntagmorgen (2. August), während die Kardinale ihre Stimmzettel schrieben, erhob sich der Kardinalerzbischof von Krakau, Kniaz de Kozielsko Puzyna, um im Namen des Kaisers von Österreich gegen Rampolla die Exklusive auszusprechen. Der Kardinaldekan Oreglia antwortete, daß diese Mitteilung von dem Konklave in keiner Weise angenommen werden könnte. Auch Rampolla beklagte in energischen Worten diesen Angriff auf die Freiheit der Papstwahl und die Würde des Heiligen Kollegiums, fügte aber bei, daß ihm persönlich nichts angenehmer sei. Heute wissen wir, daß die italienische Regierung (Ministerpräsident Zanardelli) das Veto erwirkt hatte.

Es übte nicht die erwartete Wirkung. Die Kardinale verurteilten es fast alle, und die Freiheit der Wahl hat es nicht beeinträchtigt. Bei der folgenden Abstimmung erhielt Rampolla 29, Sarto 21, Gotti 9 Stimmen, am Abend Rampolla 30, Sarto 24, Gotti 3. Die übrigen 3 und 5 waren zersplittert.

Nicht an dem Veto, sondern an der unerschütterlichen Haltung ihrer Gegner scheiterte die Kandidatur Rampollas. Seine Anhänger mußten nachgeben. Sartos Stern stieg immer mehr. Der einflußreiche Satolli arbeitete für ihn. Am Montag früh erhielt Sarto 27, Rampolla 24, Gotti 6, am Abend Sarto 35, Rampolla 16, Gotti 7, und am Dienstag Vormittag wurde Sarto mit 50 Stimmen gewählt. Von den übrigen 12 erhielt Rampolla 10, Gotti 2.

Am Mittag des 4. August 1903 spendete der Papst zum ersten Male in St. Peter den Segen. Ein Nobelgardist hatte ihn gebeten, es nach dem Wunsche des Volkes auf der äußeren Loggia zu tun, und der Papst hatte es, ohne an die politische Bedeutung zu denken, gern zugesagt. Oreglia machte aber auf die “ernsten Folgen der Handlung” aufmerksam, und der Papst ließ sich ins Innere führen, tat nach dem Beispiele Leos XIII. und übernahm die Rolle des Gefangenen im Vatikan.

(Papstgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart, Verlag Joseph Kösel & Friedrich Pustet 1933)

PP PioX (1903-1914)

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