† 23. September 1968 – Die Schulterwunde des Pater Pio

Der polnische Kardinal Deskur, ein Freund des späteren Papst Johannes-Paul II. berichtet von einer Begegnung des jungen Bischofs Karol Józef Wojtyła bei Pater Pio in San Giovanni Rotondo. Der Bischof habe ihn gefragt, so berichtet der Kardinal, welche Wunde, welches der Stigmata ihm am meisten wehtue. Überzeugt, er würde, auf die Herzwunde hinweisen, war Wojtyła sehr überrascht, als Pater Pio zu ihm sagte: „Nein, am meisten tut mir das an der Schulter weh, von dem niemand etwas weiß und um das sich auch niemand kümmert.

Es existiert das Zeugnis, welches ein Laienbruder des Kapuzinerklosters in San Giovanni Rotondo gegeben hat. Pater Pio vertraute einmal Bruder Modestino Fucci an, dass einer seiner größten Schmerzen derjenige sei, wenn er sein Unterhemd wechselte. Bruder Modestino berichtet, dass das Gespräch in jener Zelle, die der stigmatisierte Ordensmann die meiste Zeit über bewohnte, stattfand. Auch er dachte, wie der spätere Papst Johannes-Paul II., dass der Schmerz durch die Wunde, die er an der Brust hatte, verursacht würde.

Erst drei Jahre nach dem Tod des „Heiligen vom Gargano“, am 4. Februar 1971, versteht Bruder Modestino richtig. Der Vorsteher des Klosters hatte ihn beauftragt, er solle die Kleidungsstücke Pater Pios und all dasjenige, was er benutzt hatte, in eine dafür vorgesehene Verpackungen bringen und diese versiegeln. Dabei fällt ihm ein wollenes Unterhemd in die Hände, das der Pater mit den Stigmata benutzt hatte. Er bemerkt „ein unverkennbares Zeichen eines kreisförmigen Blutfleckes von etwa zehn Zentimetern Durchmesser am einen Ende der rechten Schulter, in der Nähe des Schlüsselbeins“.

Der furchtbare Schmerz also, über den Pater Pio klagte, wenn er sich das Unterhemd auszog, konnte somit nur durch diese geheimnisvolle Wunde verursacht worden sein, von der niemand Kenntnis hatte.

Bruder Modestino erinnert sich an ein Gebet zu Ehren der Schulter unseres Herrn, die ihm durch das harte Holz des Kreuzes aufgerissen worden war, das drei seiner heiligsten Knochen freigelegt und ihm dadurch bitterste Schmerzen zugefügt hatte. Wenn also sich bei Pater Pio alle Schmerzen der Passion wiederholt hatten, war nicht auszuschließen, dass er auch diejenigen erlitten hatte, die durch die Wunde an der Schulter hervorgerufen worden waren.

Bruder Modestino ließ es damit noch nicht beruhen. Er sucht das Gespräch mit Pater Pellegrino, der Pater Pio lange Zeit gepflegt hatte. Pater Pellegrino sagte: „Wenn ich etliche Male dem Pater half, das wollene Unterhemd zu wechseln, das er trug, habe ich fast immer, bald auf der rechten und bald auf der linken Schulter, einen kreisförmigen Blutfleck bemerkt.

Bruder Modestino will aber mehr wissen, am besten einen Beweis haben. Darum betete er jeden Abend zu Pater Pio: „Lieber Vater, wenn du wirklich diese Wunde an der Schulter hattest, dann gib mir ein Zeichen dafür.“

Einmal, als er schlief, weckte ihn um fünf nach eins in der Nacht ein plötzlicher, heftiger Schmerz an der Schulter. Er berichtet darüber: „Es war so, als hätte jemand mir mit einem Messer das Fleisch vom Schlüsselbein abgeschabt. Hätte dieser Schmerz noch einige Minuten länger gedauert, dann wäre ich, glaube ich, gestorben. Gleichzeitig hörte ich eine Stimme, die zu mir sagte: ,So habe ich gelitten.‘ Und ein intensiver Duft hüllte mich ein und erfüllte meine ganze Zelle. Ich fühlte das Herz überfließen vor Liebe zu Gott.

Und ich erlebte noch eine seltsame Empfindung: Dieses unerträglichen Leidens beraubt zu sein war mir noch schmerzhafter. Der Körper wollte es wegstoßen, aber meine Seele verlangte danach.

Jetzt hatte ich verstanden!

Verwirrter denn je hatte ich die Gewissheit, dass Pater Pio außer den Stigmata an den Händen, an den Füßen und an der Seite, darüber hinaus die Geißelung und die Dornenkrönung erlitten hatte und jahrelang als ein neuer Simon von Cyrene allen und für alle Jesus geholfen hatte, das Kreuz unseres Elends, unserer Schuld und unserer Sünden zu tragen. Und dieses Hemd trug unauslöschlich das Zeichen dafür!

(Vgl. Andrea Tornielli: Das Geheimnis von Pater Pio und Karol Wojtyla. Verlag Media-Maria 2014)

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Beten vor der unbekannten Schulterwunde des Herrn

Vom heiligen Bernhard von Clairvaux wird überliefert, dass er selbst einmal im Gebet Jesus Christus die Frage stellte, welches sein größter körperlicher Schmerz während der Passion gewesen sei. Jesus soll ihm dazu die folgende Antwort gegeben haben:

„Vom Tragen des Kreuzes hatte ich auf der Schulter eine drei Finger tiefe Wunde und drei bloßgelegte Knochen.
Diese Wunde hat mir mehr Qual und Schmerz bereitet als die anderen.
Bei den Menschen aber ist sie nicht bekannt.
Doch du enthülle dies den getreuen Christen und wisse, dass jede Gnade, die sie durch diese Wunde erbeten werden, ihnen auch gewährt wird.
Und all jenen, die aus Liebe zu mir den Schmerz dieser Wunde erwägen und mich jeden Tagen ehren mit drei Pater noster, Ave Maria und Ehre sei dem Vater, jenen werde ich die lässlichen Sünden verzeihen, ich werde nicht mehr an die schweren Sünden denken, sie werden nicht eines plötzlichen Todes sterben, zum Zeitpunkt des Todes werden sie von der Jungfrau Maria besucht und mit der Gnade werden sie die Barmherzigkeit erlangen!“

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Siehe auch – https://tudomine.wordpress.com/2017/04/07/schulterwunde-des-herrn/

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