Die Hölle (1/3)

1. Ohne jeden Trost

Der Glaubenssatz über die Hölle lautet:
Es gibt einen Strafzustand der von Gott verworfenen Engel und Menschen, den wir Hölle nennen. Dieser Strafzustand ist ewig.

Die Auserwählten gelangen also mit Christus in die ewige Glorie; die Verdammten aber mit dem Teufel in die ewige Strafe. Christus hat furchtbare Worte über die Hölle gebraucht: „Untergang“, „ewige Züchtigung“, „Ort des ausgestoßen Seins in die Finsternis, wo Heulen und Zähneknirschen sein werden“, „in den Flammen der Peinigung“, „Feuerofen“, „die Feuerhölle“ (Mt 10,28; 7,13; 25,46; 14; 8,12; 13,42; L k 16,24; Mk 9,43). Der heilige Apostel Judas nennt die Hölle: „Pfuhl, der von Feuer und Schwefel brennt“ (Jud 21,8). „Der Rauch ihrer Qualen wird aufsteigen in Ewigkeit“ (Jud 14,11). „Tag und Nacht werden sie gequält werden in Ewigkeit“ (Jud 20,10).

Wollte man behaupten, die Schrift meine mit dem Worte „ewig“ nur eine sehr lange Zeitdauer, so spricht, was die Ewigkeit der Hölle angeht, das Wort Christi bei Matthäus (25,46) eine deutliche Sprache: „Und diese (die Verdammten) gehen ein in die ewige Strafe, die Gerechten aber ins ewige Leben.“ Der Herr spricht dieses Wort vom Weltgericht, danach bleibt der Zustand von Himmel und Hölle ohne Änderung erhalten.

In dieser Welt hat der Unglückliche noch irgendetwas Gutes, in der Hölle gibt es für den Verdammten nichts mehr, was ihn erfreuen könnte. Der Ort ist ein schrecklicher Kerker, die Gesellschaft ist entsetzlich, einer quält den anderen. Es gibt niemand, bei dem man sich beschweren kann. Es gibt niemand, bei dem man sich aussprechen kann. Der eigene Leib ist einem eine entsetzliche Last. Die Seele ist von verzweifelten Gewissensbissen geplagt. Das ganze Geschöpf wird von ständigem Hass vergiftet, ohne umzukommen.

Der Blick in die Vergangenheit ist eine einzige Marter, weil er sieht wie leichtfertig das Leben und wie leicht der Himmel zu erobern war. Der Blick in die Zukunft ist die reinste Verzweiflung, da es keinen Ausweg aus dem Ort der Qualen gibt. Das ganze Dasein der Verdammten ist eine einzige Ruine. Sie bleiben auf ewig Krüppel.

In die Hölle kommen also alle, die Gott in diesem Leben nicht lieben, die sich keine Gewalt antun, das Himmelreich an sich zu reißen. In die Hölle kommen alle, die in der Sünde leben und in Unbußfertigkeit sterben. Auch ich komme in die Hölle, wenn ich so lebe wie sie. Vielleicht wäre ich schon längst verloren, hätte nicht Gottes Barmherzigkeit mich noch am Leben erhalten.

Ich will in Zukunft die Zufluchtsstätte, die ich in Gottes Güte finde, benutzen, um mich heilsam zu bessern. Ich will alle meine Sünden bereuen, ich will Gottes Gebote lieben und achten und will unerschütterliches Vertrauen haben auf die Liebe dessen, der mich erlöst hat.

Ludwig de Ponte SJ (1554 – 1624)

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