Bleiben und Schweigen

Abbas Serapion hat die wunderschöne, aber leichtlebige Kurtisane Taïs in Alexandrien dazu überreden können, ihren Lebenswandel aufzugeben; er führt sie in ein Frauenkloster, wo sie sich für drei Jahre – bis zu ihrem Tod – in ein Kellion einschließen lässt. Bevor Serapion sie verlässt, fragt sie:

„Wie befiehlst du mir zu beten? Ich fürchte, dass ich dazu nicht würdig bin.“
Da sagt er ihr:
„Ich weiss, dass du unwürdig bist, den Namen des Herrn anzurufen, oder [auch nur] die Hände auszubreiten, um ihn anzuflehen, denn deine Lippen sind befleckt und deine Hände unrein, deshalb [bleibt dir] nur:
Sitze schweigend, nach Osten gewendet,
sage in deinem Herzen nichts als dies:
Der du mich geschaffen hast, erbarme dich meiner;
ich habe gesündigt, sei mir gnädig.“

Und nachdem er noch ein Gebet gesprochen und sie dem Herrn anbefohlen hatte, ging er.

(F. NAU: Histoire de Taïs. Serapion und Thaïs)

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