† 23. September 1968 – Pater Pio vor der Stigmatisation

Noch kurz vor seiner Stigmatisation beschreibt Pater Pio am 6. September 1918 in einem Brief an Pater Agostino seinen Zustand, der schon so lange Zeit angehalten hat:

Was ist bloß geschehen?
Satan weicht nicht von meiner Seite mit seinen lebhaften Versuchungen, und ich schaue immer untätig zu, weil ich unfähig bin, mich seiner zu entledigen durch einen Willen, den ich mir energisch wünschte.

Der Feind stürmt weiter vor, weiter und immer weiter und weiter, und er trifft mich im Innersten. Der heilige Gehorsam, der als letzter Pfeiler die zusammenstürzende Burg noch aufrecht hielt, ist nun auch in Gefahr. Mein Gott! …

Was wird mit diesem deinem Geschöpf geschehen?

Die Versicherungen gehen im Sturm der Ängste und der Qualen unter, denn der, welcher allmächtig ist, kann das Licht und den Eindruck des Trostes zerstören, eben weil die Seele in den Qualen bleiben muß, und nach dem Tropfen Honig ist sie gezwungen, den Kelch der bittersten Bitternis an die Lippen zu setzen, um ihn weiter, bis zur Neige, auszutrinken.

O Gott der Liebe, so mögen sich denn deine ewigen und gerechten Ratschlüsse an deiner Kreatur erfüllen, doch laß ihr die Kraft, contra spem [gegen alle Hoffnung] zu hoffen!

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