Die Hölle (3/3)

3. Heiliges Kreuz errette uns

Wir haben also in der Hölle eine doppelte Qual zu unterscheiden, die Qual der Sinne und die Qual des Verdammt seins. Die Qual der Sinne wird vornehmlich durch das ewige Feuer verursacht, die Qual des Verdammt seins ist die des Ausschlusses von den Freuden und der Anschauung Gottes. Die Qual des Verdammt seins steigert also die Qual der Sinne ins Unermessliche.

Was würde es für eine Erleichterung bedeuten für die Insassen der Hölle, wenn sie erführen, wir bleiben vielleicht nur 100, vielleicht nur 10.000, vielleicht nur 1 Milliarde Jahre hier; aber dann hat es ein Ende. Es wäre am Ende dieses furchtbaren Weges doch ein kleiner Schimmer Hoffnung. So aber gibt es nichts, was ihre Qual erleichtert. Selbst nach Jahrmilliarden wird der Verdammte noch so brennen, als sei er erst eben in die Hölle gekommen. Die Wände dieses Gefängnisses sind ja unerschütterlich. Der Rauch des Feuers steigt auf in Ewigkeit.

Es ist die Flamme, die nie erlischt. Die Geister, die mitgefangen sind, sind unsterblich. Die Sünde aber kann dort nicht vergeben werden, weil es in der Hölle keine Reue mehr gibt. In den Qualen der Unterwelt wirkt die Kraft des Blutes Christi nicht mehr.

Wie schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen (Hebr 10,31). Wie kann sich ein armes Geschöpf nur so überheben und den Zorn des lebendigen Gottes herausfordern? Wie kann man sich nur freiwillig von Gott, als seinem letzten Ziel und Ende, seiner höchsten Vollendung, lossagen?

Welche Verblendung liegt in der Tatsache, dass sich ein Mensch um einer einzigen bösen Stunde willen die Ewigkeit der Hölle zuzieht! Da kann man mit Recht mit dem Weisen sagen: „Für einen Pfennig Lust eine Million Reue.“ Aber auch dieses Wort ist nicht hart genug, man müsste sagen: „Für einen Pfennig Lust eine Million Hass und Verzweiflung.“

Sei vernünftig, o Mensch, und wache über deine Seele. Tu deinem Willen Gewalt an, um alles Böse in ihm zu brechen und ihn auf das Gute auszurichten. Fürchte nicht die kurze und leichte Strenge der Buße, sondern fürchte die ewige und schreckliche Rache Gottes.

O Herr im Himmel, habe Mitleid mit unserer Blindheit.

Lass die Flammen der Hölle ohne Unterlass vor unseren Augen leuchten, damit ihr Anblick uns mit heilsamen Schrecken erfülle. Lass uns begreifen, dass es besser ist, die Grenzen Deiner Gebote zu wahren, als in den Ketten der ewigen Verdammnis zu leiden.

Vater des Erbarmens, habe Erbarmen mit uns armen Menschen, lass uns lieber hier in der Welt leiden als dort in der Ewigkeit.
Göttlicher Heiland, liebenswürdiger Erlöser, gib uns eine wahre Kreuzesliebe, damit wir durch Kreuz und Leid in die Herrlichkeit eingehen und ewig gerettet werden.

Ludwig de Ponte SJ (1554 – 1624)

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