Eine Grundlage der Priesterberufung

Der übernatürliche Geist der Liebe, des Dienens und des Selbstopfers einer Mutter (und oft der Mutter einer kinderreichen Familie) ist auch die feste Grundlage einer Priesterberufung und der Fruchtbarkeit des priesterlichen Lebens ihres Sohnes. Das folgende bewegende Beispiel beleuchtet diese Wahrheit in einer beeindruckenden Weise:

„In der Stadt Zaborze in Oberschlesien ist ein Grab, das oft von Pilgern besucht wird. Über dem Grab befindet sich eine Lourdes-Grotte. Zu Füßen der Statue der Unbefleckten, in einer gläsernen Schatulle, liegt ein Myrtenkranz. Hier ist die Geschichte des Myrtenkranzes. Ein Priester ist im Grab beigesetzt, zu Füßen der Grotte. Er war das jüngste von zehn Kindern. Als junger Mann arbeitete er sehr hart, um genug Geld zu verdienen für das Priesterstudium, denn seine Eltern waren arm. Nach seiner Priesterweihe ging er als Missionar nach Indien, wo er viele Jahre arbeitete. Als er starb, wurde er in seiner Heimatstadt Zaborze beerdigt und über seinem Grab wurde eine Grotte Unserer Lieben Frau von Lourdes errichtet, weil er immer eine besondere Verehrung der Unbefleckten Jungfrau Maria gefördert hatte. Nach der Beerdigung dieses seeleneifrigen Priesters wurde unter den von ihm zurückgelassenen Gegenständen eine kleine Schachtel mit dieser Aufschrift gefunden: „Nach meinem Tod zu öffnen.“ Die Schachtel enthielt einen Myrtenkranz und diesen Vermerk: „Das ist der Brautkranz meiner Mutter. Ich habe ihn mit mir in verschiedene Länder getragen, auf meinen Reisen über Land und See, zur Erinnerung an jenen heiligen Augenblick als meine Mutter nicht nur Treue, sondern auch Aufrichtigkeit am Altar Gottes gelobte. Sie hat dieses Gelöbnis gehalten. Sie hatte den Mut, mir nach ihrem neunten Kind das Leben zu schenken. Nach Gott verdanke ich ihr mein Leben und meine Priesterberufung. Wenn sie mich nicht gewollt hätte, wäre ich nicht Priester und Missionar geworden; ich wäre nicht fähig gewesen, für die Rettung der Seelen zu arbeiten. Legt diesen Kranz, den Brautkranz meiner Mutter, in mein Grab. Darum bitte ich denjenigen, der diese Schachtel finden wird.“ Als man den Kranz gefunden hatte, war das Grab schon verschlossen. Deshalb legte man den Kranz zu Füßen der Statue der Unbefleckten Gottesmutter, welcher dieser Priester sein Leben geweiht hatte.“ (Lovasik, L.G., Treasury of Catechism Stories, Tarentum PA 1966, nr. 386).

(Aus einem Vortrag von Weihbischof Athanasius Schneider, 7. Oktober 2018)

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